Aktualisiert 16.08.2019 12:44

Fäkalien, Drohnen, illegales CampenWie Turnschuh-Touristen die Natur verschandeln

Die Steinböcke auf dem Brienzergrat fliehen in die Wälder. Der Grund: Laute Ausflügler nehmen zunehmend ihren Lebensraum ein.

von
miw
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Dass diese Landschaft Ausflügler anzieht, ist nicht weiter erstaunlich.

Dass diese Landschaft Ausflügler anzieht, ist nicht weiter erstaunlich.

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Einmalig ist der Brienzergrat, der sich im beliebten Augstmatthorn gipfelt.

Einmalig ist der Brienzergrat, der sich im beliebten Augstmatthorn gipfelt.

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Doch das Verhalten der Besucher bereitet dem dortigen Wildhüter Sorgen. Illegales Campieren auf geschütztem Gebiet, lautes Musikhören auf freier Wildbahn oder Drohnenflüge würden die Flora und Fauna vor Ort ganz durcheinander bringen.

Doch das Verhalten der Besucher bereitet dem dortigen Wildhüter Sorgen. Illegales Campieren auf geschütztem Gebiet, lautes Musikhören auf freier Wildbahn oder Drohnenflüge würden die Flora und Fauna vor Ort ganz durcheinander bringen.

zvg

Seit über 30 Jahren zieht Wildhüter Bruno Dauwalder durch die Natur oberhalb des Brienzersees – die Flora und Fauna der Region kennt er in- und auswendig. Auch die Steinböcke auf dem Brienzergrat sind ihm bestens vertraut.

Doch was der Wildhüter in den letzten zwei Jahren oben auf dem Augstmatthorn erlebt hat, bereitet ihm zunehmend grosse Sorgen: Das Gebiet, das unter eidgenössischem Schutz steht, verändert sich – Steinböcke ziehen sich zurück, die Gämsen fühlen sich verjagt. «In der Landschaft stinkt es zudem auch nach Fäkalien und Urin, immer wieder findet man hier herumliegenden Müll», ärgert sich der Wildhüter. Der Grund: «Turnschuh-Touristen verwandeln die hiesige Natur in einen Rummelplatz.»

Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft

Auf beinahe jedem Rundgang, egal zu welcher Tageszeit, treffen Wildhüter Dauwalder oder seine Kollegen oben auf dem Grat auf unerwünschte Ausflügler – «sie hören laute Musik, biwakieren oder zelten illegal im Jagdbanngebiet oder lassen Drohnen fliegen», rapportiert der Oberländer. So mussten pro Sommer bis 20 Personen bei der Staatsanwaltschaft wegen Campierens im Jagdbanngebiet verzeigt werden. Immer wieder legen sich die Wildhüter und Ranger auch mit Drohnenpiloten an. Denn: «Durch die surrenden Flugobjekten wird das natürliche Verhalten des Steinwilds stark gehemmt», weiss der Wildhüter.

Die Tiere suchen mittlerweile vermehrt Zuflucht in den Wäldern oberhalb der Brienzersee-Gemeinden. Das ist nicht unproblematisch: Der dortige Forst dient eigentlich als Schutzwald für die darunterliegenden Dörfer. Das Wild zerstört nun diesen Schutz und fördert so Steinschläge und Lawinen.

Ein Teufelskreis, verursacht durch Instagram

Der Auslöser für den Teufelskreis sieht der Berner Oberländer in den sozialen Medien. «Auf Instagram und Co. findet man massenhaft schöne Fotos vom Augstmatthorn – Leute aus dem In- und Ausland wollen selber hierherkommen, um das Abenteuer ‹Natur› zu erleben und abzulichten.» Der Umgebung angepasst würden sich die Leute aber eben nicht verhalten. Um zu versinnbildlichen, was er meint, erwähnt Dauwalder schliesslich absurde Beispiele. «Es ist auch schon vorgekommen, dass ich oben auf dem Berg einer Braut im langen weissen Kleid begegnet bin, die für Fotos posierte.»

Für solche Aktionen, die zum perfekten Instagram-Bild verhelfen sollen, hat Dauwalder kaum Verständnis. Und dennoch will er mithilfe des Kantons Bern nun ebenfalls via Social Media versuchen, die Situation auf dem Augstmatthorn zu entschärfen. «Wir versuchen nun, die Leute via Instagram und Facebook zu sensibilisieren – denn es sind schliesslich genau diese Leute, die auf den Plattformen unterwegs sind, die hier oben die Steinböcke stören und die Natur verschandeln.»

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