NHL-Team für Winnipeg: Wie TV-Milliarden Kanada helfen
Aktualisiert

NHL-Team für WinnipegWie TV-Milliarden Kanada helfen

Ganz Kanada fiebert im Stanley-Cup-Final mit den Vancouver Canucks mit. Doch im Hintergrund werden für das Mutterland des Eishockeys entscheidendere Geschäfte abgewickelt.

von
Jürg Federer
USA
31. Mai 2011: Eishockey-Fans feiern in den Strassen von Winnipeg, dass die Atlanta Thrashers in ihre Stadt umziehen werden.

31. Mai 2011: Eishockey-Fans feiern in den Strassen von Winnipeg, dass die Atlanta Thrashers in ihre Stadt umziehen werden.

Eine Investorengruppe aus dem kanadischen Winnipeg will die Atlanta Thrashers kaufen. Damit steht ein siebtes NHL-Team kurz vor dem Umzug ins Mutterland des Eishockeys. Der abschliessende Entscheid durch die Teambesitzer aller NHL-Franchises am 21. Juni 2011 ist nur noch Formsache.

Kurz nachdem die NHL mit dem amerikanischen TV-Anbieter Comcast einen exklusiven TV-Vertrag über zehn Jahre abschliessen konnte, hat NHL-Commissioner Gary Bettman, seit Jahren Visionär und Förderer von NHL-Eishockey in amerikanischen Wüstenstädten, seine Ansichten geändert. Um diesen TV-Vertrag über zwei Milliarden Dollar abzuschliessen, musste er den TV-Generälen von Comcast die nationale Abdeckung der NHL von Ost nach West und von Nord nach Süd vorgaukeln. Die maroden NHL-Teams in Atlanta, Phoenix oder Florida waren deshalb Taufpate dieses nationalen Milliardendeals. Aber jetzt, wo der Vertrag unter Dach und Fach ist und die TV-Milliarden für zehn weitere Jahre fliessen werden, kann Bettman die toten NHL-Teams im Süden der USA aus ihrer Anonymität befreien und zurück ins leidenschaftliche Kanada führen, wo Eishockey so wichtig ist wie Politik und NHL Stars verehrt werden wie Filmstars.

Die NHL-Landkarte wird neu definiert

Nach dem Entscheid, die Atlanta Thrashers nach Kanada zu verkaufen, dauerte es 17 Minuten, bis in Winnipeg alle 13 000 angebotenen Saisonkarten für die NHL Saison 2011/12 abgesetzt waren. 17 Minuten, die die NHL der Zukunft viel mehr verändern als die elf Sekunden, die Alex Burrows am Samstagabend benötigte, um Vancouver in der Verlängerung von Spiel zwei zu einem erdrückenden Stanley-Cup-Favoriten zu schiessen.

Nach den Atlanta Thrashers können nun, da Kanadas Märkte für die NHL wieder attraktiv sind, auch die Florida Panthers und in einem nächsten Schritt die Phoenix Coyotes in den Schoss des Eishockeys zurückkehren. Der Dollarkurs ist momentan so schwach, dass jedes NHL-Team für kanadische Investoren ein Schnäppchen ist und diese Entwicklung wird die NHL-Landkarte so nachhaltig verändern, dass die aktuellen Erfolge der Vancouver Canucks geradezu als unbedeutend erscheinen. Den Stanley Cup kann man schliesslich jedes Jahr gewinnen. Kanada um ein neues NHL-Team bereichern, das ist dem entgegen der grösste Erfolg des Mutterlands des Eishockeys nach Jahrzehnten der Abwanderung ihrer liebsten Sportart in die USA.

Canucks gewinnen Stanley Cup zu 91,3 Prozent

Alex Burrows war nach der ersten Stanley-Cup-Finalpartie ein Kandidat für eine Suspendierung, weil er angeblich Bostons Patrice Bergeron in den Finger gebissen haben soll (20 Minuten Online berichtete). Nun wurde Burrows mit zwei Toren zum Mann des Spiels. Dank diesen Toren liegt Vancouver in der Serie nun mit 2:0 in Führung. In 46 Anläufen hat das Team, das mit 2:0 in Führung ging, 42 Mal den Stanley Cup gewonnen. Das ist eine Erfolgsquote von 91,3 Prozent. Burrows hat Kanada mit seinem Siegtor nach nur elf Sekunden in der Verlängerung auf den besten Weg gebracht, in Kanada die erste Stanley Cup-Party nach 18 Jahren ausschliesslich amerikanischer Erfolge zu feiern.

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