Aktualisiert 27.05.2020 07:24

Energie- und Umweltbilanz

Wie umweltfreundlich ist vegane Ernährung?

Pflanzliche Lebensmittel haben meist eine bessere Energie- und Umweltbilanz als Fleisch, Milch und Eier. Wie kann man mit der Ernährung die Umwelt schützen?

von
Stephanie Sigrist
Es ist schwierig, die Ökobilanz von Lebensmitteln mit einer genauen Kennzahl anzugeben, und vegane Produkte haben nicht per se die bessere Umweltbilanz. Umweltbewusste Konsumenten fahren mit regionalen und saisonalen Produkten auf pflanzlicher Basis meist am besten.

Es ist schwierig, die Ökobilanz von Lebensmitteln mit einer genauen Kennzahl anzugeben, und vegane Produkte haben nicht per se die bessere Umweltbilanz. Umweltbewusste Konsumenten fahren mit regionalen und saisonalen Produkten auf pflanzlicher Basis meist am besten.

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Die Ostertage wurden auch dieses Jahr von Veganern und Tierrechtsaktivisten genutzt, um in sozialen Medien Fotos von blutverschmierten Eiern, geschredderten Küken und überzüchteten Hühnern zu teilen. Artikel über Veganismus sorgen auf 20 Minuten regelmässig für hitzige Kommentare. Veganer behaupten, nur mit veganer Ernährung sei der Klimawandel noch aufzuhalten, und oftmals spielen auch ethische Überlegungen eine legitime Rolle bei der Argumentation. Fleischfanatiker monieren hingegen, dass ihr Steak immerhin in der Schweiz produziert worden sei – was man von den Sojaburgern und Quinoa-Schnitzeln der Vegetarier nicht behaupten könne. Die Produktion von Lebensmitteln ist weltweit für rund 30 Prozent aller Umweltbelastungen verantwortlich. Wie schneidet die vegane Ernährungsweise in Bezug auf die Energie- und Umweltbilanz ab?

Die graue Energie von Lebensmitteln ist die Energiemenge, die auf dem Lebensweg der Produkte benötigt wird. Sie steckt zum Beispiel im Wärme- und Strombedarf bei der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln, im verbrauchten Treibstoff für den Transport, in der Produkteverpackung sowie im Strom- und Wärmebedarf bei Lagerung, Verkauf und Zubereitung. Neben den Lebensmittelproduzenten tragen auch die Konsumenten zur Energiebilanz von Lebensmitteln bei. Dies beispielsweise mit der Wahl des Verkehrsmittels für die Anreise zum Laden oder Markt, dem Einkaufsort und der Aufbewahrung sowie Verwertung der Produkte.

Futteranbau hat den grössten Einfluss auf die Energiebilanz der Fleischproduktion

Bei Fleisch setzt sich die graue Energie zusammen aus der Gesamtenergiemenge für die Produktion der Futtermittel der Tiere, dem Treibstoffverbrauch beim LKW-Transport, dem Stromverbrauch für den Schlachthof und der Kühlung des Fleisches, der Lagerung, der Plastikproduktion für die Verpackung, dem Strombedarf für das Licht und die Kühlung beim Verkauf im Handel, der Herstellung der Holzkohle für den Grill und der Entsorgung von Verpackungen. Am meisten Energie wird dabei typischerweise beim Anbau des Futters für die Tiere eingesetzt. So werden beispielsweise fast zwei Tonnen Milch und Heu benötigt, um ein Kalb mit rund 200 Kilogramm Lebendgewicht aufzuziehen. Die Schweiz importiert pro Jahr über eine Million Tonnen Futtermittel. 300'000 Tonnen davon sind Soja, das grösstenteils aus Brasilien stammt. Gemäss einer Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ist die Massentierhaltung zudem für rund 15 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich.

Die Energiebilanz von pflanzlichen Lebensmitteln ist in den meisten Fällen besser als diejenige von Fleisch, Milch und Eiern. Werden Früchte und Gemüse in beheizten Gewächshäusern produziert, macht die Heizenergie den grössten Teil der grauen Energie aus. Daher ist die Ökobewertung von pflanzlichen Lebensmitteln, die in der Schweiz ausserhalb der Hauptsaison in fossil beheizten Gewächshäusern produziert werden, schlechter als diejenige der gleichen Produkte aus Freilandanbau in Südeuropa. Der Transport mit Lastwagen fällt weniger ins Gewicht als die Beheizung der Gewächshäuser.

Auch vegane Lebensmittel können äusserst umweltschädlich sein

Sind die Alternativen zu tierischen Produkten immer umweltfreundlicher? Auch wenn viele Fleischersatzprodukte aus Soja bestehen, wird der Löwenanteil der Sojaproduktion nach wie vor als Futtermittel für Nutztiere verwendet und somit sind Fleischgerichte klar schlechter für die Umwelt als Sojaburger und dergleichen. Viele vegane Restaurants und Take-away-Stände bieten allerdings Menüs mit Avocado an, deren Nachhaltigkeitsbewertung äusserst schlecht ist. Im weltgrössten Anbauland Mexiko führt der Avocado-Hype zu illegaler Abholzung. Jedes Jahr werden laut «Huffington Post» 1500 bis 4000 Hektaren Wald gerodet, um Platz für Avocado-Felder zu schaffen. Ausserdem kommen künstliche Dünger sowie Pestizide zum Einsatz, und der Frischwasserverbrauch ist enorm hoch: Je nach Quelle, Grösse der Frucht, Standort und Produktionsweise werden für ein Kilo Avocado zwischen 500 und 1000 Liter Wasser benötigt. Der Transport von Nord- oder Mittelamerika nach Europa verschlechtert die Energiebilanz von Avocados umso mehr. Statt Kuhmilch verwenden Veganer vielfach Mandelmilch, doch bei Mandeln ist der hohe Wasserbedarf problematisch. Auch sogenannte Superfoods wie Quinoa, Acai- oder Goji-Beeren sind für die Umwelt aufgrund grossflächiger Rodungen und langer Transportwege oftmals alles andere als super.

Es ist allerdings schwierig, die graue Energie oder die Ökobilanz von Lebensmitteln mit einer genauen Kennzahl anzugeben. Für die Berechnung von Umweltaspekten auf dem gesamten Lebensweg werden oft sehr viele Zahlen und Informationen benötigt, die nicht auf der Packung stehen und nur schwer zurückverfolgt werden können. Ausserdem unterscheiden sich die Produktionsweisen je nach Landwirt stark. Bei der Ernährung herrscht vorläufig also kein Konsens darüber, wie der Planet am besten geschützt werden kann. Sollen in erster Linie die CO2-Emissionen betrachtet werden? Geht es um den Wasserverbrauch? Wie steht es um Tierwohl und Artenvielfalt? Was ist mit Chemikalien, Pestiziden und Antibiotika? Auf solche Fragen gibt es meistens keine allgemein gültigen Antworten und jeder Konsument muss diese Entscheidungen täglich für sich selbst treffen.

Food-Waste verhindern und keine kostbaren Ressourcen verschwenden

In gewissen Punkten sind sich die Experten jedoch einig und es gibt einige Richtlinien für eine nachhaltige Ernährung. Eine Faustregel ist, dass Fleisch und tierische Produkte bewusst konsumiert werden sollten und dass die Lebensmittel idealerweise von einem Bio-Bauernhof aus der Region stammen. Umweltbewusste Konsumenten kaufen zudem bevorzugt Nahrungsmittel aus der Schweiz oder aus Europa, da insbesondere der Flugtransport von Frischprodukten aus anderen Kontinenten sehr energieintensiv und somit klimaschädigend ist. Saisongemüse aus Freilandanbau hat eine deutlich bessere Ökobilanz als Gemüse aus beheizten Gewächshäusern.

Zu guter Letzt gilt es, Essen wertzuschätzen. Bis zu einem Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel geht auf dem Weg zum Teller verloren oder wird verschwendet. Das sind pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel. Werfen wir einwandfreie Lebensmittel in den Abfall, werden knappe Ressourcen wie Wasser, Böden und fossile Energieträger also vergebens belastet oder verbraucht. Gleichzeitig verknappt eine durch Verluste erhöhte Nachfrage das weltweite Angebot an Lebensmitteln – während die Ernährungssicherheit vieler Menschen nicht garantiert ist. Man sollte deswegen nur einkaufen, was auch konsumiert wird. Reste können vielfach problemlos wiederverwertet werden. So gehen keine wertvollen Nahrungsmittel verloren.

#WIRSINDZUKUNFT

Die nationale Aktion #WIRSINDZUKUNFT wird von namhaften Unternehmen und EnergieSchweiz unterstützt. Sie soll die Schweizer Bevölkerung dazu anregen, den Alltag energieeffizienter zu gestalten und sich aktiv mit den Themen Energie sowie Klimaschutz auseinanderzusetzen. Als Medienpartner begleitet 20 Minuten #WIRSINDZUKUNFT mit Hintergrundberichten, Reportagen und Quiz.

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