Russland-Affäre: Wie unfair behandeln US-Medien Donald Trump?
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Russland-AffäreWie unfair behandeln US-Medien Donald Trump?

Über die Anklagen des Sonderermittlers Mueller wird so gegensätzlich berichtet wie selten zuvor. Drei Beobachtungen zur Berichterstattung in den US-Mainstream-Medien.

von
Martin Suter
New York
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Donald Trump fühlt sich von den Medien nicht fair behandelt. (31. Oktober 2017)

Donald Trump fühlt sich von den Medien nicht fair behandelt. (31. Oktober 2017)

epa/Michael Reynolds
Eine extrem unterschiedliche Berichterstattung gab es nach der Ankündigung der ersten Anklagen durch Sonderermittler Robert Mueller, der die Einflussnahme Russlands in den Wahlkampf von 2016 untersucht. (13. Juni 2013)

Eine extrem unterschiedliche Berichterstattung gab es nach der Ankündigung der ersten Anklagen durch Sonderermittler Robert Mueller, der die Einflussnahme Russlands in den Wahlkampf von 2016 untersucht. (13. Juni 2013)

epa/Shawn Thew
Angeklagt wegen Verschwörung gegen die USA, Meineid und Geldwäscherei wurde Paul Manafort, der einstige Wahlkampfchef Donald Trumps. (31. Oktober 2017)

Angeklagt wegen Verschwörung gegen die USA, Meineid und Geldwäscherei wurde Paul Manafort, der einstige Wahlkampfchef Donald Trumps. (31. Oktober 2017)

AP/Alex Brandon

So gegensätzlich wie selten zuvor berichten die US-Medien darüber, dass Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort und sein Partner Rick Gates wegen Verschwörung, unwahrer Aussagen und Geldwäscherei unter Anklage gestellt wurden. Ebenso unterschiedlich erschien in den Medien das Meineidsbekenntnis des einstigen Beraters George Papadopoulos, der ein Treffen Trumps mit Putin vermitteln wollte.

Für die Beantwortung der Frage, wie fair die Berichterstattung sei, sind drei Beobachtungen hilfreich:

1. Trump feindlich gesinnte Medien sind in der Überzahl

Die US-Medien waren schon immer ideologisch orientiert, bloss weniger intensiv als heute. Dass sie den Nachrichten einen extremen «Spin» (Drall) geben, lässt sich mit Überschriften über News und Kommentaren belegen.

Zwei Beispiele: Auf der einen Seite titelten die Trump-Kritiker des Fernsehsenders MSNBC: «Dies ist erst der Anfang», «Widerspiegeln die Mueller-Ermittlungen Watergate?», «Weisses Haus versucht, von Mueller-News abzulenken», «Trump soll über die Anklage der Mueller-Ermittler toben».

Die Trump-Verteidiger bei Fox News setzen hingegen folgende Titel: «Trump distanziert sich von den Anklagen und sagt, Papadopoulos sei ein erwiesener Lügner», «Hillary Clinton braucht unbedingt, dass Mueller die Russen-Absprache beweist», «Robert Mueller soll zurücktreten».

Die zwei News-Welten wirken wie zwei separate Universen, sagt Medienbeobachter Howard Kurtz. Entscheidend ist für die meisten Medien nicht nachgewiesenes Recht oder Unrecht, sondern bloss, ob etwas Trump schadet oder hilft. Und weil die ihm feindlich gesinnten «Mainstream»-Medien in der Überzahl sind, kann Trump mit einigem Recht behaupten, nicht fair behandelt zu werden.

2. Medien interpretieren Muellers Belege unterschiedlich

Bei all dem ist objektiv unklar, auf wie viel Material Mueller sitzt und welche Schritte von ihm noch zu erwarten sind. Als für Trump am gefährlichsten schätzen die meisten Medien die Machenschaften von Papadopoulos ein. Doch auch hier sind zwei Interpretationen denkbar: Entweder trug der Berater einen Monat lang ein verstecktes Mikrofon und überführte so andere Trump-Mitarbeiter der Absprache mit den Russen. Oder die Bundespolizei FBI verfügt über nicht mehr als die in dem Bekenntnis erwähnten Aussagen und E-Mails. Gemäss dieser Belege leistete die Trump-Kampagne den russischen Avancen Widerstand.

3. Die Medien widerspiegeln die Spaltung im Land

Die Medien haben sich nicht selbstständig entzweit, sondern widerspiegeln eine zunehmend tiefe ideologische Spaltung in Amerika. Immer weniger Menschen haben eine Mischung von konservativen und liberalen Ansichten, hat das Pew Research Center festgestellt. Die Politik wird zum Medium ihrer Identifikation und nimmt die frühere Stellung von Religion, Familie und Herkunftsort ein. In seinem neusten Kommentar in der «New York Times» bezeichnet David Brooks diesen unheilvollen Trend als eine Art Vergötzung der Politik.

Und wer ist der Götze, der über allem thront? Den die einen herunterreissen wollen und den andere in den Himmel heben? Natürlich Donald Trump, der Mächtigste aller Politiker.

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