«Gamification»: Wie Unternehmen sich spielerisch verändern
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«Gamification»Wie Unternehmen sich spielerisch verändern

Computerspiele halten am Arbeitsplatz Einzug. Immer mehr Firmen nutzen spielerische Elemente, um die Mitarbeiter zu motivieren.

von
Kaspar Wolfensberger
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«Gamification» wird in den Unternehmen wichtiger. Einer der Vorreiter ist Google (im Bild die Büros in Zürich).

«Gamification» wird in den Unternehmen wichtiger. Einer der Vorreiter ist Google (im Bild die Büros in Zürich).

kein Anbieter/Alessandro Della Bella
Für Tor Gisvold ist klar, dass vor allem die Jungen auch im Berufsleben auf spielerische Elemente stehen.

Für Tor Gisvold ist klar, dass vor allem die Jungen auch im Berufsleben auf spielerische Elemente stehen.

kein Anbieter/Finance 2.0 (Screenshot)
Der Trend zu mehr Gaming kommt unter anderem vom Erfolg von Computerspielen wie «League of Legends», für die Fans Hallen füllen.

Der Trend zu mehr Gaming kommt unter anderem vom Erfolg von Computerspielen wie «League of Legends», für die Fans Hallen füllen.

kein Anbieter/Jacques Brinon

Über 45'000 kreischende Fans warten im Stadion. Doch sie freuen sich weder auf einen grossen Popstar noch auf eine Fussballmannschaft. Im Mittelpunkt ihres Interesses stehen zehn eher schmächtig gebaute Jugendliche, die in zwei Teams das Computerspiel «League of Legends» spielen. Auf Grossleinwänden wird ihr Kampf übertragen, so dass ihn alle Stadiongänger verfolgen können.

Die immer grösser werdende Beliebtheit von Spielen wie «League of Legends» versuchen sich vermehrt auch Firmen zu Nutze zu machen, die sonst mit IT wenig am Hut haben. Sie führen in den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter spielerische Elemente ein. Fortan können die Angestellten zum Beispiel für ausserordentliche Leistungen Punkte sammeln oder sich in Ranglisten mit ihren Kollegen messen.

Nur die Fantasie als Grenze

Diesen Trend zum spielerischen Umgang mit der Arbeit nennt man «Gamification». In den vergangenen Jahren entstand darum ein Hype. Den Möglichkeiten für das spielerische Arbeiten sind dabei fast nur durch die Fantasie der Mitarbeiter Grenzen gesetzt. Ein Beispiel ist das «So Interactive Gamification Framework». Dabei können Angestellte Punkte für Verhaltensweisen wie zum Beispiel pünktliches Erscheinen sammeln und immer höhere Level erreichen. Der pünktlichste Mitarbeiter kann dann mit einer Auszeichnung belohnt werden.

Ziel der «Gamification»-Massnahmen ist die Förderung der Motivation der Mitarbeiter. Vor allem alltägliche, sich wiederholende Aufgaben können für die Mitarbeiter im Lauf der Zeit langweilig werden. Die Ausführung dieser Arbeiten erscheint ihnen mühsam. Das wirkt sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen aus, weil die Mitarbeiter schlechter arbeiten.

Gut bei jungen Arbeitnehmern

Tor Gisvold, «Gamification»-Experte beim Beratungsunternehmen PWC, erklärt an der Finance-2.0-Konferenz in Zürich, dass vor allem die heute 16- bis 25-Jährigen auf Gaming getrimmt seien. «Als Digital Natives sind sie mit Videospielen aufgewachsen, ein typischer jugendlicher Gamer spielt oftmals dreieinhalb Stunden am Stück.» Steigen diese spielaffinen Jungen ins Berufsleben ein, so würden sie von den Unternehmen aufgrund ihrer Online-Erfahrung Bemühungen zur Integration spielerischer Elemente in den Arbeitsalltag erwarten.

Auch in eher traditionellen Branchen wie dem Banking sei daher die Einführung von spielerischen Komponenten empfehlenswert, meint Gisvold. Damit meint er ausdrücklich auch den Umgang mit den Kunden. «Viele Leute finden Banken schlicht langweilig. Deshalb sollten diese den Spassfaktor für die Klienten erhöhen.»

Nur nicht übertreiben

Nicht bei allen kommt der Trend zur «Gamification» gleich gut an. Kritiker monieren, dass der spielerische Umgang mit der Arbeit zwar beispielsweise gut sei, um Feedback zu geben. Allerdings könne man es mit der Spielerei auch übertreiben. Wird der Wettbewerbscharakter zu stark betont, so demotiviert dies gewisse Mitarbeiter, da sie dem ständigen Wettkampf nicht gewachsen sind. Vor allem Einzelranglisten sind hier problematisch.

Im Gegensatz dazu erhalten Rankings Lob, die als Basis verschiedene Teams miteinander vergleichen. So werden die Zusammenarbeit und das Vertrauen gefördert. Die Spiele dienen so dem Teambuilding. Schliesslich gilt auch, dass man es nicht übertreiben soll. Wer das Konzept nicht versteht, bleibt lieber den klassischen Arbeitsmethoden treu und widmet sich in der Freizeit dem Spiel.

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