Schulter-Luxation: Wie verrückt darf ein Töffstar sein?

Aktualisiert

Schulter-LuxationWie verrückt darf ein Töffstar sein?

Dominique Aegerter (19) provozierte beim GP von Aragon am Sonntag wieder einmal diese Frage. Seine historische Leistung wäre beinahe durch eine «Kalberei» vereitelt worden.

von
Klaus Zaugg. Alcaniz
Dominique Aegerter: Trotz Schulter-Luxation zum Top-Platz.

Dominique Aegerter: Trotz Schulter-Luxation zum Top-Platz.

Tom Lüthi (24) ist am Sonntag beim GP von Aragon in seinem 126. GP erstmals von einem Schweizer auf WM-Niveau besiegt worden. Dominique Aegerter beendete das Moto2-Rennen auf Rang 7. Lüthi auf Platz 10.

Zwei Tage vorher war Aegerters 64. GP-Start ernsthaft gefährdet. Der neue Schweizer Töffheld hatte sich durch eine Schulterluxation am Freitag beinahe um die Krönung seiner bisherigen Karriere gebracht.

Keinen unbegleiteten Ausgang

Beim rumalbern mit den Mechanikern kugelte er sich in der Box die linke Schulter aus. Wie ein Vogel mit gebrochenen Flügeln wurde er auf dem Roller zu Dr. Claudio Costa in die fahrbare Klinik im Fahrerlager gefahren. Der Doktor renkte ihm mit Hilfe eines Assistenten die Schulter sofort wieder ein. Die Samstagtrainings (11. im Qualifying) und das Rennen konnte Aegerter nur mit stark bandagierter Schulter und unter grossen Schmerzen bestreiten. «Ich spürte die Schmerzen allerdings nur vor und erst nach dem Rennen wieder», sagte er nach seiner besten Karriereleistung sichtlich erleichtert zu 20 Minuten Online. Er hat hatte 2009 bei den 125ern bereits einmal einen 6. Platz erreicht (in Le Mans). Doch sportlich ist der 7. Platz vom Sonntag beim GP von Aragon höher zu bewerten. Nur ein Ausfall eines Spitzenfahrers (De Angelis) und ein Sieg über Tom Lüthi (20 Minuten Online berichtete).

Teamchef Alain Bronec hatte seinem Team verordnet, die Verletzung seines Piloten geheim zu halten. Und besteht jetzt mehr denn je darauf, seinen wilden Haudegen einfach nie aus den Augen zu lassen und vor Dummheiten zu bewahren. Er erlaubt ihm während der GP-Wochenenden auch keinen unbegleiteten Ausgang.

Sehr kräftige Schultermuskulatur

Letztlich hat Aegerter das Rennen nur fahren können, weil er einer der besttrainierten Piloten aller Klassen ist. Die Schulter des Hobby Triathleten «funktionierte» deshalb in den Samstagstrainings und im Rennen, weil er eine so kräftige Schultermuskulatur hat.

Der 7. Platz beim GP von Aragon ist umso höher einzuschätzen, weil Aegerter am Sonntagvormittag vor den Rennen im Zentrum der Gedenkfeier für seinen tödlich verunglückten Teamkollegen Shoya Tomizawa (19) gestanden hatte. «Das Ganze hat mich noch einmal stark aufgewühlt. Aber wenn ich auf der Maschine sitze, kann ich alles ausblenden und mich hundertprozentig konzentrieren. Das war auch jetzt so.» Er habe dieses Rennen auch für Shoya gefahren.

Aegerter bleibt vorerst der einzige Fahrer

Für die nun folgenden drei Übersee-GP (Japan/3. Oktober, Malaysia/10. Oktober, Australien/17. Oktober) bleibt Aegerter vorerst der einzige Pilot im Team. Erst für die zwei letzten GP (Estoril/31. Oktober/Valencia/7. November) und für die nächste Saison wird er einen neuen Teamkollegen als Ersatz für Tomizawa bekommen. Am Dienstag in einer Woche ist das ganze Team vor dem GP von Japan bei den Eltern Tomizawas eingeladen und die ganze Familie wird beim GP von Japan am 3. Oktober in Motegi mit dabei sein.

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