Aktualisiert 16.02.2011 15:50

Warmer WinterWie verrückt Vögel, Igel und Bienen spielen

Die hohen Temperaturen hinterlassen nicht nur in den Skigebieten Spuren. Auch die Natur ist aus dem Tritt - zumindest teilweise.

von
Felix Burch
Den Igeln machen die hohen Temperaturen am meisten zu schaffen. Während die ersten Amseln bereits Nester bauen, hoffen die Imker auf einen milden März.

Den Igeln machen die hohen Temperaturen am meisten zu schaffen. Während die ersten Amseln bereits Nester bauen, hoffen die Imker auf einen milden März.

Es war mild und sonnig die letzten Wochen - ungewöhnlich mild für einen Februar. Die hohen Temperaturen sind auch an der Natur nicht spurlos vorbeigegangen. Hans Schmid, Ornithologe von der Vogelwarte Sempach, sagt: «Die Gesangsaktivität der Amsel hat in den letzten Tagen deutlich zugenommen.» Vor allem in den Städten ist zurzeit lauter Vogelgesang hörbar. Dies, weil es dort wärmer ist als auf dem Land, und hohe Temperaturen die Vögel zum Singen motivieren. Auch Finken und Maisen sind bereits aktiv.

Für das Singen der Vögel gibt es zwei Gründe. Zum einen zeigen die Männchen damit ihre Paarungsbereitschaft an, zum anderen markieren sie durch den Gesang ihr Revier. «Jetzt kommt die heisse Phase», fasst Schmid die aktuelle Situation zusammen.

Christa Glauser vom Schweizer Vogelschutz beobachtet dasselbe. Und: «Die Leute freuen sich über den Gesang der Vögel», sagt Glauser. Es zeige: «Jetzt geht es Richtung Frühling».

Das Leiden der Igel

Beide Experten sind sich einig: Extrem ungewöhnlich ist Vogelgesang im Februar nicht. Weil die letzten Winter jedoch kalt und schneereich waren, zwitscherten die Vögel jeweils später. Das sei wohl der Grund, dass jetzt alle das Gefühl haben, die Amseln hätten noch nie so früh gesungen.

Die Zugvögel sind dieses Jahr allerdings früh unterwegs. Ein Storch beispielsweise, der jedes Jahr zurück zur Vogelwarte Sempach fliegt, ist bereits da, gemäss Schmid rund zwei Wochen früher als normal. Auch erste Staren seien schon gesichtet worden.

Schlechter geht es den Igeln. Roschi Schmitz vom Igelzentrum Kreuzlingen muss seit Wochen täglich mindestens ein neues Tier bei sich aufnehmen. Und dies, obwohl die Igel jetzt im Winterschlaf sein sollten. «Bei jedem Wärmeeinbruch erwachen sie, irren umher, finden nichts zu fressen und verlieren an Gewicht», sagt Schmitz. Viele überleben es nicht, gehen ein; andere werden entdeckt und ins Igelzentrum gebracht. Die Situation ist in der ganzen Schweiz zurzeit dieselbe. Die Igelfreunde rufen deshalb dazu auf, sich bei einem Igelfund an folgende Anweisungen zu halten: 1. Den Fundort genau merken. 2. Das Tier wägen. 3. Die Igelstation anrufen (Igelzentrum Kreuzlingen 079 789 74 46).

Ein kalter März könnte für die Bienen zum Problem werden

Weniger dramatisch ist die Situation bei den Bienen. Richard Wyss, Präsident der Schweizer Imker, sagt: «Zur Zeit läuft alles in geordneten Bahnen, die Bienen sind in der Brut, fliegen aus, auf der Suche nach Pollen.» Werde aber der März bitter kalt und schneereich, dann könne es Probleme geben. «Ein Teil der Brut würde sterben.»

Wenig Auffälliges ist aus dem Wald zu vermelden. Hans-Peter Stutz vom Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich hat zwar an den Waldrändern treibende Stauden entdeckt, zudem spriessen Schneeglöckchen und Krokusse aus dem Boden. Der Wald selber aber schlafe noch. «Die Bäume orientieren sich weniger an den Temperaturen, aber viel mehr am Licht.» Erst wenn die Tage wieder länger werden, erwacht auch der Wald.

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