Max Hubacher: Wie versetzt man sich in die Psyche eines Mörders?
Publiziert

Max HubacherWie versetzt man sich in die Psyche eines Mörders?

Max Hubacher spielt in «Der Läufer» einen Frauenmörder. Der Film basiert auf einem echten Kriminalfall, der das Land 2002 in Atem hielt.

von
C. Steiner

Der Trailer zum Schweizer Film «Der Läufer» mit Max Hubacher. (Video: Filmcoopi)

Was ging dir durch den Kopf, als man dir die Rolle anbot?

Der erste Gedanke war: Warum weiss ich das nicht? Warum kann ich mich nicht daran erinnern?

Du bist in Bern aufgewachsen. Was haben deine Eltern dir über den realen Fall erzählt?

Dass die Stadt damals in Angst und Schrecken war und die Leute nicht wollten, dass die Kinder allein draussen spielen.

Wie versetzt man sich in die Psyche eines Frauenmörders?

Ich habe versucht, mich von jeglichen Wertvorstellungen zu befreien. Man muss bei so einer Rolle die Moral abstellen, sonst funktioniert das nicht. Das ist der erste Schritt.

Und Rennen war der zweite?

Ja, ich bin gerannt und gerannt. Insgesamt habe ich mich körperlich ein Jahr auf die Rolle vorbereitet.

Musstest du auch abnehmen?

Ich war immer schon sehr dünn. Aber ich habe tatsächlich nochmal an Gewicht verloren in dieser Zeit. Langstreckenläufer sind sehr drahtig.

Wird man als Mörder geboren oder zu einem gemacht?

Darüber habe ich viel nachgedacht. Ich glaube nicht, dass jemand bösartig geboren wird. Mich interessiert, an welchem Punkt es kippt. Was passiert da?

Du bist gerade von Leipzig nach Berlin gezogen. War eine Rückkehr in die Heimat Thema?

Ich habs mir überlegt. Aber ein guter Freund fragte mich, ob ich in seine Wohnung in Berlin einziehen wolle. Das ist perfekt, weil meine Freundin auch in der Stadt lebt.

Und die halbe deutsche Filmszene.

Ja, aber nicht nur! Gott sei Dank. Die meisten Leute in meinem Umfeld machen etwas total anderes. Irgendwann wird es doch langweilig, nur über die Schauspielerei zu reden.

Ist deine Freundin auch Schauspielerin?

Nein.

Mehr werden wir nicht erfahren, oder? Warum hältst du eure Beziehung unter Verschluss?

Weil ich finde, es gehört nicht hierher. Ich rede gern über meine Arbeit. Mein Privatleben geht nur die Leute etwas an, die ich kenne.

Verrätst du uns trotzdem, was du liebst?

Fussball spielen. Ich mag es auch, mit meinen Leuten einfach draussen zu sitzen und zu quatschen. Unbekümmert dahinzuleben. Das muss auch mal sein. Und zu Hause in Bern liebe ich es, in der Aare zu schwimmen.

«Der Läufer» feierte am Zurich Film Festival Premiere im deutschsprachigen Raum und startet am 4. Oktober im Kino. 20 Minuten ist Medienpartner des ZFF.

Zum Film:

Jonas Widmer (Max Hubacher) ist einer der besten Langstreckenläufer der Schweiz, sein grosses Ziel ist der Olympia-Marathon. Trotz seiner schwierigen Kindheit scheint er seinen Weg gefunden zu haben: Neben dem Sport arbeitet er als Koch und will bald mit seiner Freundin in die erste gemeinsame Wohnung ziehen. Doch dann missglückt Jonas die Titelverteidigung an seinem Heimrennen und er wird immer stärker von den Erinnerungen an seinen verstorbenen Bruder Philipp eingeholt. Unfähig, den inneren Leidensdruck in Worte zu fassen, entwickelt Jonas in seiner wachsenden Verzweiflung ein tragisches Doppelleben. Der Zürcher Regisseur Hannes Baumgartner liess sich für seinen ersten Langspielfilm von einem wahren Schweizer Kriminalfall inspirieren.

Deine Meinung