Aktualisiert 28.02.2014 10:10

Aufschrei wegen 15 Rappen

Wie viel Autofahren wirklich kostet

Der Bundesrat will den Benzinpreis um 15 Rappen erhöhen. Ist Autofahren dann im Vergleich zum ÖV zu teuer oder immer noch zu billig? Hier lesen Sie, was genau wie viel kostet.

von
hal

15 Rappen mehr pro Liter Benzin: Die Pläne des Bundesrats für eine höhere Mineralölsteuer haben für einen Aufschrei gesorgt. Die Autolobby – TCS, ACS, Autogewerbeverband, Verband des Strassenverkehrs – lehnt die geplante Steuererhöhung einhellig und entschieden ab. Man akzeptiere das «unter keinen Umständen», heisst es bei Auto-Schweiz. Sie komm «nicht in Frage», teilt die SVP mit.

Doch was kostet Autofahren wirklich? «Es war und ist zu teuer», sagt Walter Wobmann (SVP). «Es ist immer noch zu billig», sagt Edith Graf-Litscher (SP). Die beiden Nationalräte stehen exemplarisch für die in Verkehrsfragen verhärteten Fronten – für recht gegen links, Auto gegen öV, Wirtschaft gegen Umweltschutz. Und beide argumentieren mit Zahlen. Wohlgemerkt mit ziemlich unterschiedlichen. Hier die Fakten.

Die Hälfte geht an den Fiskus

Mit rund 30 Prozent zahlen Autofahrer am meisten für die Amortisation ihres Autos, gefolgt vom Benzin, für das sie 15 Prozent berappen (siehe Diashow). Von den aktuell Fr. 1.73 , die ein Liter Bleifrei 95 kostet, fressen der Mineralölsteuersatz (43 Rappen), der Mineralölzuschlag (30 Rappen) und die Mehrwertssteuer (13 Rappen) knapp die Hälfte, wie die Erdölvereinigung mitteilt.

Insgesamt sind die Kosten für Treibstoff seit dem Jahr 2000 in der Schweiz um 30 Prozent gestiegen. Trotzdem ist das Benzin in der Schweiz vergleichsweise billig. Die Statistik zeigt: Der Liter Bleifrei 98 (Fr. 1.84) kostet in Deutschland (Fr. 1.90), Italien (Fr. 2.36), Frankreich (Fr. 1.95) und Österreich (Fr. 1.85) teilweise massiv mehr. Dasselbe gilt für Bleifrei 95. Diesel ist hingegen in den angrenzenden Ländern meist günstiger.

Autofahrer zahlen Kosten selbst

Die Autofahrer zahlen die Kosten, die sie direkt verursachen, selbst. Der Deckungsgrad beträgt gemäss dem Bundesamt für Statistik 118 Prozent. Das heisst: Wenn die Kosten für Strassenunterhalt, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sowie Verkehrsregelung und Signalisation abgezogen werden, bleibt ein Überschuss von 18 Prozent. 2011 betrug dieser 1,5 Milliarden Franken. Die Gesamtausgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden betrugen 8,45 Milliarden Franken – fast gleich viel, wie der Bund für den öffentlichen Verkehr aufwendet. Wer mit Zug, Bus und Tram fährt, zahlt je nach Schätzung nur zwischen 35 und 42 Prozent der anfallenden Kosten selbst.

Die indirekten Kosten fehlen in dieser Rechnung allerdings. Das Umweltdepartement Uvek schätzt diese auf 8,4 Milliarden Franken pro Jahr – 2 Milliarden wegen Unfällen und 6,4 Milliarden für Umweltkosten wie Lärm, Gesundheitskosten und Klimaschäden. «Rechnet man die indirekten Kosten ein, ist das Autofahren achtmal teurer als der öffentliche Verkehr», bilanziert SP-Politikerin Graf-Litscher. Die externen Kosten des öffentlichen Verkehrs veranschlagt das Uvek auf weniger als eine halbe Milliarde.

Was will das Volk?

Insgesamt ist das Autofahren seit 1990 rund 30 Prozent teurer geworden, was ziemlich genau der Teuerung entspricht. Heute zahlt ein Autofahrer pro Kilometer 76 Rappen. In der gleichen Zeitspanne ist der Preis für ein Retourbillett der SBB um 77 Prozent gestiegen. Der Kilometer im Zug kommt mit dem GA auf durchschnittlich 10 Rappen und mit dem Halbtax auf rund 22 Rappen zu stehen.

Für die SVP und die Autolobby ist deshalb klar: Wenn schon mehr fürs Benzin bezahlen, dann muss das ganze Geld in die Strassen fliessen. SVP-Politiker Wobmann sorgt sich, dass Autofahrer «immer mehr bluten müssen». Graf-Litscher verweist hier auf die vergangenen Volksabstimmungen wie jüngst Fabi, die alle zugunsten des öffentlichen Verkehrs ausfielen. «Das Volk steht klar dahinter, dass die öffentliche Hand einen Teil der Finanzierung von Zug, Tram und Bus übernimmt.»

Schon bald wird es sich wieder zum Verkehr äussern können. Am 10. März soll die «Milchkuh-Initiative» eingereicht werden. Sie verlangt, dass die Steuerabgaben der Autofahrer zweckgebunden für Strassen ausgegeben werden müssen – und wird jetzt als Antwort auf die Bundesratspläne von der Autolobby erst recht gepusht.

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