Dieselauto: Wie viel Bio verträgt mein Motor?

Wieviel Biodiesel verträgt ein herkömlicher Dieselmotor?

Wieviel Biodiesel verträgt ein herkömlicher Dieselmotor?

Mercedes/VW
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DieselAutoWie viel Bio verträgt mein Motor?

Falschtanken – Benzin statt Diesel – kann teuer werden. Um einen Motorschaden zu verhindern, sollte der Motor im Zweifelsfall nicht mehr gestartet werden. Doch wie sieht es aus, wenn man aus Versehen Biodiesel statt des herkömmlichen Diesels tankt? Der AGVS-Experte kennt die Details.

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Raphaël ans AGVS-Expertenteam:

Ich hatte aus Versehen begonnen, den Tank meines Diesel-Kleinwagens mit zehnprozentigem Biodiesel zu füllen. Der Tank war dann zu gut einem Viertel befüllt, als ich meinen Fehler bemerkte. Den Rest des Tanks habe ich dann mit Standarddiesel gefüllt. Somit hatte es rechnerisch insgesamt 2,5 Prozent Biotreibstoff im Tank, ist das schon problematisch für den Motor?

Antwort: 

Lieber Raphaël,


Spannendes Thema, das aber gar nicht so einfach mit Ja oder Nein zu beantworten ist. Dies vor allem deshalb, weil auch im herkömmlichen Diesel bereits ein gewisser Anteil an Biodiesel enthalten sein kann. Dieser Anteil beträgt höchstens sieben Prozent und muss in der Schweiz aber nicht besonders deklariert sein. Das heisst, im normalen Diesel kann es zwischen null und sieben Prozent Biodiesel drin haben. Bis sieben Prozent Biodieselanteil sind aus technischer Sicht unproblematisch für die gängigen Dieselmotoren.

Bis 7 Prozent Biodieselanteil sind aus technischer Sicht unproblematisch für die gängigen Dieselmotoren.

Markus Peter, AGVS


Auch im Ausland können bis maximal sieben Prozent an Biodiesel im «normalen» Diesel enthalten sein. Der dort gebräuchliche und auf der Zapfpistole in einem Rechteck dargestellte Ausdruck «B7» bedeutet, dass im bezogenen Diesel-Treibstoff bis zu sieben Volumenprozent Biodiesel enthalten sind. Auch beim von dir zuerst getankten und mit B10 bezeichneten zehnprozentigem Biodiesel sind die zehn Prozent als maximal möglicher Anteil an Biodiesel zu verstehen. Interessantes Detail: Einige der z. B. mit «Ultimate» bezeichneten Premium-Dieseltreibstoffe enthalten keinen Biodiesel, werden aber aufgrund der Norm dennoch als B7 und nicht etwa als B0 bezeichnet.


Wie viel Bio ich jeweils erhalte, das weiss ich beim Tanken der Standard-Dieselqualität also nicht, weshalb deine einfache Rechnung beim «Falschtanken» nicht ganz funktioniert. Hast du deinen Tank zu einem Viertel mit B10-Biodiesel, der tatsächlich zehn Prozent Biodiesel enthält, gefüllt und die restlichen drei Viertel mit normalem Diesel (B7), der den maximal möglichen Bioanteil von sieben Prozent aufweist, so liegt der Bioanteil im Total bei 7,75 Prozent. Beträgt der effektive Bioanteil beim B10-Diesel jedoch nur neun Prozent und beim normalen B7-Diesel drei Prozent, so beträgt der Bioanteil in deinem Tank dann insgesamt nur 4,5 Prozent.

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Im schlimmsten und nicht sehr realistischen Fall wärst du also mit 7,75 Prozent Biodiesel im Tank unterwegs. Das liegt zwar etwas über der Freigabe des Fahrzeugherstellers von sieben Prozent, aber aufgrund der tiefen Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet Standard-Diesel mit dem hohen Bioanteil von sieben Prozent und gleichzeitig B10 mit einem tatsächlichen Anteil von zehn Prozent Bio erwischt zu haben, liegt das Risiko für einen Motorschaden tief. Aber natürlich kann dies nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, ausser du hast einen der oben erwähnten Premium-Dieseltreibstoffe, die garantiert keinen Bioanteil aufweisen, getankt.

Es kommt auch darauf an, welche Art Biodiesel den beiden bezogenen Dieselprodukten beigemischt war.

Markus Peter, AGVS


Um es nun noch komplizierter zu machen, gibt es auch innerhalb der Biotreibstoffe unterschiedliche Produkte. So werden je nach Quelle der für Biodiesel verwendeten Stoffe die generellen Bezeichnungen FAME (Fettsäuremethylester) oder spezifischere wie beispielsweise RME (Rapsölmethylester) verwendet. Eine andere Bezeichnung und Qualität ist HVO (Hydrotreated Vegetable Oil). «Bio» ist der Treibstoff jedoch nur dann, wenn er nicht auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion geht, das heisst aus Rest- und Abfallstoffen hergestellt wird. Zumindest in der Schweiz gilt dies als Kriterium für die Zulassung von Biodiesel auf dem Markt.
Es kommt also auch noch darauf an, welche Art Biodiesel den beiden bezogenen Dieselprodukten (ein Viertel B10 und drei Viertel B7) beigemischt war. Im besten, aber weniger wahrscheinlichen Fall war es HVO. Da HVO dem fossilen Diesel sehr ähnlich ist, gelten Beimischungsquoten von bis zu 50 Prozent als unproblematisch.


Heikler ist es mit FAME: Diese Art Biodiesel hat die Eigenschaft, dass er bei höherer Konzentration als sieben Prozent die in Leitungen und in Dichtungen verwendeten Kunststoffe angreifen kann. Um höhere Anteile an FAME-Biodiesel zu verwenden, müssen demzufolge andere, sprich etwas teurere, Materialien verwendet werden. Herausfordernd kann für ein Fahrzeug zudem der höhere Siedepunkt von Biodiesel gegenüber normalem Diesel sein, was zu höheren Verbrennungstemperaturen und/oder Ölverdünnung und somit Reduktion der Schmiereigenschaften führen kann.

Gute Fahrt!

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