Invalidenversicherung - Wie viel Geld IV-Bezügerinnen erhalten, hängt stark vom Kanton ab
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InvalidenversicherungWie viel Geld IV-Bezüger*innen erhalten, hängt stark vom Kanton ab

Betroffene einer Invalidität sind oft auf Unterstützung vom Kanton angewiesen. Doch eine neue Studie zeigt, dass längst nicht alle Kantone gleich viele Gelder auszahlen.

von
Leo Hurni
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Wie viel Rentengelder für Betroffene ausgezahlt werden, ist je nach Kanton stark unterschiedlich. 

Wie viel Rentengelder für Betroffene ausgezahlt werden, ist je nach Kanton stark unterschiedlich.

Andrea Zahler/TAMEDIA AG
Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Denkfabrik Avenir Suisse. Auch die Rentenquoten, also das Verhältnis der zugesprochenen Renten pro Anmeldung, unterscheidet sich je nach Kanton stark. 

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Denkfabrik Avenir Suisse. Auch die Rentenquoten, also das Verhältnis der zugesprochenen Renten pro Anmeldung, unterscheidet sich je nach Kanton stark.

TAMEDIA AG
Beziehst auch du Rentengelder und bist von den starken kantonalen Unterschieden betroffen? Erzähl uns davon, unten im Formular.

Beziehst auch du Rentengelder und bist von den starken kantonalen Unterschieden betroffen? Erzähl uns davon, unten im Formular.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Je nach Kanton erhalten Bezüger unterschiedlich viel Invalidenrente. Das zeigt eine neue Studie von Avenir Suisse.

  • Im Kanton Zug etwa wird pro Massnahmenbezüger dreimal so viel Geld ausgegeben wie im Kanton Tessin.

  • Mit verschiedenen Verbesserungsvorschlägen richtet sich Avenir Suisse deshalb an die Politik.

Seit Ausbruch der Coronakrise leiden rund sechsmal mehr Personen unter Symptomen einer schweren Depression. Für die Betroffenen kann das weitreichende Folgen haben und sogar dazu führen, dass man nicht mehr im «primären Arbeitsmarkt» arbeiten oder integriert werden kann. Ist das der Fall, hat man Anspruch auf eine Invalidenversicherung (IV).

Eine neue Studie der Denkfabrik Avenir Suisse zeigt jetzt aber: Wie viele Personen Anspruch auf eine solche Rente haben und wie viel Gelder pro Person ausgezahlt werden, unterscheidet sich je nach Kanton stark (siehe Box). Grund für diesen Unterschied: Die IV ist als Bundesgesetz geregelt, für die Umsetzung sind jedoch die kantonalen IV-Stellen zuständig. Je nach Auslegung des Gesetzes zahlen die Kantone deshalb mehr oder weniger Gelder aus. Einen Einfluss hat zudem die Eingliederungsstrategie, die sich je nach Kanton ebenfalls unterscheidet. Die Gesamtkosten für die Heilung, die Eingliederung und die Berentung von Menschen mit Behinderung schätzt Avenir Suisse auf 24 Milliarden pro Jahr.

50’000 Franken Unterschied

Alleine die Rentenquoten – also das Verhältnis der zugesprochenen Renten pro Anmeldung – sind in der Romandie und im Tessin mindestens 27 Prozent höher als in der übrigen Schweiz, im Kanton Genf sogar um 41 Prozent, schreibt Avenir Suisse. Doch auch in der Höhe der ausgesprochenen Gelder unterscheiden sich die Kantone stark.

Spitzenreiter ist der Kanton Zug, wo rund 70’000 Franken pro Massnahmenbezüger für die berufliche Wiedereingliederung ausgegeben werden. Im Gegensatz dazu steht der Kanton Tessin, wo man mit 20’000 Franken pro Bezüger rechnet. Dieser Unterschied hat viele Gründe, erklärt Avenir Suisse. Unter anderem hängt der Unterschied vom Typ der angebotenen Massnahmen, der Anzahl der Massnahmen, und vom Ort ab, wo die Massnahmen erbracht werden.

Politik ist gefordert

Avenir Suisse schlägt verschiedene Massnahmen vor, um die Invalidenversicherung zu optimieren und den Ablauf für Betroffene zu vereinfachen. So soll etwa die Kommunikation zwischen Arzt und Arbeitgeber verbessert werden. Doch auch die Doppelspurigkeit zwischen der IV, der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe soll zugunsten der Patienten unter einem Dach vereint werden. Jetzt sei die Politik gefordert, die Ziele und die Form der interinstitutionellen Zusammenarbeit zu überprüfen und an die lokalen Gegebenheiten anzupassen.

Die Studie von Avenir Suisse

Geschrieben wurde die Studie «Eingliedern statt ausschliessen» von Jérôme Cosandey, unter Mitarbeit von Diego Taboada und Sarah Neuenschwander. Sie richtet sich an Arbeitgeber, Fachexperten, aber auch an Politikerinnen und Politiker von Bund und Kantonen, die mit Sozial-, Wirtschafts- und Finanzdossiers vertraut sind, schreibt der Autor. Im Zentrum der Studie steht vor allem die Frage, wie man Personen, die aufgrund psychischer oder physischer Beschwerden bei der IV neu angemeldet werden, bei der Rückkehr in den primären Arbeitsmarkt unterstützen kann.

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