Plötzlich Vater: Wie viel muss der minderjährige Vater zahlen?
Aktualisiert

Plötzlich VaterWie viel muss der minderjährige Vater zahlen?

Für Baby Nico sorgt seine 13-jährige Mutter. Auf den gleichaltrigen Vater hingegen warten Unterhaltszahlungen. Wie hoch diese ausfallen und wer sie bezahlt, ist offen. Im Härtefall müsste sich der junge Mann allerdings verschulden.

von
Annette Hirschberg

Völlig unerwartet wurde die 13-jährige Ramona aus Obergerlafingen am 19. Dezember Mutter. Über sie und ihr Kind wurden in der Folge sämtliche Details bekannt. Weniger ist hingegen über den Vater des Kindes, den ebenfalls 13-jährigen Mitschüler Ramonas bekannt. Offenbar kommt er mit seiner Vaterrolle noch nicht so recht klar. Was nun auf den Minderjährigen zukommt, ist allerdings auch happig. Denn Baby Nico hat Anspruch auf Unterhaltszahlungen von ihm - auch wenn er noch nichts verdient.

Gemeinde will Verschuldung verhindern

Was das genau bedeutet ist noch offen. Denkbar sind momentan zwei Szenarien: Im ersten kann der Kanton Solothurn monatlich bis zu 684 Franken vorschiessen. Das Problem: Der Kindsvater muss den Unterhaltsvorschuss zurückzahlen, sobald er über ein Einkommen verfügt. Im schlimmsten Fall stünde der junge Mann bereits mit 19 Jahren vor einem Schuldenberg von rund 50 000 Franken. Das will offenbar auch die Gemeinde nicht zulassen. Derzeit wird in Gerlafingen ein Unterhaltsvertrag vorbereitet. Dessen Inhalt will David Kummer von den Sozialen Diensten nicht verraten. Klar ist für die Behörden aber, dass sich der junge Vater durch die Zahlungen nicht verschulden soll. «Der Unterhaltsbeitrag richtet sich sowohl nach den finanziellen Bedürfnissen des Kindes wie auch nach den wirtschftlichen Möglichkeiten des Zahlungspflichtigen», so Kummer. Eine spezielle Situation des Vaters werde bei dieser Berechnung berücksichtigt. Um eine Zahlung kommt aber Nicos Vater offenbar nicht herum. Anstelle der Verschuldung beim Kanton wäre darum auch ein zweites Szenario möglich: Dass die Eltern des Vaters die Zahlungen übernehmen. Kummer will dies aber weder bestätigen noch dementieren.

400 Franken oder weniger sind möglich

Gut möglich, dass Nico und Mutter Ramona aufgrund dieser speziellen Situation mit sehr wenig Unterhaltsgeld auskommen müssen. Gemäss Manfred Kaufmann, Vorsteher des Solothurnischen Oberamts, gibt es Unterhaltsverträge bei denen der Vater nur 400 Franken im Monat zahlt. Ein Mindestansatz existiere aber nicht. Für die restlichen Kosten müsste wohl Ramonas Mutter aufkommen. Bei einem Kleinkind sind das Aufwendungen von 400 bis 600 Franken im Monat.

Ausgeschlossen scheint hingegen eine Lösung, die in Deutschland angewendet wird. Die Kindsmutter erhält dort Unterhaltszahlungen vom Staat. Der minderjährige Kindsvater muss erst zahlen, wenn er über ein Einkommen verfügt. Vorschüsse des Staates muss er nicht zurückzahlen.

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