Ostschweiz: Wie viel Sackgeld sollte ein 13-Jähriger bekommen?
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OstschweizWie viel Sackgeld sollte ein 13-Jähriger bekommen?

Auf Social Media ist eine kontroverse Diskussion entbrannt, wie viel Sackgeld ein Kind erhalten sollte. Die Meinungen gehen weit auseinander. Ein Experte klärt auf.

von
Michel Eggimann
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Auf Social Media fragt eine Mutter, wie viel Sackgeld sie ihrem 13-jährigen Sohn geben sollte.

Auf Social Media fragt eine Mutter, wie viel Sackgeld sie ihrem 13-jährigen Sohn geben sollte.

20min/Matthias Spicher
Darüber ist eine kontroverse Diskussion entbrannt.

Darüber ist eine kontroverse Diskussion entbrannt.

20min/Tobias Bolzern
Die meistgenannte Antwort war, dass ihre Kinder den Wert der Klasse pro Woche erhalten. Eine Mutter hat einen 13-jährigen Sohn in der 6. Klasse, entsprechend bekommt er pro Woche sechs Franken Sackgeld.

Die meistgenannte Antwort war, dass ihre Kinder den Wert der Klasse pro Woche erhalten. Eine Mutter hat einen 13-jährigen Sohn in der 6. Klasse, entsprechend bekommt er pro Woche sechs Franken Sackgeld.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Auf Facebook ist eine Diskussion über das Thema Sackgeld entbrannt.

  • Wie sich zeigt, gibt es unterschiedliche Ansätze.

  • Ein Experte erklärt den Nutzen von Sackgeld.

  • Die Realität zeige, dass nicht alle Eltern ihren Kindern gleich viel Taschengeld geben können.

In einer Ostschweizer Facebook-Gruppe stellt eine Userin die Frage: «Wie viel Sackgeld gebt ihr einem 13-Jährigen?» Über die Frage wurde innert wenigen Stunden kontrovers diskutiert. Eine Mutter meinte, ihr Sohn verdiene sein Geld in Zeiten ohne Corona selbst, indem er in Altersheimen Schweizerörgeli spiele. Einige antworteten, ihre Kinder würden gar kein Sackgeld erhalten – ohne dafür etwas zu leisten. Eine Userin schrieb: «Ich habe drei Kinder. Keines davon bekommt Sackgeld. Wenn sie auf den Geburtstag oder als Weihnachtsgeschenk Geld bekommen, dürfen sie die Hälfte behalten, der Rest geht auf ein Bankkonto.»

Diese Praxis verstehen nicht alle. Es fallen Interventionen, so würden die Kinder den Umgang mit Geld nie lernen. Andere wiederum fragen sich, ob alle bereits im Kindesalter den Umgang mit Geld lernen können. Eine Frau schreibt: «Für die, die es können, ist Sackgeld bestimmt ein guter Weg. Für die, denen in dem Alter die Grundlage dazu oder der Ernst des Lebens oder das Verständnis fürs Sparen noch fehlt, bringt auch Sackgeld nichts.»

Die meistgenannte Antwort auf die Frage in der Ostschweizer Facebook-Gruppe war, dass ihre Kinder den Wert der Klasse pro Woche erhalten. Eine Mutter hat einen 13-jährigen Sohn in der 6. Klasse, entsprechend bekommt er pro Woche sechs Franken Sackgeld. Andere geben ihren Kindern aber auch mehr Geld. Viele Eltern geben an, ab der Oberstufe einen Unterschied zu machen und einen höheren Betrag auszuzahlen – dafür müssten die Kinder ab dann auch mehr selbst bezahlen.

Es gibt Richtlinien

Das entspricht in etwa auch den Richtlinien des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz. Geschäftsführer Philipp Frei sagt: «Wir geben Grössenordnungen ab. Schlussendlich muss aber jede Familie selbst entscheiden, wie viel Sackgeld ein Kind bekommen soll.» Dazu gehörten auch Überlegungen, ob die Auszahlung an Bedingungen geknüpft ist oder nicht. Diese Abmachungen seien sehr individuell. In den Richtlinien nennt der Verband für ein Kind im Alter von 12-14 Jahren ein Sackgeld von 30 bis 50 Franken pro Monat, was 7.50 bis 12.50 Franken pro Woche entspricht.

Aus Sicht des Dachverbandes ist Sackgeld für Kinder etwas sehr Wertvolles. Frei erklärt: «Es ist ein wertvolles Tool, um den Umgang mit Geld zu lernen und auch den Wert davon. Die Kinder erfahren, was sie mit beispielsweise 50 Rappen kaufen können.» Die Anforderungen an die Kinder dürften aber nicht zu hoch angesetzt werden. Eltern müssten beachten, dass sie ihrem Kind nur so viel Selbstverantwortung zutrauen, wie das auch zumutbar ist.

Kinder sprechen über Taschengeld

«Wie unsere Erfahrungen zeigen, sorgt das Thema Sackgeld auch innerhalb von Familien für Diskussionsstoff. Kinder sprechen untereinander in der Schule oder der in der Freizeit darüber, wie viel sie bekommen», so Frei. Die Kinder würden sich dann beklagen, wenn ein Klassenkamerad doppelt so viel erhält. Für die Eltern sei es wichtig, den gewählten Betrag zu erklären. Vergleiche seien schwierig, da ein Kind möglicherweise mit dem Geld Nahrung für das eigene Haustier oder das Essen in der Schule bezahlen muss, ein anderes aber nicht.

Schlussendlich meint Frei: «Es muss in jedem Fall eine Lösung gefunden werden, die für die Eltern finanziell tragbar ist.» Wenn es drin liege, könne man den Kindern für gewisse Arbeiten wie Rasenmähen oder das Aufräumen der Küche einen zusätzlichen Zustupf geben. Die Realität zeige, dass nicht alle Eltern ihren Kindern gleich viel Taschengeld geben können.

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