Marc Forster: Wie viel Schweiz steckt in «007»?
Aktualisiert

Marc ForsterWie viel Schweiz steckt in «007»?

Gerade noch hat Marc Forster in 103 Drehtagen knapp 280 Millionen Franken verfilmt. Jetzt erklärt der Regisseur, wie viel Schweiz in «Quantum of Solace» steckt und welche Eidgenossin seiner Meinung nach das Zeug zum Bond-Girl hat.

Fast wäre Marc Forster niemals ein Bond-Regisseur geworden. Erst hat er das Angebot abgelehnt, den Film zu drehen, verriet er in einem Interview im «Magazin» des «Tages-Anzeigers». Erst das Drängen der Produzenten hat ihn überzeugt: «Ich dachte, ich hätte bei einer so grossen Produktion zu wenig kreative Kontrolle. Barbara Broccoli und Michael Wilson waren aber sehr hartnäckig.»

«Mein James Bond hat Angst vor seinen eigenen Gefühlen»

Und trägt «Quantum of Solace» die Handschrift des Schweizer Regisseurs? «Mein James Bond hat Angst vor seinen eigenen Gefühlen. Es ist die Angst, sich selbst zu entdecken, Er verdrängt und bekämpft deshalb das Syndikat Quantum.» Verändern wollte er den Mythos aber nicht. «Einer der in meinen Augen wichtigen Aspekte von Bond ist sein Geheimnis. Da gibt es etwas Unausgesprochenenes, etwas Unerklärtes.» Da der Film aber direkt an «Casino Royale» anschliesse, erfahre der Charakter der Figur erstmals eine Fortsetzung.

Anfangs wusste Forster gar nicht, dass er der erste Bond-Regisseur ist, der nicht aus dem Commonwealth kommt, erzählte er dem «Magazin». «Barbara Broccoli hat zu mir gesagt: 'Du weisst, dass du der jüngste- und erste Nicht-Commonwealth-Regisseur bist, den wir je hatten?'. Ich hab dann geantwortet: 'Aber vergiss nicht, Bonds Mutter war Schweizerin'.» Warum Ian Fleming «007» Schweizer Wurzeln verpasst hat, weiss der 38-Jährige auch. «Das hat wohl mit seinem eigenen Leben zu tun. Die Frau hat ja existiert.»

Welche Schweizerin hat das Zeug zum Bond-Girl?

Das in «Quantum of Solace» so viele Eidgenossen dabei sind, ist kein Zufall. «Anatole [Taubman] war natürlich sehr gut. Als er vorsprach dachte ich, er und Mathieu [Amalric] würden ein tolles Paar abgeben. Übrigens: Carl von Malaise, ein alter Schulfreund von mir, spielt auch in dem Film mit.» Und welche Schweizerin hat das Zeug zum Bond-Girl? «Rein optisch Laurianne Gilliéron, sie hat einen interessanten Look. Sie sticht heraus aus diesen Missen. Aber ob sie eine gute Schauspielerin ist, keine Ahnung.»

Nicht nur beim Personal, auch bei der Planung gibt es einen Forster-Faktor. «Ich habe alle Drehorte selber ausgewählt. Ich habe den Style bestimmt.» Als Regisseur gestaltet der Arzt-Sohn die Set-Atmosphäre «eher schweizerisch: Bei mir ist alles geplant, bis ins Detail. Jeder weiss schon im Voraus, was ich will. Ich schaue sehr aufs Budget, und ich bin sehr pünktlich. 'Quantum' ist der allererste Bond-Film in der Geschichte, der am geplanten Drehtag fertig geworden ist. Wir hatten 103 Tage Zeit, und am 103. Tag war der Film abgedreht.»

«Quantum of Solace» kommt am 4. November in die Kinos. Ausserdem erscheint Ende Oktober das Buch «James Bond und die Schweiz» von Michael Marti und Peter Wälty im Echtzeit-Verlag.

(phi)

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