Aktualisiert 19.06.2015 15:00

Geheime LohntüteWie viel verdient mein Chef?

Löhne sind ein grosses Tabuthema. Vor allem der Zahltag des Vorgesetzten bietet Raum für viel Spekulation. Eine neue Studie über Kadersaläre bringt Licht ins Dunkel.

von
cls
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Gut, wer in Genf arbeiten kann. Hier ist das Gesamtsalär besonders hoch. Dies zeigt eine neue Schweizer Lohnstudie.

Gut, wer in Genf arbeiten kann. Hier ist das Gesamtsalär besonders hoch. Dies zeigt eine neue Schweizer Lohnstudie.

Martin Ruetschi
Was ER wohl verdient? Das Gehalt des Chefs ist im Büro Gegenstand vieler Spekulationen. (Bild: «Mad Men»)

Was ER wohl verdient? Das Gehalt des Chefs ist im Büro Gegenstand vieler Spekulationen. (Bild: «Mad Men»)

Die Lohnstudie von Kienbaum Consulting und der Handelszeitung hat die Saläre der obersten, oberen, mittleren und unteren Kader untersucht. Und dabei festgestellt, dass die Cheflöhne der grossen Konzerne mit der Realität wenig zu tun haben.

Die Lohnstudie von Kienbaum Consulting und der Handelszeitung hat die Saläre der obersten, oberen, mittleren und unteren Kader untersucht. Und dabei festgestellt, dass die Cheflöhne der grossen Konzerne mit der Realität wenig zu tun haben.

Keystone/Peter Schneider

Die Löhne der Konzernchefs in der Schweiz werden jährlich offengelegt. So durfte sich der Transocean-Chef Steven Newman 2014 über rund 14,2 Millionen Franken freuen, der UBS-Chef Sergio Ermotti über 11,2 Millionen Franken. Auch die Löhne von SBB-CEO Andreas Meyer (1,07 Mio. Fr.) oder des Swisscom-Chefs Urs Schäppi (1,773 Mio. Fr.) wurden offengelegt.

Anders aber bei den Chefs, deren Namen keiner grossen Öffentlichkeit bekannt sind. Um die Lohntüte der Führungskräfte und Kader ranken sich zahlreiche Gerüchte. Im Dickicht von Lohnnebenleistungen und Benefits verbreiten sich oft Zahlen, die mit der Realität nicht mehr viel zu tun haben, schreibt die Handelszeitung.

Nur wenig Lohnerhöhungen

Die Unternehmensberatung Kienbaum hat deshalb in Zusammenarbeit mit der HZ die Löhne der Chefs untersucht. Für die Studie wurden 46 Führungspositionen ausgewertet. Die Ergebnisse setzen sich zusammen aus der Erfassung von 11'879 Einzelpositionen aus 460 Unternehmen. Berücksichtigt wurden dabei die Löhne von Geschäftsführern, Mitgliedern der Geschäftsführung oder auch Niederlassungsleitern, aber auch Kaderstellen wie etwa Leiter Steuern oder Leiter Personal sowie Leiter Einkauf und andere.

Die Referenzstudie zeigt, dass die Lohnerhöhungen bescheiden ausfallen – so bescheiden wie nie seit dem Jahr 2005. Sie bewegen sich zwischen 0,8 und 1,1 Prozent. «Trotz wirtschaftlicher und regulatorischer Veränderungen bleiben die Löhne jedoch auf hohem Niveau konstant», sagt Jörg Scholten, Kienbaum-Experte für Löhne und Nebenleistungen, im Interview mit der Handelszeitung.

Zu den Branchen, die in Sachen Salär zulegen konnten, gehört die Versicherungs- und Energiebranche. Die Gehälter in der Medienbranche, dem Handel sowie in der Rohstoffgewinnung gingen jedoch zurück.

Zürich und Genf bevorzugt

Mit den Löhnen eines SBB- oder Swisscom-Chefs können sich die Löhne der ganz normalen Vorgesetzten jedoch nicht messen. Nur 8,9 Prozent der Führungskräfte verdienen pro Jar mehr als 300'000 Franken. Fast 30 Prozent erhalten ein Salär, das zwischen 140'000 und 180'000 Franken liegt.

Die höchsten Löhne werden bei Jobs in der Agglomeration Zürich verdient, gefolgt von Basel-Stadt und der Genferseeregion. Pech hat, wer im Tessin arbeitet. Dort verdienen Kaderleute im Schweizer Vergleich am schlechtesten: Um 10,5 Prozent weicht die Gesamtvergütung vom Schweizerischen Durchschnittswert ab.

Auch in Sachen Zusatzleistungen gibt die Studie Aufschluss, ranken sich doch um die sogenannten Fringe Benefits oft die wildesten Gerüchte. So sind jahresbezogene variable Vergütungen am meisten beim Top-Management anzutreffen (Medianwert: 88'000 Fr.). Einen Kaderplan (gesonderte Vorsorgepläne, die das gesetzlich festgelegte Minimum der Pensionskassenbeiträge überschreiten), haben 43 Prozent der befragten Firmen.

Keine Entlastung bei Betreuungskosten

Flüge in der 1. Klasse jedoch sind selten, nur ein Prozent der Kadermitarbeiter darf auf Langstreckenflügen First Class fliegen. Bei Bahnfahrten hat sich jedoch die 1. Klasse der SBB etabliert, rund 93 Prozent der Kader reisen so. Auch ein Mobiltelefon ist üblich, Mitarbeitende des Top-Kaders erhalten in 94 Prozent der Fälle eines zur Verfügung gestellt.

Nachholbedarf gibt es allerdings woanders: bei der Unterstützung für Kindernebenleistungen. 69 Prozent der Firmen bieten keinerlei Unterstützung (Krippenplätze, Anteil Kinderbetreuungskosten) an. Nur 12 Prozent der Firmen haben eine eigene Krippe.

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