Aktualisiert 09.10.2019 09:57

Vorwürfe an Uni Freiburg

«Wie viele Credits ist Homophobie wert?»

An der Theologischen Fakultät der Uni Freiburg soll eine Lehrperson Homosexuellen Heilung empfohlen haben. Die Studenten demonstrierten deshalb vor der Uni.

von
cho/km
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Homophobie an der Uni Freiburg? Ein Student der Theologischen Fakultät klagt in der Uni-Zeitschrift «Spectrum» über Homophobie im Vorlesungssaal.

Homophobie an der Uni Freiburg? Ein Student der Theologischen Fakultät klagt in der Uni-Zeitschrift «Spectrum» über Homophobie im Vorlesungssaal.

Keystone/Gaetan Bally
So soll eine Dozentin in einer Vorlesung von 2017 über sexuelle Ethik im Katholizismus Homosexuelle als krank bezeichnet haben. Die Fachkraft habe dort gar Adressen von Therapiezentren zur Heilung von Homosexualität empfohlen.

So soll eine Dozentin in einer Vorlesung von 2017 über sexuelle Ethik im Katholizismus Homosexuelle als krank bezeichnet haben. Die Fachkraft habe dort gar Adressen von Therapiezentren zur Heilung von Homosexualität empfohlen.

Keystone/Martin Ruetschi
Die Uni sei dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung verpflichtet. Der Fall wird nun untersucht.

Die Uni sei dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung verpflichtet. Der Fall wird nun untersucht.

Keystone/Martin Ruetschi

Eine Studentin der Universität Freiburg erhebt schwere Vorwürfe. Wie die «Freiburger Nachrichten» berichten, klagt eine Studentin der Theologischen Fakultät über Homophobie und Transphobie im Vorlesungssaal.

So soll eine Dozentin in einer Vorlesung über christliche sexuelle Ethik im Katholizismus Homosexuelle als «krank» bezeichnet haben. Die Fachkraft habe dort gar Adressen von Therapiezentren zur Heilung von Homosexualität empfohlen. Der Vorfall soll sich im Herbstsemester 2017 zugetragen haben, ans Licht brachte ihn Mitte September die Freiburger Studierendenzeitung «Spectrum».

«Gegen die Statuten»

Das Rektorat kennt die Vorwürfe bereits und hat reagiert. «Wenn es stimmt, dass die Lehrperson diese Äusserungen gemacht hat, dann verstösst das klar gegen die Statuten der Universität», sagt Rektorin Astrid Epiney gegenüber der Zeitung. Die Uni sei dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung verpflichtet und das Rektorat untersuche nun den Vorfall genau.

Die Vorwürfe werden offenbar nicht auf die leichte Schulter genommen: Die betreffende Vorlesung wurde eingestellt und soll bis Ende Semester nicht mehr weitergeführt werden. Man habe dies am Montag zusammen mit der betreffenden Lehrperson so entschieden. Epiney: «Unsere Aufgabe als Universität ist es, einen ordnungsgemässen Lehrbetrieb zu garantieren.» Dies sei derzeit nicht möglich. Das Rektorat bedaure, was geschehen sei.

Antwort der Theologischen Fakultät erwartet

Verschiedene Studenten und Organisationen haben am Dienstagabend eine Demonstration veranstaltet. Organisiert wurde diese von der LGBT-Organisation der Universität Freiburg Lago, das Kollektiv des Frauenstreiks Fribourg sowie zahlreiche Studenten. Die Demonstration begann um 18 Uhr vor der Aula Magna an der Universität Miséricorde, wo der Fakultätsrat tagte.

Ungefähr 100 bis 150 Leute sind an die Demonstration gekommen. Zudem waren auch einige Professoren der Universität anwesend, um der Diskriminierung ein Ende zu setzen und den Betroffenen gegenüber Solidarität auszudrücken. «Wie viele Credits ist Homophobie wert?», fragen sich die Demonstranten. Auch zwei Theologie Professoren haben sich zum Vorfall geäussert: «Die Homophobie ist nicht akzeptabel», sagt ein Professor vor den Studenten. Der Fakultätsrat habe beschlossen innerhalb der Theologischen Fakultät zu handeln.

Die Demonstration der Studenten vor der Universität Freiburg.

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