Aktualisiert 12.01.2013 15:03

Niemand weiss esWie viele Knarren lagern in der Schweiz?

2 Millionen? 4 Millionen? Wenn die Schweiz über ein schärferes Waffenrecht diskutiert, wird geschätzt und fantasiert. Denn wie viele Schusswaffen im Umlauf sind, weiss niemand.

von
Lukas Mäder
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Waffen sind in schweizerischen Haushalten keine Seltenheit. Im Jahre 2011 befanden sich gemäss einer Schätzung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements um die zwei Millionen Feuerwaffen im Umlauf, wovon mehr als die Hälfte ehemalige (rund 900'000) und aktuelle (rund 260'000) Armeewaffen sind.

Waffen sind in schweizerischen Haushalten keine Seltenheit. Im Jahre 2011 befanden sich gemäss einer Schätzung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements um die zwei Millionen Feuerwaffen im Umlauf, wovon mehr als die Hälfte ehemalige (rund 900'000) und aktuelle (rund 260'000) Armeewaffen sind.

Keystone/Alessandro Della Bella
Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz damit weit vorn.

Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz damit weit vorn.

In der Schweiz sterben im internationalen Vergleich jedoch verhältnismässig wenig Menschen durch eine Schusswaffe.

In der Schweiz sterben im internationalen Vergleich jedoch verhältnismässig wenig Menschen durch eine Schusswaffe.

Wie viele Gewehre und Pistolen hierzulande lagern, weiss niemand. Nicht einmal über die registrierten Waffen hat der Bund den Überblick. Grund sind die dezentralen Waffenregister der Kantone. Die letzten beim Bund verfügbaren Zahlen stammen von Anfang 2011.

Damals waren bei den Kantonen rund 600'000 Waffen registriert, wie einer Dokumentation im Vorfeld der Abstimmung über die Waffenschutz-Initiative zu entnehmen ist. In den vergangenen zwei Jahren dürfte diese Zahl angestiegen sein, weil es noch immer zu Nachmeldungen von zuvor unregistrierten Waffen kommt. Hinzu kommen Ordonnanzwaffen aktiver Armeeangehöriger. Aktuell sind 197'000 persönliche Waffen sowie zusätzliche 37'000 Leihwaffen für Armeeangehörige und Jungschützen registriert, wie die Armee mitteilt.

Schwarzes Loch der alten Ordonnanzwaffen

Neben diesen registrierten Waffen gibt es in der Schweiz noch zahlreiche Schusswaffen, welche nirgendwo gemeldet sind. Diese müssen nicht unbedingt illegal sein. Denn das Parlament sah eine Ausnahme vor für Ordonnanzwaffen, welche vor 2008 in den Privatbesitz übergegangen sind. Diese mussten im Unterschied zu den übrigen Schusswaffen nicht nachgemeldet werden. Erst bei einer Handänderung - sei es durch Verkauf oder Vererbung - muss dies der neue Besitzer seinem Wohnkanton melden. Damit sind auch alle früheren Armeewaffen meldepflichtig, wenn der letzte Wehrmann gestorben ist, der seine Waffe vor 2008 übernommen hat. Das dauert allerdings noch Jahrzehnte.

Wie viele solcher alter Ordonnanzwaffen in der Schweiz noch irgendwo lagern, ist eine grosse Frage. In den Medien kursiert immer wieder die Zahl von 1,3 Millionen ehemaliger Armeewaffen in der Schweiz, die nicht registriert seien. Diese Zahl ist definitiv zu hoch gegriffen. Obwohl die Armee bis heute insgesamt 1,32 Millionen Waffen abgegeben hat, wie Zahlen von Peter Hug zeigen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der SP trägt seit Jahren alte Zahlen des Bundes zusammen.

Doch von diesen Waffen sind lange nicht mehr alle im Umlauf. Denn zu den 1,3 Millionen zählen beispielsweise auch 374'000 Stück des Karabiners 1911 und 550'000 Stück des Karabiners 1931. Peter Hug selbst schätzt, dass vielleicht noch etwa die Hälfte der ehemaligen Armeewaffen, also rund 600'000 Stück, in der Schweiz vorhanden sind. Der Bund ging 2011 von 900'000 alten Ordonnanzwaffen aus. Wie diese Schätzung zustande kam, kann heute beim Bundesamt für Polizei und bei der Armee niemand mehr erklären.

Hohe Zahl illegaler Waffen

Vor zwei Jahren schätzte der Bund die Gesamtzahl der Feuerwaffen in der Schweiz auf 2 Millionen. Die Small Arms Survey sprach 2007 von 2,3 bis 4,5 Millionen Schusswaffen. Angesichts der offiziellen Zahlen von 2011 erscheint zumindest die höhere Zahl als unwahrscheinlich - zumal in der Zwischenzeit die Zahl alter Schusswaffen gesunken sein dürfte. Doch selbst wenn die tiefere Schätzung von gut 2 Millionen zutrifft, wäre die Konsequenz erschreckend: Gegen 500'000 Waffen wären in der Schweiz illegal im Umlauf.

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