«Time-out» mit Klaus Zaugg: Wie weit kommt «Zuberbührer»?
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggWie weit kommt «Zuberbührer»?

Meistens sind die Trainer an der Bande während des Spiels den Hockeygöttern ausgeliefert. Doch in der 2. Runde der Playoff-Viertelfinals schlug für einmal die Stunde der Bandengeneräle. Nun lautet die grosse Frage: Wie weit kommt «Zuberbührer» und wer ruft Martin Gerbers Agenten an?

von
Klaus Zaugg
Marco Bührer. Bei den SCB-Fans auch als «Zuberbührer» verspottet. (Bild: Keystone)

Marco Bührer. Bei den SCB-Fans auch als «Zuberbührer» verspottet. (Bild: Keystone)

Zwei Partien haben am Donnerstagabend die Coaches gewonnen: Chris McSorley für Servette und Doug Shedden für den EV Zug.

Die richtigen Lehren gezogen

Shedden verursacht am Dienstag die Niederlage im ersten Spiel durch einen Fehlentscheid: Er hat Angst vor der Offensive und setzt auf den Ausländerpositionen zwei Verteidiger und nur einen Stürmer (Dale McTavish) ein. Die Zuger verlieren im eigenen Stadion 1:2. Der Kanadier zieht die richtigen Schlüsse aus diesem Desaster und lässt in der zweiten Partie am Donnerstag im Hallenstadion zwei ausländische Stürmer (Josh Holden, Dale McTavish) fräsen. Die logische Folge: Die Operettenabwehr der ZSC Lions ist dem Druck nicht gewachsen, Zug schiesst sieben Mal mehr Tore und gleicht mit einem 7:4-Auswärtssieg die Serie aus. Die Wege der Hockeygötter sind manchmal wunderbar - aber es ist nicht davon auszugehen, dass Doug Shedden nun beim Heimspiel am Samstag wieder auf zwei ausländische Verteidiger umstellt.

Eine Szene, die für den Untergang von Fribourg-Gottéron steht. Es fallen dabei kein Tore. Aber die Partie wird entschieden: Mit einem harten Check «zerbricht» Servettes Marco Maurer schon in der Anfangsphase das Selbstvertrauen von Fribourgs Leitwolf Serge Aubin. Die Energie, die in der ersten Partie gefehlt hatte, kehrt in seine Mannschaft zurück. Solche Szenen können nicht nur ein Spiel, sondern eine ganze Playoffserie verändern. Chris McSorley sorgt mit Maurers Einsatz für die richtige Dosis Intensität und Servette pustet Gottérons heiligen Zorn aus wie ein Streichholz nach dem Anzünden einer Zigarre. Der furchtlose Maurer arbeitet für einmal nicht als Verteidiger. Sondern als bissiger Rumpelflügel.

Wer übernimmt «Täter»-Rolle?

So coachen richtige Bandengeneräle: Fürs Grobe wird nicht ein Star «geopfert». Sondern ein Defensivsoldat, ein Rollenspieler, der sonst kaum noch Eiszeit bekommen hat. Wie programmiert rastet am Schluss auch noch Fribourgs Captain Shawn Heins aus und streckt Servettes Stürmer Danile Rubin nieder. Die Frage ist nicht, ob der kanadische Verteidigerhaudegen mehr als die automatische Sperre nach einer Matchstrafe absitzen muss. Sondern wie viele Sperren ihm Einzelrichter Reto Steinmann zusätzlich aufbrummen wird. Es könnten vier bis sechs werden (minus eine, falls sich Heins bei Rubin entschuldigt). Wenn das die Wende ist und Gottéron erstmals seit 2007 wieder in der ersten Runde aus den Playoffs fliegt, ist die Kurzanalyse einfach: Diesmal ist Gottéron für richtige Playoffs zu weich. Und Heins ein Problemspieler.

Luganos Coach Philippe Bozon hat auch Handlungsbedarf. Seine offensive Spasstruppe, diese «Harlem Globetrotters des Eishockeys», haben kein defensives Fundament mehr. Noch schlimmer: Sie haben keinen Torhüter. David Aebischer spielte in der Qualifikation für kurze Momente (fast) sein bestes Eishockey - hätte er diese Form halten können, wäre Lugano jetzt Titelkandidat und könnte den SCB eliminieren.

Mit Goalie-Wechsel zum Siegen zurück?

«Hätte», «Wäre» und «Könnte» waren drei Brüder und hatten eines gemeinsam: Am Ende des Tages standen sie immer mit leeren Händen da. In den zwei ersten Partien gegen den SCB zeigte Aebischer die schwächste Playoff-Torhüterleistung seit HCD-Goalie Nando Wieser 1998 das Finale gegen Zug verloren hat.

Cheftrainer Philippe Bozon hat nur noch eine Möglichkeit, um sein Team aufzurütteln: Am Samstag in Bern David Aebischer (32) auf die Ersatzbank setzen und den Grünschnabel Pasquale Terrazzano (20) ins Tor stellen. Aber wenn er das tut, beendet er Aebischers Karriere in Lugano - und Aebischer hat einen weiter laufenden Vertrag. Lohnt es sich, für eine wahrscheinlich ohnehin längst verlorene Sache ein Problem zu kreieren, das den HC Lugano während der ganzen nächste Saison auf Trab halten würde? Wohl kaum.

Wie weit kommt «Zuberbührer»?

Dem SC Bern steht also mit einem Bein im Halbfinale: Anders als 2006, 2008 und 2009 ist es nun gelungen, das erste Auswärtsspiel im Viertelfinale zu gewinnen und zwei Siege vorzulegen. Die Fans stellen sich nun nicht mehr die Frage, ob der SCB die Halbfinals erreichen kann. Sondern wie weit der SCB mit «Zuberbührer» kommen kann. Torhüter Marco Bührer ist so schwach, dass er in Erinnerung an den legendären Fussball-Flopgoalie Pascal Zuberbühler als «Zuberbührer» bezeichnet wird. Dieser berechtigte Spott weckt allerdings auch Hoffnung: Zuberbühler griff nicht immer daneben. Er hatte auch lichte Momente und kassierte an der WM 2006 keinen einzigen Gegentreffer.

Scheitert der SCB in diesen Playoffs vor dem Finale, dann wird SCB-Sportchef Sven Leuenberger von den Hockeygöttern in die gleiche Versuchung geführt wie sein Amtskollege Roland Habisreutinger in Lugano: Einen neuen Goalie suchen und deshalb einen alten Goalie anrufen: Rolf Simmen, den ehemaligen Kultgoalie in Zug und im Zürcher Hallenstadion.

Nicht um Simmen ins Tor zu stellen. Dafür ist er mit 50 zu alt. Aber Simmen ist der Agent von Martin Gerber, Nationaltorhüter, Schwedischer Meister und Stanley Cup-Sieger mit auslaufendem Vertrag.

Deine Meinung