Aktualisiert 05.07.2012 12:12

Vor dem AusWie weiter mit den Rangers?

Der Knall hat sich angekündigt, nun ist er erfolgt: Die Glasgow Rangers werden relegiert. Damit geht viel mehr als eines der wichtigsten Derbys der Welt verloren.

von
fox

Das «Team 12» werden nicht die Glasgow Rangers sein. Der 1873 gegründete Traditionsverein steht mit über 160 Millionen Euro Schulden da und ist in der höchsten Spielklasse Schottlands nicht mehr erwünscht. Mit überwältigender Mehrheit entschieden sich die Erstliga-Klubs der schottischen Premier League am Mittwoch gegen eine Wiederaufnahme der Glasgow Rangers.

Damit ist die letzte Hoffnung auf ein «glimpfliches» Ende beim Drama um die Rangers erloschen. Am 14. Februar meldete der mit 54 Trophäen Weltrekordhalter der Klub-Meistertitel Insolvenz an. Im Juni übernahm ein Konsortium um den Engländer Charles Green den Verein, aber die Rettung war nicht mehr möglich. Dem Spielerexodus – beim Trainingsstart sollen lediglich drei Akteure anwesend gewesen sein – folgt der nächste Tiefschlag. Wie es mit dem Klub weiter geht, steht in den Sternen.

Das (vorläufige) Ende eines der wichtigsten Derbys

Ein bitter enttäuschter Besitzer Green erklärte, er hoffe jetzt auf die Aufnahme in der zweithöchsten Spielklasse. Doch gar ein Neubeginn in Liga 4 wäre möglich. Für Schottlands Fussball ist der Fall der Rangers dramatisch. Seit 1985 Aberdeen den Titel gewann wechselten sich in der Folge nur noch die Rangers und Celtic als Meister ab. Schottlands Fussball ist praktisch eine Zweierliga mit den Stadtrivalen und dahinter folgt der grosse Rest. Oder kann hier jemand neben den beiden Grossklubs noch zwei weitere schottische Vereine aufzählen?

Das Stadtduell mit Celtic – das weltberühmte «Old Firm» - elektrisierte die Massen. Statt wie bisher viermal in der Saison wird das Derby zumindest in der neuen Spielzeit ausfallen. Das historische Duell zwischen Katholiken (Celtic) und Protestanten (Rangers) ist die Essenz des schottischen Fussballs. Viele Sponsoren liessen sich Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen festschreiben, falls einer der beiden Klubs ausscheiden sollte. Daher droht der Premier League erheblicher finanzieller Schaden. Der bestehende TV-Vertrag mit den Sendern BSkyB und ESPN sah mindestens vier Auflagen des Old Firm pro Saison vor. Trotzdem erklärt Celtic auf seiner Webseite trotzig: «Auch wir waren gegen die Wiederaufnahme der Rangers. Wir brauchen sie nicht.»

Massive finanzielle Einbussen für Liga

Schottischen Medienberichten zufolge seien die TV-Sender allenfalls bereit, eine Saison ohne die Glasgow-Derbys zu überbrücken. Daher scheint ein Start der Rangers in der kommenden Saison in der 2. Liga die wahrscheinlichste Kompromiss-Lösung, könnten im Falle des sofortigen Wiederaufstiegs doch die Interessen der TV-Partner gewahrt werden. Würden die Rangers in die dritte Liga relegiert, entgehen der Liga rund 25 Millionen Franken Einnahmen.

Auch zuschauermässig wird sich der Verlust der Rangers auf die schottische Premier League massiv auswirken. Bei Heimspielen füllten regelmässig fast 50 000 Fans den Ibrox Park, bei Auswärtspartien sorgten die Rangers (zusammen mit Celtic) jeweils fast für eine Verdoppelung des normalen Zuschauerschnitts des Gegners.

Wer ersetzt die Rangers?

Jetzt droht der Fall in die Bedeutungslosigkeit für den 139-jährigen Klub. Der Lack war international schon länger ab. Die Zeiten, als selbst grosse Stars wie Paul Gascoigne, Genaro Gattuso, Brian Laudrup, Claudio Caniggia, Giovanni van Bronckhorst oder Ally McCoist für die Blauen kickten und international für Aufsehen sorgten, sind schon seit Beginn des neuen Jahrtausends vorbei. Noch vor zwei Wochen erstellte die Liga einen Spielplan mit einem «Team 12» für die Premier League. Die Rangers werden den Platzhalter wie erwähnt nicht füllen. In Frage kommen jetzt noch der ursprüngliche Erstliga-Absteiger Dunfermline Athletic oder der Zweitliga-Zweite FC Dundee. Kein Vergleich mit den traditionsreichen Glasgow Rangers. Diese mussten am Donnerstag stattdessen ihre Tour durch Deutschland vom 18. bis 25. Juli (3 Spiele) absagen. Die Veranstalter strichen das Team aus dem Programm. Es wird nicht die letzte Negativmeldung der nächsten Tage aus Schottland bleiben.

Der Klub appelliert derweil auf seiner Homepage an die treuen Fans, welche trotz der Eintönigkeit der Liga seit Jahren das Stadion füllen: «Der Verein hofft, dass die Fans, welche ihn seit der Insolvenzanmeldung absolut überwältigend unterstützten, so weitermachen und aus den Rangers wieder eine Erfolgsstory machen.»

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