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Zukunft am Spengler-CupWie weiter? Nun rauchen die Köpfe wegen der Nati

Die Rückkehr der Nati nach 38 Jahren an den Spengler-Cup war trotz Finalniederlage ein voller Erfolg. Doch bleibt es eine einmalige Sache?

von
Marcel Allemann
Davos
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Brutales Ende: Der bedauernswerte HCD-Goalie kassiert acht Tore. (30. Dezember 2017)

Brutales Ende: Der bedauernswerte HCD-Goalie kassiert acht Tore. (30. Dezember 2017)

Keystone/Melanie Duchene
Der Begin des ersten Doppelschlags: Herzog (61) hat soeben das 3:3 erzielt, wenig später trifft Schlumpf zum 4:3.

Der Begin des ersten Doppelschlags: Herzog (61) hat soeben das 3:3 erzielt, wenig später trifft Schlumpf zum 4:3.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Eine wunderbare Verabschiedung: Mark Streit wird so richtig geehrt.

Eine wunderbare Verabschiedung: Mark Streit wird so richtig geehrt.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Für gewöhnlich spielt die Nati Mitte Dezember auf heimischem Boden gegen ihren Dauer-Testgegner Slowakei. Oder gegen Weissrussland, Dänemark oder Norwegen. Zur Kenntnis genommen von einer breiten Öffentlichkeit wird dies kaum. Eine gewisse Trostlosigkeit ist nicht wegzudiskutieren.

Am 91. Spengler-Cup in Davos lernte die Nati eine komplett andere Seite eines Dezember-Termins kennen. Jedes Spiel war ein Fest. Volles Stadion, tolle Stimmung, TV-Übertragung mit stattlichen Einschaltquoten. Es waren die meistbeachteten Spiele einer Schweizer Nati auf Schweizer Boden seit der Heim-WM 2009 in Bern und Kloten.

Eine traumhafte Plattform

Swiss Ice Hockey erhielt eine Plattform, um wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Südkorea beste Eigenwerbung zu betreiben. Und die Spieler waren begeistert, in Davos auflaufen zu können. «Es ist ein Geschenk für jeden», betonte Trainer Patrick Fischer immer wieder. Und der Spengler-Cup erhielt durch die Teilnahme der Auswahl neben dem heimischen HC Davos ein zweites grosses Zugpferd für sein Publikum. Eine klassische Win-Win-Situation.

Die Teilnahme der Nationalmannschaft war deshalb in jeder Hinsicht ein grosser Erfolg. Und weshalb sollte man eine Erfolgsgeschichte nicht weiterführen? Obwohl vor dem Turnier immer wieder betont worden war, dass dies eine einmalige Geschichte als Vorbereitungsevent hinsichtlich der Winterspiele sei.

Fischer würde gerne wieder kommen

Die beteiligten Parteien müssen sich nun mit der Frage ausseinandersetzen, was für die Zukunft das Beste ist. Marc Gianola, der OK-Boss des Spengler-Cups, wurde nie müde, zu betonen, wie viel Freude er an der Nati hat. Er sagte auch: «Über die Zukunft haben wir uns bislang null Gedanken gemacht. Dafür lassen wir uns bis im Februar Zeit.» Eine automatische Einladung als Titelverteidiger wird es nach der Finalniederlage ohnehin nicht geben.

Von Seiten des Verbandes ist bekannt, dass die sportliche Seite mit Nationaltrainer Patrick Fischer und Nati-Direktor Raeto Raffainer sehr gerne wieder kommen würden, aber CEO Florian Kohler dies kategorisch ausschliesst. Dafür ist die Liga sehr daran interessiert, dass der Termin Mitte Dezember fix gestrichen wird und das Nationalteam diesen während der Altjahreswoche abhält, damit Mitte Dezember – so wie 2017 – Meisterschaftsspiele ausgetragen werden können.

Es gibt also einige Interessenkonflikte. Die Entscheidungsfindung ist überaus delikat und zwar in vielerlei Hinsicht. Die Köpfe der Entscheidungsträger dürften in den nächsten Wochen und Monaten rauchen. Eine Gefahr für den Spengler-Cup: Würde die Nati jedes Jahr dabei sein, kann dies zu einer Verwässerung des eigentlichen Clubturniers führen, indem das Besondere zum Alltag wird und seinen Reiz verliert.

Delikate Sponsorenproblematik

Noch viel problematischer ist die Sponsoren-Situation. Die Nati und der Spengler-Cup haben unterschiedliche Geldgeber. So ist etwa im Banken-Bereich die PostFinance Partner der Nati, am Spengler-Cup hat aber die UBS ihren grossen Auftritt. Dass «ihre» Nati-Spieler in Davos vor einem grossen Publikum auf dem Helm für Konkurrent UBS werben müssen, bereitet der PostFinance Augenschmerzen, denen man sich bestimmt nicht jährlich aussetzen möchte.

Diesbezüglich einen Kompromiss zu finden, dürfte fast aussichtslos sein, weshalb es wiederum logisch ist, dass CEO Kohler eine neuerliche Teilnahme der Nati ausschliesst. Wie die NZZ schrieb, flossen gar Entschädigungen von Swiss Ice Hockey an verärgerte Partner. Immerhin bekamen diese in einem angemieteten Chalet neben der Davoser Eishalle ihren Auftritt.

Ein Kompromiss?

Vielleicht gibt es ja einen typisch schweizerischen Kompromiss. Etwa, wenn die Nati alle vier Jahre im Rahmen der Olympia-Vorbereitung am Traditionsturnier dabei wäre – sofern sie sich denn für die Winterspiele qualifiziert. Das nächste Mal wäre sie dann 2021 wieder mit von der Partie.

So würde der Reiz des Besonderen bestehen bleiben. Und auch für andere Aspekte - wie die Sponsoren-Problematik - liessen sich eher Lösungen finden. Gianola dazu: «Das wäre durchaus ein realistischer Weg, aber ich kenne die Gedankengänge des Verbandes nicht.»

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