Aktualisiert 12.03.2020 16:56

Abbruch der Saison«Es ist, wie aus dem Playoff auszuscheiden»

Der Stecker ist gezogen, die Saison zu Ende. 20 Minuten hat Reaktionen von Protagonisten eingeholt.

von
mal/ädu
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Andres Ambühl, Captain HC Davos: «Das Timing hätte besser sein können, denn jetzt würde eigentlich die schönste Zeit im Eishockey anstehen.»

Andres Ambühl, Captain HC Davos: «Das Timing hätte besser sein können, denn jetzt würde eigentlich die schönste Zeit im Eishockey anstehen.»

Keystone/Patrick B. Kraemer
Marc Lüthi, CEO SC Bern: «Jedes Spiel hätte uns 20'000 bis 30'000 Franken gekostet.»

Marc Lüthi, CEO SC Bern: «Jedes Spiel hätte uns 20'000 bis 30'000 Franken gekostet.»

Keystone/Lukas Lehmann
Rikard Grönborg, Trainer ZSC Lions: «Ich fühle mich momentan ziemlich leer.»

Rikard Grönborg, Trainer ZSC Lions: «Ich fühle mich momentan ziemlich leer.»

Keystone/Patrick B. Kraemer

Wegen des Ausbruchs des Coronavirus wurde die Eishockeysaison abgebrochen. Das Playoff und die Platzierungsrunde werden nicht gespielt. Ob es einen Meister gibt entscheidet die Ligaversammlung am Freitag. Das sagen die Betroffenen zum Abbruch der Saison:

Andres Ambühl, Captain HC Davos: «Das Ganze ist sehr speziell und wir sind natürlich enttäuscht. Das Timing hätte besser sein können, denn jetzt würde eigentlich die schönste Zeit im Eishockey anstehen. Doch nun sehen wir auch, dass es Wichtigeres im Leben gibt als Sport. Momentan trainieren wir nicht mehr und befinden uns im Stillstand, es ist wie, wenn du aus dem Playoff ausgeschieden wärst. Ich werde nun ein, zwei Wochen Pause machen und mal abwarten, ob noch eine Chance besteht, dass die WM stattfinden kann und gegebenfalls dann wieder mit dem Training beginnen. Wenn wir in die Ferien geschickt werden sollten, werde ich sicher nicht gross verreisen. Aber es gibt ja auch bei uns hübsche Sachen, man könnte ja beispielsweise auf einer Alp Ferien machen.»

Marc Lüthi, CEO SC Bern: «Es gab aufgrund der Umstände gar keine andere Möglichkeit mehr, als die Meisterschaft abzubrechen. Rein unternehmerisch betrachtet, wäre das Durchführen der Platzierungsrunde ohne Zuschauer noch schlimmer gewesen. Jedes Spiel hätte uns 20'000 bis 30'000 Franken gekostet. Welche Auswirkungen die derzeitige Situation mittelfristig auf das Schweizer Eishockey haben wird, ist derzeit schwierig abzuschätzen.»

Rikard Grönborg, Trainer ZSC Lions: «Ich verstehe den Entscheid und diesen gilt es zu akzeptieren, doch natürlich bin ich enttäuscht, denn wir haben das ganze Jahr für diesen Moment, der nun folgen würde, gearbeitet. Daher fühle ich mich momentan ziemlich leer. Ich habe der Mannschaft vorhin aber auch gesagt, dass ich sehr stolz darauf bin, was sie in dieser Saison geleistet hat, mit dem Gewinn der Qualifikation oder auch aufgrund der Fortschritte Einzelner. Was ich persönlich nun tun werde, weiss ich noch nicht. Ich habe geplant, den Sommer in den USA zu verbringen, kann aber noch nicht abschätzen, ob dies überhaupt möglich sein wird. In der Schweiz bin aufgrund dieser ausserordentlichen Situation auf der Welt an einem sehr guten Ort und ich habe auch viel Vertrauen in den Schweizer Bundesrat.»

Lukas Flüeler, Goalie ZSC Lions: «Ich bin zwar einerseits überrascht, andererseits aber auch nicht. Man hat gewöhnlich trainiert und sich aufs Playoff fokussiert, aber ist trotzdem jedes mögliche Szenario im Kopf durchgegangen und hat vor dem Einschlafen darüber nachgedacht. Wie es für uns weitergeht, werden wir nächste Woche erfahren. Unser Sportchef Sven Leuenberger wird für uns ein optimales Programm im Hinblick auf die nächste Saison ausarbeiten. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, ins Ausland in die Ferien zu verreisen.»

Pius Suter, Stürmer ZSC Lions: «Es ist schade für alle, aber natürlich verständlich, dass es so gekommen ist. Darüber, wie es für mich weitergeht, werde ich wohl nächste Woche mehr Klarheit haben. Ich kann jetzt sicher nicht in die Ferien verreisen und dann quasi mit Sand zwischen den Zehen in die Nati einrücken, wenn es dann doch eine WM geben würde. Abgesehen davon, dass ich mir derzeit auch gar nicht vorstellen könnte, irgendwohin zu verreisen. Ich hoffe einfach, dass diese Ausnahmesituation nicht mehr allzu lange anhält.»

Beat Forster, Verteidiger EHC Biel: «Es ist eine verwirrende und einmalige Situation, dass eine Saison ohne Ernstkampf zu Ende geht. Die nötige Anspannung fürs Playoff ist bei mir persönlich in den letzten Tagen gar nie mehr richtig zurückgekommen, denn es hat soviel dafür gesprochen, dass diese Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Playoff-Spiele ohne Zuschauer wären ohnehin trostlos gewesen. Trainiert haben wir heute nicht mehr, wir haben einfach noch ein Abschieds-Plauschmätchli gemacht. Ich selbst ging jedoch gar nicht mehr aufs Eis, die Motivation dazu hat mir gefehlt. Anfangs nächste Woche steht dann unser Saison-Abschlussgespräch an, da werden wir erfahren wie es weiter geht.»

Tristan Scherwey, Stürmer SC Bern: «Wir trainierten ab letzter Woche den Umständen entsprechend gut, die Stimmung im Team war nach der überwundenen riesigen Enttäuschung über das Verpassen des Playoffs wieder hervorragend. Wir bereiteten uns seriös auf den nächsten Dienstag und den Match gegen Ambri vor. Denn wir wussten: Wir sind es der Organisation, unseren Fans und auch uns selber schuldig, für einen sauberen Abgang zu sorgen. Aber es wäre gelogen, wenn Spieler von Ambri, Langnau, Rapperswil und uns sagen würden, sie hätten die Platzierungsrunde unbedingt spielen wollen.»

Paolo Duca, Sportchef HC Ambri-Piotta: «Wir schauen nun, wie es bei uns weitergeht. Nächste Woche wird es ein Abschlussmeeting geben und wir werden die Planung der nächsten Saison angehen. Klar ist, dass es in den nächsten zwei Wochen keinerlei Trainingsaktivitäten geben wird. Wir werden alles unternehmen, um die Massnahmen des Regierungsrates umzusetzen und wollen so unseren Beitrag leisten beim Versuch, die Ausbreitungs des Coronavirus zu verlangsamen. Der entstandene Schaden für den Verein lässt sich noch nicht abschätzen. Über die entgangenen Einnahmen wissen wir zwar Bescheid, aber ich habe die Sorge, dass diese Pandemie auch wirtschaftliche Folgen für die nächste Saison nach sich ziehen wird.»

Raphael Diaz, Captain Nationalmannschaft und EV Zug: «Als Sportler bin ich natürlich traurig und enttäuscht und kann es wie nicht glauben. Doch wenn man übers Ganze schaut, dann wurde in den letzten Tagen klar, dass es auch bei uns soweit kommen wird, nachdem immer mehr Ligen den Spielbetrieb eingestellt haben. Die Hoffnung und den Glauben, dass die Heim-WM im Mai stattfinden kann, gebe ich aber noch nicht auf, solange nichts Gegenteiliges bekannt ist.»

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