Aktualisiert 09.01.2013 15:39

Doktor Sex

«Wie wichtig ist beim Gummi das OK-Siegel?»

Res brauchte lange, bis er ein passendes Kondom in Übergrösse fand. Und nun trägt dieses kein Gütesiegel. Muss er weitersuchen?

von
wer
Auch für geprüfte Kondome ist der Kontakt mit spitzen Fingernägeln und Zähnen nicht zu empfehlen. (Symbolbild: Colourbox.com, Sergii Shalimov)

Auch für geprüfte Kondome ist der Kontakt mit spitzen Fingernägeln und Zähnen nicht zu empfehlen. (Symbolbild: Colourbox.com, Sergii Shalimov)

Frage von Res (37) an Doktor Sex: Ich benötige extra grosse Kondome. Bislang habe ich keine passenden gefunden, aber nun hat es geklappt. Leider hat die Marke aber kein OK-Gütesiegel. Sollte ich die Pariser deshalb besser nicht verwenden?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Res

Wenn du die Präservative in einem Laden in der Schweiz erworben hast, kannst du sie problemlos verwenden. Alle Kondome, die hier im Handel sind, müssen nämlich den Anforderungen der Euro-Norm für Präservative genügen. Etwas komplizierter ist es, wenn du die Gummis im Netz erstanden hast, weil du dann, je nach dem, in welchem Land der Vertrieb beheimatet ist, nicht mit Sicherheit davon ausgehen kannst, dass dort die gleichen Regeln gelten wie in der Schweiz. Falls du diesbezüglich Abklärungen treffen möchtest, könnte der Besuch in einer Apotheke oder einer Condomeria und ein Gespräch mit dem Verkaufspersonal dort hilfreich sein. Die Condomeria bietet in ihrem E-Shop übrigens auch Präservative in Übergrössen an.

Das OK-Gütesiegel - es wird vom Verein Gütesiegel für Präservative vergeben - gibt es nur in der Schweiz. Sein Erwerb ist freiwillig und kann nur für Kondome beantragt werden, die in der Schweiz in den Verkauf gelangen. Damit ein Kondom mit dem Siegel ausgezeichnet wird, muss es spezielle Tests durchlaufen und höhere Anforderungen erfüllen, als in der Euro-Norm gefordert. Jede einzelne Produktionseinheit wird vor der Verkaufsfreigabe im Auftrag des Vereins von einem unabhängigen Labor getestet und auch die Einhaltung der Marktvorschriften wird durch regelmässige Stichproben in den Läden sichergestellt.

Zehn goldene Regeln im Umgang mit Kondomen

Mindestens so wichtig wie die Sicherheitsstandards in Zusammenhang mit Produktion und Vertrieb von Kondomen ist die richtige Anwendung. Sie entscheidet nämlich weit häufiger als das Produkt an sich darüber, ob die Verhütung wirksam ist. Die folgenden Regeln sollten daher unbedingt eingehalten werden:

1. Kondome sollten nicht grosser Kälte, Hitze oder direkter Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Sie gehören also weder ins Handschuhfach des Autos noch ins Gefrierfach oder den Kühlschrank.

2. Druck und Reibung können Kondome zerstören. Sie sollten deshalb nicht im Geldbeutel, sondern in einem geeigneten Schutzbehälter aufbewahrt werden.

3. Kondome sind aus Naturkautschuk hergestellt und können verderben. Daher muss unbedingt das Verfalldatum beachtet werden. Abgelaufene Kondome gehören in den Müll.

3. Jedes Kondom wird zusammen mit etwas Luft in die einzelne Verpackung eingeschweisst. Ist keine Luft mehr darin vorhanden, ist wahrscheinlich ein Loch in der Verpackung und meist ist auch das darin enthaltene Kondom beschädigt. In diesem Fall empfiehlt es sich, ein neues zu verwenden.

4. Das Kondom muss unbedingt vor dem ersten Eindringen des Penis in Scheide oder After aufgesetzt werden, denn jeder ungeschützte Kontakt kann bereits zur Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit oder zu einer Schwangerschaft führen. Achtung: Juxkondome und Präservative aus Tierdärmen bieten keinen sicheren Schutz gegen eine Schwangerschaft oder sexuell übertragbare Krankheiten.

5. Zum Öffnen der Kondomverpackung sollten keine spitzen oder scharfen Hilfsmittel (Schere, Messer, Rasierklinge o. ä.) verwendet werden. Vorsicht ist auch bei scharfkantigen Fingernägeln geboten.

6. Vor dem Aufsetzen des Kondoms auf den steifen Penis muss zuerst die Vorhaut zurückgeschoben und das Reservoir an der Spitze des Präservativs mit Daumen und Zeigefinger zusammengedrückt werden, so dass es keine Luft mehr enthält. Wird ein Kondom irrtümlicherweise verkehrt herum aufgesetzt, so dass die Aussenseite mit der Eichel in Berührung kommt, darf es nicht mehr verwendet werden, weil sich dann möglicherweise Samenflüssigkeit daran befindet. Achtung: Intimpiercings können das Kondom beschädigen.

7. Ein gut sitzendes Präservativ lässt sich leicht mit Daumen und Zeigefinger über den steifen Penis bis zuunterst an die Peniswurzel abrollen. Zu grosse oder nicht bis unten abgerollte Kondome können abgleiten, zu enge Kondome können reissen. Es ist daher unbedingt wichtig, die richtige Grösse zu verwenden. Die Webseite Mysize bietet Hilfestellungen, um das passende Kondom zu finden. Und: Auch wenn doppelt genäht in manchen Situationen besser hält: Bei Kondomen ist dies nicht der Fall. Es sollten daher nie zwei Präservative übereinander getragen werden.

8. Gleitmittel vermindern die Beanspruchung des Kondoms und damit das Risiko, dass es beim Sex reisst. Insbesondere beim Analsex ist Gleitmittel unerlässlich, da der After selbst keine Feuchtigkeit produziert. Wichtig: Nur wasserlösliche Gleitmittel oder solche auf Silikon-Basis verwenden. Mittel, die Fette oder Öle enthalten (z. B. Lotionen, Vaseline, Butter u. ä.), können das Kondom beschädigen. Auch manche Zäpfchen und Salben für die Anwendung in oder an der Scheide können Kondome kaputtmachen. Daher unbedingt immer erst die Packungsbeilage lesen oder den Arzt beziehungsweise die Apothekerin nach möglichen Auswirkungen auf Präservative fragen.

9. Nach der Ejakulation muss der Penis herausgezogen werden, bevor er wieder schlaff wird. Dabei muss das Kondom festgehalten werden, damit es nicht abrutscht und in der Vagina oder im Anus stecken bleibt. Kondome können nur einmal gebraucht werden. Nach der Verwendung gehören sie nicht in die Toilette, sondern in den Müll.

10. Latex oder die zur Herstellung von Kondomen notwendigen Zusatzstoffe können allergische Reaktionen hervorrufen. Manchmal kann ein Markenwechsel das Problem lösen, ganz sicher hilfreich aber ist das Umsteigen auf Kunststoffpräservative.

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