Tesla Model 3 im Test: Wie wintertauglich sind E-Autos wirklich?
Wie wintertauglich sind Akkus von Elektroautos wirklich? Wir haben den Test mit einem Tesla Model 3 gemacht.

Wie wintertauglich sind Akkus von Elektroautos wirklich? Wir haben den Test mit einem Tesla Model 3 gemacht.

Michael Lusk
Publiziert

Tesla Model 3 im TestWie wintertauglich sind E-Autos wirklich?

Kalte Temperaturen sorgen für weniger Reichweite. Wir machen den Härtetest – und fahren Mitte Februar, als das Thermometer nachts bis unter -20 Grad fiel, mit einem Tesla Model 3 von Samedan nach La Brévine, den kältesten Orten der Schweiz.

von
Michael Lusk / A&W Verlag

Wetterfans, Statistiker und fleissige Meteo-Gucker kennen La Brevine im Jura und Samedan im Engadin. Regelmässig melden beide Orte im Winter frostige Temperaturen, das Thermometer klettert hier nachts bis -20 oder noch weniger Grad. Den absoluten Schweizer Kälterekord hält seit 1987 übrigens La Brevine. Damals wurde auf der jurassischen Hochebene, auch das Sibirien der Schweiz genannt, -41,8 Grad gemessen.

Ganz so kalt war es Mitte Februar zwar nicht, ausserdem hatte mit Samedan der andere Kältepol der Schweiz mit Werten von -28 Grad zu der Zeit die Nase vorn. Ideale Bedingungen also, um das Model 3 von Tesla einem Härtetest zu unterziehen.

In Samedan gehts los – wir unterziehen das Model 3 von Tesla einem Winter-Härtetest.

In Samedan gehts los – wir unterziehen das Model 3 von Tesla einem Winter-Härtetest.

Michael Lusk
Kurzer Foto-Halt beim Origen-Turm auf dem Julierpass.

Kurzer Foto-Halt beim Origen-Turm auf dem Julierpass.

Michael Lusk
Da ist das über Nacht gefrorene Tesla-Logo längt aufgetaut.

Da ist das über Nacht gefrorene Tesla-Logo längt aufgetaut.

Michael Lusk

Wintertauglich dank Wärmepumpe

Nebst den sogenannten «Over-the-Air-Updates», mit denen Tesla die Software seiner Autos per WLAN über Nacht verbessert, haben die Amerikaner das Model 3 auch technisch auf den neuesten Stand gebracht. Eine Wärmepumpe anstelle der bisherigen Hochvoltheizung sorgt jetzt für die passende Temperatur im Auto. Der Vorteil: Weniger Verbrauch, mehr Reichweite. 580 Kilometer sind es in der sogenannten Long-Range-Version auf dem Papier, 397 Kilometer umfasst die gewählte Route zwischen Samedan und La Brevine. Aber Papier ist ja bekanntlich geduldig. Zumal der WLTP-Wert bei angenehm milden 23 Grad und gemässigter Fahrweise ermittelt wird – und nicht bei winterlichen Verhältnissen und mit zahlreichen Pässen dazwischen.

Los gehts in Samedan bei strahlendem Sonnenschein, aber eisigen Temperaturen mit rund 430 Kilometern Reichweite, die das Display unter anderem aufgrund der Fahrweise davor prognostiziert. Aber als erstes wartet gleich ein Pass, auf dem wir das Potenzial des Autos auch mal ausreizen. Sitzheizung, Klima, Infotainment und Musik gönnen wir uns natürlich auch. Mit seinen 440 PS zoomt sich der US-Stromer pfeilschnell die Steigungen Richtung Julier hoch, die Reichweite schmilzt nur so dahin. Macht aber nichts – erstens schlägt das Navi entlang der Route automatisch verschiedene Lademöglichkeiten vor. Zweitens war nonstop eh nie der Plan, schliesslich brauchen Fahrer und Beifahrerin ja auch mal eine Pause. Die legen wir beim Supercharger Maienfeld ein, obschon sich der Verbrauch dank längeren Bergab-Passagen nach dem Julier wieder bei rund 25 kWh/100 km eingependelt hat – was bei einer Akkukapazität von 75 kWh für immerhin 300 Kilometer reichen würde.

Gut abgedeckte Hauptverkehrsachsen

Danach ist Autobahnfahren durchs Mittelland angesagt, die Sonne weicht dem Hochnebel, der Verbrauch sinkt dafür unter 20 kWh/100 km, die Reichweite steigt. Weil die Hauptverkehrsachsen sowohl mit Tesla-eigenen Superchargern als auch mit öffentlichen Ladestationen für alle E-Autos mittlerweile gut abgedeckt sind, fahren wir bedenkenlos an verschiedenen Lademöglichkeiten vorbei. Auf den letzten Kilometern die Landstrassen hoch Richtung La Brevine steigt der Verbrauch wieder etwas, aber am Ziel werden wir von strahlendem Sonnenschein und der Möglichkeit, auf dem gefrorenen See zu spazieren, belohnt.

Und der Erkenntnis: E-Autos wie das Model 3 von Tesla sind auch im Winter alltagstauglich, unterscheiden sich kaum noch von Verbrennern, die ja auch Tankstopps brauchen. Rund 21 kWh/100 km haben wir verbraucht, was einer Reichweite von 350 Kilometern entspricht. Je nach Fahrweise lässt sich das sicher noch optimieren. Aber das ist ja bei jedem Auto unabhängig vom Antrieb so.

Deine Meinung

284 Kommentare
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Alset3

10.03.2021, 23:46

Habe einen Tesla 3 Performance. 21 Kw/h ist realistisch und ok. Ergibt umgerechnet NUR ca. 2 Liter Diesel auf 100 Km! Das ist super! Ich hätte aber gerne einen grösseren Akku. Verbrenner sind heutzutage out und ökologisch eine Zumutung!

E ist wirtschaftlich

10.03.2021, 19:42

Fahre ein E-Auto und einen Diesler. Der Diesler hat bis jetzt wohl die 4-fachen Unterhaltskosten verursacht. Deshalb werde ich den Diesler in diesem Jahr entweder gegen das Tesla MY oder den Ioniq5 eintauschen. Wer einmal elektrisch fährt wird keinen Verbrenner mehr fahren wollen.

Stefanio

10.03.2021, 17:59

Ich habe mit seilziehen meines Dieslers einen Tesla zum brennen gebracht und bin mega stolz 😊