20.01.2016 20:50

Probewohnen in Tech-WG

Wie wir in Zukunft wohnen werden

In einer Berner WG ist der Briefkasten schlau und bald denkt der Kühlschrank mit. Die Bewohner testen, wie sich modernes Wohnen anfühlt.

von
T. Bolzern

Das Licht geht an, wenn jemand die Stube betritt, die Musik hört auf zu spielen, wenn man das Haus verlässt. Der Briefkasten erkennt, ob Post gekommen ist – und bald soll der Kühlschrank merken, wenn die Milch alle ist. Die Fünf-Zimmer-Wohnung in Bern denkt mit den Bewohnern mit.

Letzten Herbst sind George Zerveas, Abiraam Varathan und Oliver Zähner in den Altbau eingezogen. Seither erproben sie dort als WG, wie das Wohnen der Zukunft aussehen könnte. Die drei Hochschulabsolventen arbeiten bei der Swisscom (siehe Box), die Wohnung ist ihr Experimentallabor, wo sie verschiedene Gadgets, Sensoren und ihre eigenen Ideen im Alltag ausprobieren.

Der schlaue Briefkasten

Eines der ersten Projekte, das sie umgesetzt haben, ist ein moderner Briefkasten. Er erkennt anhand von Drucksensoren, ob die Post gekommen ist. Eine LED zeigt an, wenn Briefe im Inneren liegen. «Wir bekommen nicht so viel Post. Für uns hat das also einen ganz praktischen Nutzen», erklärt Zähner. Anstatt der LED könnte die Meldung aber auch direkt ans Smartphone erfolgen. «Dann könnte man etwa aus den Ferien die Nachbarn informieren, wenn man sieht, dass der Briefkasten voll ist», so der 27-Jährige.

Das Zusammenleben als WG hat aber auch seine Tücken. Zum Beispiel wenn man Müesli essen will, aber es keine Milch mehr im Kühlschrank hat. Ein Problem, das die Tech-WG ebenfalls lösen möchte. Wir planen, Drucksensoren auch in den Kühlschrank einzubauen, sagt Zerveas. «Diese würden dann erkennen, wenn es keine Milch mehr hat, und entsprechend eine Meldung an unsere Smartphones ausgeben.»

Vogelhaus erkennt Gezwitscher

Nicht alle Ideen, die in der Nerd-WG entstehen, haben einen direkten Nutzen für die Bewohner. «Wir planen auch ein vernetztes Vogelhaus», sagt Varathan. Per Kamera soll man so den Vögel beim Fressen zuschauen können. Und möglich wäre auch, dass per Mikrofon die Stimmen der Vögel analysiert werden. Ende Monat gebe es dann eine Statistik: «Bei dir haben sich 20 Spatzen, 14 Elstern und drei Krähen verköstigt», nennt Zähner als Beispiel.

Sagt das eine Gerät zum anderen ...

Doch für die meisten Leute sind Begriffe wie Smart Home oder Connected Living bisher noch sehr abstrakt. Das Problem sei, so erklären die Bewohner, dass Lösungen noch zu teuer und zu unbefriedigend seien. «Für den Konsumenten ist vieles noch zu kompliziert.» Auch können Geräte von unterschiedlichen Herstellern oftmals nicht oder nur umständlich miteinander kommunizieren. Erst wenn sich die Hersteller auf einen gemeinsamen Standard geeinigt hätten, sei der Durchbruch zu erwarten, sagt Varathan.

Grosses Potenzial für Smart-Home-Anwendungen sehen die Bewohner bei Lampen. Eine Glühbirne, wie die Schweizer Erfindung Comfylight, die automatisch das alltägliche Bewegungsverhalten erlernt und dieses dann simuliert, wenn man in den Ferien ist, könne das Sicherheitsempfinden steigern, sagt Zähner, der sich mit dem Thema für seine Masterarbeit beschäftigt hat.

Einen praktischen Nutzen sehen die WG-Bewohner auch bei intelligenten Heizungen, also wenn der Thermostat erkennt, um welche Zeit man sich in welchen Zimmern aufhält und dann entsprechend geheizt – oder gekühlt – wird. «Damit kann man bares Geld in Form von Heizkosten sparen», sagt Zerveas.

Die Tech-WG der Swisscom

Mit 365d betreibt die Swisscom ein Projekt, in dem das Wohnen der Zukunft getestet wird. Gadgets, Sensoren und haufenweise Technik stehen im Altbau in Bern herum. Die drei Bewohner arbeiten vier Tage die Woche für das Innovations-Departement der Swisscom. Den fünften Tag haben sie zur freien Verfügung, um in der Wohnung eigene Ideen zu testen. George Zerveas, Abiraam Varathan und Oliver Zähner bilden bereits das zweite Team, das in der Wohnung lebt. Von ihren Erfahrungen berichten sie in ihrem Blog.

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