Nachrichtendienst-Affäre: Wie wird man eigentlich Spion?

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Nachrichtendienst-AffäreWie wird man eigentlich Spion?

In Deutschland ist ein ehemaliger Schweizer Agent verhaftet worden. So rekrutiert der Nachrichtendienst sein Personal.

von
lin
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Beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) arbeiten insgesamt rund 300 Personen. Hier der Sitz in Bern.

Beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) arbeiten insgesamt rund 300 Personen. Hier der Sitz in Bern.

Keystone/Peter Klaunzer
Der NDB rekrutiert Personen aus verschiedensten Berufsgruppen – von Archäologen bis hin zu Verwaltungswissenschaftlern.

Der NDB rekrutiert Personen aus verschiedensten Berufsgruppen – von Archäologen bis hin zu Verwaltungswissenschaftlern.

Keystone/Peter Schneider
Zurzeit sorgt der mutmassliche Agent Daniel M. für Aufregung, der in Deutschland verhaftet wurde. Im Bild: NDB-Chef Markus Seiler.

Zurzeit sorgt der mutmassliche Agent Daniel M. für Aufregung, der in Deutschland verhaftet wurde. Im Bild: NDB-Chef Markus Seiler.

Keystone/Alessandro Della Valle

Die Verhaftung eines Schweizer Agenten in Deutschland sorgt für Aufregung. Daniel M. soll zwischen 2010 und 2014 für den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) tätig gewesen sein. Dabei ging es vor allem um die – aus Schweizer Sicht – illegale Lieferung von Bankdaten an deutsche Behörden.

Doch wie rekrutiert der NDB eigentlich seine Mitarbeiter? Auf seiner Website hat der NDB die Broschüre «Arbeitgeber NDB – Ein besonderer Dienst» aufgeschaltet. Dort hält die Behörde fest, welche Anforderungen ein Bewerber erfüllen muss und wie der Rekrutierungsprozess abläuft.

Stellen werden ganz normal ausgeschrieben

Der NDB sucht laut dem Dokument nach überdurchschnittlich qualifizierten Teamplayern, die schnell denken und handeln können. «Bewerben Sie sich, wenn Sie sich durch vorzügliche Leistungen und Kompetenzen auszeichnen», schreibt der Nachrichtendienst. Mit Personen, die gerne im Mittelpunkt stehen oder wie James Bond unterwegs sein möchten, könne man dagegen nichts anfangen.

«Vom ehemaligen Hochseeschiffskoch bis zum Pfarrer vereinigen wir alle möglichen Berufe bei uns», erklärte Markus Seiler, Chef des NDB, im vergangenen Jahr in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung». Die Stellen werden dabei regulär auf dem Stellenportal des Bundes ausgeschrieben. Als nach den Anschlägen in Paris 23 befristete Stellen geschaffen wurden, sind laut Seiler beim NDB über 1200 Bewerbungen eingegangen. Insgesamt beschäftigt der Nachrichtendienst rund 300 Personen.

Bewerbung per Mail zu unsicher

Wer sich für einen Job beim NDB bewirbt, muss ein mehrstufiges Eignungsverfahren mit mindestens drei Interviews und Hintergrundchecks durchlaufen. Das Verfahren dauert bis zur Unterschrift des Arbeitsvertrags laut NDB rund drei Monate. Chancen auf einen Job hat nur, wer einen tadellosen Leumund und das Schweizer Bürgerrecht besitzt.

Bereits bei der Bewerbung gilt es, Diskretion zu wahren. «Sprechen Sie mit Ihrem engen persönlichen Umfeld – insbesondere mit dem Lebenspartner –, aber nicht mit ihrem Bekanntenkreis über eine Bewerbung beim NDB», rät der Nachrichtendienst. Und: Wer seine Unterlagen einreichen will, sollte das auf dem Briefweg per Papierdossier tun. Aus Sicherheitsgründen sei auf eine elektronische Bewerbung zu verzichten.

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