14.03.2020 19:55

Luzerner Polizeiposten zuWie wirkt sich Schliessung auf die Sicherheit aus?

Die Luzerner Polizei hat bekanntgegeben, dass sie einige Polizeiposten vorübergehend schliessen wird. Laut der obersten Polizistin werden auch andere Kantone nachziehen.

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Über zwanzig Polizeiposten wie etwa diejenigen in Adligenswil, Beromünster und Dagmersellen werden ab Montag vorübergehend geschlossen. Dies teilte die Luzerner Polizei am Samstagmittag mit.

Über zwanzig Polizeiposten wie etwa diejenigen in Adligenswil, Beromünster und Dagmersellen werden ab Montag vorübergehend geschlossen. Dies teilte die Luzerner Polizei am Samstagmittag mit.

Keystone/urs Flueeler
Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), kann sich vorstellen, dass weitere Korps nachziehen werden.

Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), kann sich vorstellen, dass weitere Korps nachziehen werden.

Laut Bundi Ryser dürften viele Polizeimitarbeitende nun – wo möglich – in den Homeoffice versetzt werden.

Laut Bundi Ryser dürften viele Polizeimitarbeitende nun – wo möglich – in den Homeoffice versetzt werden.

Keystone/Christian Beutler

Über zwanzig Polizeiposten wie etwa diejenigen in Adligenswil, Beromünster und Dagmersellen werden ab Montag vorübergehend geschlossen. Dies teilte die Luzerner Polizei am Samstagmittag mit. Laut Sprecher Christian Bertschi gibt es bei der Luzerner Polizei keine Mitarbeiter, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Die Massnahmen seien eine Folge der verschärften Empfehlungen vom Bundesrat und vom Luzerner Regierungsrat, um eine Verbreitung des Coronavirus eindämmen zu können. «Durch diese Massnahmen sollen insbesondere folgende Ziele erreicht werden: Die Bevölkerung soll möglichst gut vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden, die Kapazitäten der Spitäler sollen für schwer Erkrankte zur Verfügung stehen und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Kampfes zur Eindämmung des Virus sollen so erträglich wie möglich gehalten werden.»

Auch wenn mehrere Posten schliessen, sei die Luzerner Bevölkerung noch sicher: «Die Sicherheit in einem Dorf wird nicht durch eine Immobilie – sprich einen Polizeiposten – gewährleistet, sondern durch die Polizisten, durch unsere mobilen Einsatzkräfte. Unsere uniformierten Mitarbeitenden sind überall dort präsent, wo die Bürger wohnen, arbeiten, die Freizeit verbringen oder im Strassenverkehr unterwegs sind», sagt Bertschi. «Die Patrouillen versuchen innert kürzester Zeit am Ereignis-, Unfall- oder Tatort zu sein. Eine im Einsatz stehende Patrouille, sei es im Auto oder in der Stadt Luzern auch zu Fuss oder per Bike, ist oft schneller am Ereignisort, als wenn zuerst auf dem Polizeiposten das Büro verlassen und in ein Auto gestiegen werden muss.»

«Viele Polizeimitarbeiter dürften in den Homeoffice versetzt werden»

Laut Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), sind die getroffene Massnahmen der Luzerner Polizei keine Überraschung.«Ich kann mir durchaus vorstellen, dass weitere Korps demnächst nachziehen werden. Das Virus betrifft die Polizistinnen und Polizisten wie alle anderen Gruppen auch. Zudem müssen auch wir schauen, dass wir die Sicherheit der Bevölkerung langfristig gewährleisten können.» Die verschärften Massnahmen des Bundes würden viele Polizeikorps vor grossen Herausforderungen stellen: «Im Hintergrund läuft die Planung auf Hochtouren. Die Korps müssen schauen, wie sie die Empfehlungen des Bundes umsetzen können. Das oberste Ziel ist der Schutz der eigenen Leute, als auch für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu sorgen.»

Die Bevölkerung dürfe nicht vergessen, dass auch Polizisten Menschen sind. «Auch sie können am Virus erkranken oder es gibt Kollegen, die zur Risikogruppe gehören. Und auch sie haben jetzt vielleicht Kinder zuhause, die wegen der verschärften Massnahmen nicht mehr in die Schule dürfen und betreut werden müssen. All das wird in den Korps nun thematisiert. Viele Polizeimitarbeitende dürfen deshalb – dort wo möglich – von zuhause aus arbeiten.»

«Schliessung beeinträchtigt Bürger kaum»

Bundi Ryser ist jedoch überzeugt, dass die Sicherheit trotz der Schliessung von mehreren Posten in Luzern gewährleistet sein wird. «Die Schliessung beeinträchtigt die Bürger kaum. Schliesslich gibt es noch die Patrouillen, die unterwegs sind, sowie den Notruf. Es bedeutet lediglich, dass man vielleicht einen etwas weiteren Weg hat, um beispielsweise eine Anzeige zu machen.» Wie hoch die Sicherheit und Solidarität bei den Polizeien seien, zeige sich daran, dass auch darüber diskutiert werde, dass sich die Korps gegenseitig aushelfen, wie beispielsweise im Kanton Tessin. Föderalismusgedanken wären jetzt fehl am Platz.

Die Schliessung von Polizeiposten ist bei der Kantonspolizei Zürich, bei der Kantonspolizei Aargau und bei der Kantonspolizei Bern am Samstag noch kein Thema. Bei der Kantonspolizei St. Gallen heisst es: «Wir haben intern darüber diskutiert und sind zum Schluss gekommen, dass wir die Lage vorerst stemmen können», so Sprecher Markus Rutz.

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