Aktualisiert 14.11.2011 17:06

Federer on FireWie zu seinen besten Zeiten

Roger Federer hat im Herbst 2011 wieder zu seiner Topform gefunden. Vor den World Tour Finals spricht die Konkurrenz vom «alten Roger». Er selbst strotzt nur so vor Selbstvertrauen.

von
Philipp Reich
Roger Federer kann wieder strahlen: Im «Indoor-Herbst» ist beim Schweizer der Knoten endlich wieder geplatzt. (Bild: Keystone)

Roger Federer kann wieder strahlen: Im «Indoor-Herbst» ist beim Schweizer der Knoten endlich wieder geplatzt. (Bild: Keystone)

Gross war die Erleichterung bei Roger Federer: Nach mehreren erfolglosen Anläufen hat der Baselbieter endlich auch in Paris-Bercy triumphiert. Ohne Satzverlust ist die ehemalige Weltnummer 1 im von ihm nicht gerade geliebten «Palais Omnisport» durchmarschiert. Mit seinem 18. Titel bei einem Masters-1000-Turnier liegt der 30-Jährige nur noch einen Sieg hinter Rekordhalter Rafael Nadal. Und nur Andre Agassi hat wie Federer bei sieben verschiedenen Turnieren dieser zweithöchsten Klasse gewinnen können.

Dass der 16-fache Grand-Slam-Sieger bei seinem 69. Turniersieg keinen seiner drei grossen Rivalen um die Tenniskrone besiegen musste, schmälert seine Leistung nicht im Geringsten. Jo-Wilfried Tsonga (ATP 8, neu 6), der ihm in Wimbledon und in Montreal in diesem Jahr zwei bittere Niederlagen zufügte, war ebenso chancenlos wie Tomas Berdych (ATP 7), gegen den Federer in den letzten fünf Duellen dreimal als Verlierer vom Platz musste.

Berdych: «Das war der alte Roger»

Die beiden Masters-Teilnehmer zeigten sich nach ihren Niederlagen äusserst beeindruckt von Federers Leistungen. Sowohl Halbfinal-Gegner Berdych als auch Finalist Tsonga waren voll des Lobes für den 69-fachen Turniersieger. «Ich habe wirklich sehr gut gespielt, aber Roger war einfach noch besser», sagte Tsonga nach dem verlorenen Endspiel. «Er ist für mich eindeutig der grösste Spieler der Welt und wird es auch noch lange Zeit bleiben.» Und Berdych fühlte sich gar an alte Zeiten erinnert, als dem Schweizer der Nimbus der Unschlagbarkeit anhaftete. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies der alte Roger war. Erinnern Sie sich an die Jahre, in denen er alles gewonnen hat?», so der Tscheche.

Mit seinem Triumph in Paris hat Federer, der 2011 lange nicht auf Touren kam, allen Kritikern gezeigt, was noch immer in ihm steckt. Die Präzision und die Konsequenz, mit der Federer beim Aufschlag und mit der Vorhand in Basel und vor allem in Paris zu Werke ging, haben imponiert. Die Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit in der Defensive ebenso. Wenn das Selbstvertrauen stimmt und der Schweizer auch körperlich topfit ist, ist ihm noch immer alles zuzutrauen. Vor allem bei Indoor-Turnieren, wo Federers Stärken besonders zur Geltung kommen.

Roger Federer zeigt Emotionen

Federer in Topform und zuversichtlich nach London

Mit seinem zweiten Triumph innerhalb von zwei Wochen - und nach einer sechswöchigen Turnierpause - hat Federer sich auch für die World Tour Finals, die am nächsten Sonntag in London beginnen, in die Pole Position gebracht. Die Pause hat dem Baselbieter offensichtlich gut getan. «Meine Saisonplanung ist aufgegangen. Ich bin genau zur richtigen Zeit in Topform», freut sich Federer, der wie schon im vergangenen Jahr einen goldenen Herbst erlebt.

Neben dem fünffachen Weltmeister ist von den Topcracks nur noch Andy Murray in einer ähnlich guten Verfassung. Die schottische Weltnummer 3 scheiterte in Paris im Viertelfinal knapp an Tomas Berdych, zuvor hat er in Asien aber drei Turniere in Serie gewonnen. Novak Djokovic laboriert nach seiner Muskelverletzung im Rücken nun wieder an seinen Problemen mit der Schulter. Rafael Nadal, der seit dem French Open auf seinen vierten Turniersieg des Jahres wartet, hat im Herbst noch kein Turnier gespielt, um sich ganz auf das Masters und den Davis-Cup-Final zu konzentrieren. Wie fit der Mallorquiner ist, weiss momentan niemand.

Von der Favoritenrolle will Federer aber nichts wissen. «Beim Masters sind die besten acht Spieler der Welt am Start», sagt der Titelverteidiger. «Ich bin momentan nur die Nummer 4. Allerdings werde ich mit grossem Selbstvertrauen nach London reisen. Wenn ich so wie in dieser Woche spiele, ist immer noch alles möglich.» Die Gegner haben sicherlich nicht weggeschaut und Federers Formanstieg zur Kenntnis genommen. Im Hinblick auf die World Tour Finals dürften sie die letzten zwei Wochen jedenfalls nicht zuversichtlich gestimmt haben.

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