Hillary Clintons Memoiren: «Wie zwei Teenies beim ersten Date»
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Hillary Clintons Memoiren«Wie zwei Teenies beim ersten Date»

Auszüge der Autobiografie von Hillary Clinton dringen an die Öffentlichkeit. Wie hat sie Barack Obama erlebt? Was hält sie von Wladimir Putin? Und was bereut sie am meisten?

Für Politikfans in den USA ist die bald erscheinende Autobiografie von Hillary Clinton mit Sicherheit eines der Bücher des Jahres. Die ehemalige Aussenministerin hat offenbar keine hohe Meinung von Wladimir Putin. Der russische Präsident sei «dünnhäutig und autokratisch», zitiert der TV-Sender CBS aus dem Buch. «Er nimmt Kritik übel und greift bei Widerspruch und Debatten hart durch.»

Die Gegenreaktion des Westens auf seine Annexionspolitik habe Erfolg, deutete Clinton demnach an. «Wenn Putin sich zurückhält, dann nicht, weil er seinen Appetit für mehr Macht, Land und Einfluss verloren hätte», heisst es in einem weiteren Auzug. Die Stärke der NATO trage ihren Teil dazu bei, ihm Einhalt zu gebieten.

Frau bewirft Hillary Clinton mit Schuh

Putin hatte seinerseits am Vortag in einem Interview gegen Clinton geschossen. «Wenn Leute Grenzen überschreiten, machen sie das nicht, weil sie so stark sind, sondern weil sie so schwach sind. Aber vielleicht ist Schwäche nicht die schlechteste Eigenschaft für eine Frau», sagte er in einer Reaktion darauf, dass sie ihn wegen seiner Rolle in der Ukraine-Krise mit Adolf Hitler verglichen habe.

Exemplar «zufällig» gefunden

Der Sender CBS stiess nach eigenen Angaben zufällig auf ein Exemplar des Buches «Hard Choices», das erst am 10. Juni erscheinen soll. Allerdings gehört CBS zum selben Unternehmen wie Clintons Verlag. Die deutsche Fassung mit dem Titel «Entscheidungen» soll am selben Tag auf den Markt kommen und 944 Seiten umfassen.

In dem Buch schildere Clinton vor allem ihre vier Jahre als Chefin des Aussenministeriums unter Präsident Barack Obama und ihre gegenwärtige Sicht auf das Weltgeschehen.

«Vertrackte» Situation in Syrien

In dem Buch erzählt sie laut CBS etwa von der Meinungsverschiedenheit mit Obama darüber, ob man die Rebellen im syrischen Bürgerkrieg bewaffnen solle. Sie habe seine Entscheidung respektiert, als er ihren Vorschlag für ein offensiveres Vorgehen gegen die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad aus Sicherheitsgründen abgelehnt habe.

«Für vertrackte Probleme gibt es selten eine gute Lösung», schreibt Clinton unter Hinweis auf die Entwicklung im syrischen Bürgerkrieg. «Jede Option erscheint schlimmer als die nächste.» So sei es im Fall Syrien verlaufen.

Ihre persönliche Beziehung zu Obama spielt in der Biografie offenbar eine grössere Rolle. Er hatte ihr 2008 in einem harten und spannenden Vorwahlkampf die Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten weggeschnappt. Sie schildert, wie unbehaglich ihr erstes Treffen mit dem Widersacher nach der Vorwahl für sie gewesen sei. «Wir haben uns angestarrt wie zwei Teenager bei der ersten Verabredung.»

Reue wegen Irak-Krieg

Selbstkritisch gesteht Clinton ein, dass sie unter Obamas republikanischem Vorgänger George W. Bush die «falsche» Entscheidung getroffen habe, den Irak-Krieg zu unterstützen. Sie entschuldigt sich, 2002 als Senatorin im Kongress für den Irakkrieg gestimmt zu haben.

«Ich war nicht die einzige, die einen Fehler gemacht hat. Aber ich habe dennoch einen Fehler gemacht. Eindeutig». Sie habe gedacht, «in gutem Glauben gehandelt und die beste Entscheidung getroffen zu haben.» Die USA begannen den stark umstrittenen Militäreinsatz im März 2003.

Hillary Clinton wird nachgesagt, dass sie sich beim Ausscheiden Obamas erneut um das Präsidentenamt bewerben will. Ihr Ehemann Bill bekleidete das Amt von 1993 bis 2001. Die angekündigte Präsentationstour für ihre Memoiren werden zum Teil als Versuch verstanden, einen Probelauf für das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur zu unternehmen. (sda)

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