Honduras: Wieder bei Null anfangen
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HondurasWieder bei Null anfangen

Der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya hat sich aus den Gesprächen mit dem amtierenden Staatschef Roberto Micheletti zurückgezogen. Offenbar will Zelaya so den Druck auf die USA erhöhen, damit sie Micheletti aus dem Verkehr zieht.

Die Bemühungen zur Beilegung der Krise des Landes stehen wieder am Anfangspunkt. Strittigster Punkt ist die Frage, ob Zelaya sein Amt wieder übernehmen und seine Amtszeit beenden kann. Sie ginge bis zum Januar. Dies will Micheletti weiterhin verhindern. Zelaya wirft Micheletti deshalb vor, nur auf Zeit zu spielen. «Es gibt nicht den geringsten Willen, das Problem zu lösen», sagte er in der Botschaft Brasiliens, die ihm seit seiner Rückkehr in das Land Zuflucht gewährt.

Wenn er nicht wieder ins Amt komme, werde die von Micheletti für den 29. November angesetzte Präsidentenwahl nicht rechtmässig sein, und die Isolation der Übergangsregierung werde sich verschärfen.

Ausnahmslos alle Länder hätten den Putsch verurteilt und würden die Wahlen nicht anerkennen. Mit dem Rückzug aus den Gesprächen scheint Zelaya den Druck auf die USA und andere lateinamerikanische Länder erhöhen zu wollen, Micheletti zum Rücktritt zu drängen.

Micheletti beharrt auf Rücktritt

Der Gesandte von Micheletti, Vilma Morales, sprach von einem überraschenden Schritt Zelayas. Man sei aber dennoch zu einem weiteren Dialog bereit.

Michelettis Verhandlungsteam erklärte, der Übergangspräsident werde zurücktreten, wenn Zelaya ebenfalls dazu bereit sei. Auf diese Weise solle der Weg frei gemacht werden für eine Koalitionsregierung. Dieses Angebot hatten die Putschisten bereits in den ersten Wochen nach ihrem Staatstreich Ende Juni unterbreitet.

OAS enttäuscht

Die vermittelnde Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zeigte sich enttäuscht. Die Vernunft habe nicht über die Emotionen gesiegt, sagte der OAS-Sonderberater John Biehl, der wegen des Stillstands das Land verlassen wollte. Die Staatengemeinschaft habe die Gespräche aber noch nicht aufgegeben.

Biehl kündigte seine Rückkehr nach Honduras an, falls sich die Konfliktparteien wieder zusammensetzen würden. Auch die USA drängten beide Seiten zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch. Die Zeit werde knapp, sagte US-Aussenamtssprecher Ian Kelly.

Das Militär hatte den während seiner Amtszeit angeblich immer weiter nach links gerückten Zelaya Ende Juni gestürzt und ausser Landes gebracht. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion kehrte er im September nach Honduras zurück und befindet sich seitdem in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa.

(sda)

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