Afghanistan: Wieder blutige Proteste wegen Koran-Verbrennung
Aktualisiert

AfghanistanWieder blutige Proteste wegen Koran-Verbrennung

Nachdem ein amerikanischer Priester einen Koran verbrannte, laufen die Menschen in Afghanistan sturm. Auch am Samstag sind wieder Menschen gestorben.

In Afghanistan gehen die blutigen Proteste gegen die Koran-Verbrennung in den USA weiter.

In Afghanistan gehen die blutigen Proteste gegen die Koran-Verbrennung in den USA weiter.

Im südafghanischen Kandahar sind am Samstag bei neuen Protesten gegen eine Koran-Verbrennung in den USA mindestens neun Menschen getötet worden. Mehr als 70 weitere Menschen wurden verletzt, wie der Sprecher des Gouverneurs von Kandahar mitteilte.

Mehre tausend vorwiegend junge Demonstranten waren auf die Strasse gegangen und skandierten «Tod den USA» und «Tod für (Präsident Hamid) Karsai». In der ganzen Stadt waren Schüsse zu hören, Autos wurden angezündet. Hunderte Polizisten versuchten, die Demonstranten davon abzuhalten, zum Sitz der Provinzregierung zu marschieren.

16 bewaffnete Männer seien festgenommen worden, sagte der Sprecher des Gouverneurs weiter. Sie hätten offenkundig versucht, die Demonstranten anzustacheln. auch in der afghanischen Hauptstadt Kabul und in Herat gingen am Samstag hunderte von Demonstranten auf die Strasse.

Am Freitag hatten bereits im afghanischen Masar-i-Scharif hunderte Menschen nach dem Gebet gegen die Koran-Verbrennung vor knapp zwei Wochen in Florida demonstriert. Wenige Stunden schlug der Protest in Gewalt um, Demonstranten stürmten das UNO-Büro in der Stadt.

Dabei wurden sieben UNO-Mitarbeiter getötet, darunter eine 53- jährige Pilotin aus Norwegen und ein 33-jähriger schwedischer Jurist, wie die Regierungen in Oslo und Stockholm bestätigten. Auch fünf Demonstranten starben bei den Auseinandersetzungen.

Angriff verurteilt

Der Vorfall war der schlimmste Angriff auf die UNO in Afghanistan seit Beginn des internationalen Einsatzes am Hindukusch 2001. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Angriff scharf. In einer Sondersitzung forderte das Gremium von der afghanischen Regierung eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls.

Die Regierung in Kabul müsse handeln und die Schuldigen der Justiz zuführen, sagte Kolumbiens UNO-Botschafter Nestor Osorio, der seit Freitag turnusgemäss den Vorsitz des Sicherheitsrats übernommen hatte.

Der Angriff habe anscheinend nicht der UNO direkt gegolten, sagte UNO-Untergeneralsekretär Alain Le Roy. Sie hätten einfach ein internationales Ziel gesucht.

Provokanter US-Prediger

Die Proteste sind eine Reaktion auf die Verbrennung eines Korans durch den radikalen US-Priester Terry Jones am 20. März in Gainesville in Florida. Der Akt hatte zunächst international kaum Beachtung gefunden.

Jones wies eine Schuld am Tod der UNO-Mitarbeiter umgehend zurück. Dafür fühle er sich in keiner Weise verantwortlich, sagte er am Freitag der britischen BBC. In einer Erklärung sprach der fundamentalistische Geistliche dem Islam zudem die Friedfertigkeit ab. «Der Islam ist keine Religion des Friedens.»

Jones hatte bereits im vergangenen Jahr eine Koran-Verbrennung angedroht, davon aber nach internationalen Protesten abgelassen. Die Zahl seiner Anhänger beläuft sich auf einige Dutzend.

Selbstmordanschlag in Kabul verhindert

In der afghanischen Hauptstadt Kabul versuchten am Samstag drei als Frauen verkleidete Männer in eine US-Basis einzudringen und einen Selbstmordanschlag zu verüben.

Die Männer hätten mit Granaten und Handfeuerwaffen um sich geschossen, seien von Sicherheitskräften aber am Vordringen gehindert worden, teilte die Polizei mit. Zwei hätten ihre Sprengladungen gezündet, der dritte und der Fahrer der Gruppe seien erschossen worden.

Nach Angaben eines Sprechers der internationalen Afghanistan Schutz-Truppe ISAF wurden bei dem Angriff drei Soldaten verletzt. Das US-Militär riegelte den Anschlagsort ab.

(sda)

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