Wieder ein Sportler beim Kiffen erwischt
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Wieder ein Sportler beim Kiffen erwischt

Den Schweizer Dopingfahndern ist erneut ein kiffender Amateursportler ins Netz gegangen. Die Folgen für den jungen Judoka: Eine Sperre von neun Monaten, Kosten von rund 800 Franken, Aberkennung einer Medaille und eine öffentliche namentliche Blossstellung durch Swiss Olympic.

Déjà vu: In schöner Regelmässigkeit werden Schweizer Amateursportler von Swiss Olympic auf unerlaubte Leistungsförderer getestet. Fälle von Hanf-rauchenden Leistungssportlern - wie jener des HCD-Verteidigers Jan von Arx, der im letzten Jahr erwischt wurde - sind selten, meist trifft die Cannabis-Jagd «unbekannte» Hobbysportler. Diesmal erwischte es den an einem Turnier in Morges positiv auf Cannabis getestete Ilanzer Judoka Samuel Kobler. Neben den Kosten für die A-Probe und das Verfahren (insgesamt gegen 800 Franken) sowie der Aberkennung des 2. Platzes darf der junge Bündner seine Sportart nun neun Monate lang nicht mehr ausüben.

«Heute schickt man Jugendliche auf die Strasse»

«Früher wollte man die Jugendlichen mit Sport von der Strasse holen, heute schickt man die Jugendlichen auf die Strasse zurück, nur weil sie ab und zu eins kiffen», so ein Kluboffizieller eines betroffenen Football-Vereins, der in den letzten Jahren zwei positive Cannabis-Fälle hatte, «bei uns haben Spieler mit dem Sport aufgehört, weil sie sich vor der öffentlichen Brandmarkung fürchten». Aussagen, die Swiss Olympic treffen müssten. Dort allerdings schweigt man sich zu diesem unangenehmen Thema lieber aus, verweist auf die internationale Dopingliste und die Platitüde, dass «Sportler keine Drogen nehmen». Ob junge Sportler wie Kobler nach der Sperre wieder zu ihrem Sport zurückkehren oder nicht, interessiert dabei nicht. Seit Cannabis 2004 in die offizielle Dopingliste aufgenommen wurde, fallen rund die Hälfte aller Schweizer Dopingfälle auf kiffende Amateursportler.

Dass die Betroffenen neben der Geldstrafe und der Sperre öffentlich an den Pranger gestellt werden (die Namen der Dopingsünder werden von Swiss Olympic an alle nationalen Medien geschickt), lässt viele Hobbysportler endgültig die Faust im Sack machen. Die allermeisten betreiben ihren Sport als Hobby und sind selbst zuhause der Willkür der Dopingfahnder ausgesetzt - diese können nämlich auch jederzeit unangemeldet vor der Haustüre auftauchen. Nicht selten müssen sich positiv getestete Sportler plötzlich ihrem Arbeitgeber gegenüber erklären - schliesslich werden sie in allen Zeitungen als Dopingsünder gebrandmarkt.

Cannabis-Problematik bekannt

Dass Cannabis in den allermeisten Sportarten nicht leistungssteigernd ist - und damit im Grunde auch nicht den Tatbestand von Doping erfüllt -, spielt ebenfalls keine Rolle. Bei Swiss Olympic ist man sich zwar bewusst, dass es sich bei den «Gedopten» vorwiegend um Personen handelt, die am Wochenende in den Ausgang gehen und unter anderem Haschisch konsumierten. Die Konsequenzen, die Swiss Olympic aus der Cannabis-Problematik gezogen haben, nützen den kiffenden Sportlern aber nichts. Das Verfahren blieb nämlich bestehen, wurde aber aus Kostengründen verkürzt.

Ein Grossteil der Dopingfahnder wünscht sich, dass Haschisch international wieder den Status erhält, den es vor 2004 hatte. Bis dahin wurde nach Sportart unterschieden, ob Cannabis auf die Dopingliste kam oder nicht. Der nationale Verband hat deshalb schon bei der internationalen Dopingagentur WADA versucht, Cannabis von der Dopingliste streichen zu lassen – ohne Erfolg. Einen Alleingang bezüglich Cannabis will Swiss Olympic aus Image-Gründen nicht wagen.

Deshalb bleibt die Botschaft von Swiss Olympic weiter bestehen: Wer kifft - gemäss Statistiken beinahe ein Drittel aller Jugendlichen -, darf keinen Wettkampfsport ausüben. Und wer es doch tut, muss mit einer Sperre, einer Busse und einer öffentlichen Blossstellung rechnen.

(mat)

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