Nordkaukasus: Wieder explodiert Suizid-Bombe in Russland
Aktualisiert

NordkaukasusWieder explodiert Suizid-Bombe in Russland

Zwei Tage nach den Terroranschlägen in der Moskauer Metro sind bei neuen Selbstmordattentaten zwölf Menschen getötet worden - diesmal in Dagestan im Konfliktgebiet Nordkaukasus. Nach Einschätzung von Regierungschef Wladimir Putin sind die Hintermänner möglicherweise dieselben.

Im Kaukasus kommt es immer wieder zu Kämpfen. Hier ein Bild vom Januar 2010.

Im Kaukasus kommt es immer wieder zu Kämpfen. Hier ein Bild vom Januar 2010.

Zwei Männer sprengten sich in der Stadt Kisljar in der russischen Teilrepublik Dagestan in die Luft. Die Sicherheitskräfte teilten mit, zunächst sei ein in der Nähe einer Schule abgestelltes Auto detoniert, als ein Polizeiwagen vorbeigefahren sei.

Zwei Polizisten seien getötet worden. Am Anschlagsort hätten sich weitere Polizisten und Passanten versammelt. Dann habe ein Selbstmordattentäter in Polizeiuniform eine weitere Bombe gezündet.

Dabei seien weitere Sicherheitskräfte und ein Zivilist getötet worden. Es gab viele Verletzte. Zum Zeitpunkt des Anschlags befanden sich gemäss Agenturmeldungen keine Kinder in der Schule.

Lange Serie von Anschlägen

Am Tatort liegen auch Dienststellen des Innenministeriums und des Geheimdienstes FSB, wie der russische Innenminister Raschid Nurgalijew sagte. Er ordnete scharfe Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Gebäuden im Nordkaukasus an. Zugleich kündigte er eine «harte Antwort» auf die jüngste Anschlagsserie an.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew wies die dagestanischen Behörden an, die Familien der Opfer zu unterstützen. Im Nordkaukasus kommt es immer wieder zu schweren Anschlägen islamistischer Untergrundkämpfer, die für einen unabhängigen Gottesstaat, ein Kaukasus-Emirat auf Grundlage der Scharia, kämpfen.

Bei Kämpfen zwischen russischen Sicherheitskräften, kriminellen Banden und islamistischen Rebellen starben allein 2009 mehr als 1000 Menschen, unter ihnen auch viele Zivilisten. Der Kreml versucht seit Jahren, Ruhe in die Region zu bringen.

«Krieg» im Kernland angedroht

In dem Gebiet, in dem auch die Russische-Föderation-Republiken Tschetschenien und Inguschetien liegen, sind 23 000 Sicherheitskräfte stationiert. Die Islamisten hatten zuletzt gedroht, den «Krieg» weiter ins russische Kernland zu tragen.

Am Montag waren bei zwei Selbstmordattentaten in der Moskauer Metro 39 Menschen in den Tod gerissen und Dutzende verletzt worden. Am Dienstag hatte die russische Hauptstadt einen «Tag der Trauer» angesetzt. An diesem Donnerstag sollen die ersten Opfer beerdigt werden.

Die Angst vor neuen Anschlägen war bei den Hauptstädtern am Mittwoch auch weiter gross. «Ziel der Terroristen ist es, Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten - das werden wir nicht zulassen», sagte Medwedew. Am Abend demonstrierten mehr als 3000 Menschen im Moskauer Stadtzentrum gegen den Terror.

Russlands Inlandsgeheimdienst FSB machte Terroristen aus dem Nordkaukasus für das Blutbad verantwortlich. Der Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, betonte, dass die Terrorbedrohung aus dem Kaukasus komme. Russland werde alles tun, den Terroristenführer Doku Umarow zur Strecke zu bringen.

Russische Medien veröffentlichten den Namen eines Tschetschenen, der den beiden Selbstmordattentäterinnen in Moskau geholfen haben soll, sowie Personenbeschreibungen zweier Komplizinnen. (sda)

Deine Meinung