Wieder Schwindel mit Fahrprüfungen
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Wieder Schwindel mit Fahrprüfungen

Drei Tamilen sind in Zürich wegen eines Schwindels mit theoretischen Fahrprüfungen zu bedingten Freiheitsstrafen von je acht Monaten verurteilt worden. Landsleute mit Sprachproblemen bezahlten bis zu 3200 Franken.

In seinem am Mittwoch eröffneten Urteil hat das Bezirksgericht Zürich drei in der Schweiz wohnhafte Familienväter aus Sri Lanka wegen mehrfacher Urkundenfälschung sowie mehrfachen Erschleichens von Ausweisen oder Bewilligungen schuldig gesprochen. Damit ist das Gericht weitgehend den Darstellungen der Anklage gefolgt. Demnach hatte das Trio herausgefunden, dass sich etliche seiner tamilischen Landsleute wegen Sprachschwierigkeiten mit den theoretischen Fahrprüfungen sehr schwer taten. Daraus wollten sie Kapital schlagen.

Fest steht, dass die drei ab Sommer 2002 zuerst in den Kantonen Bern und Basel aktiv wurden. Dabei ging jeweils der als der «Intellektuelle» des Trios geltende 34-jährige Tamile mit gefälschten Ausweisen zu den Strassenverkehrsämtern und legte dort im Namen von Landsleuten die theoretische Fahrprüfung ab. Die anderen beiden passten die Dokumente mit den Fotos der Auftraggeber an und kassierten jeweils 2.700 bis 3.200 Franken. Die Beute teilten die Täter unter sich auf.

Den Grossteil des Geldes erhielt der «Prüfungsexperte», der das grösste Risiko trug. Dies zeigte sich im März 2003, als ein aufmerksamer Experte den Schwindel durchschaute. Der Hauptangeklagte flüchtete in der Folge aus dem Prüfungsraum vor der Polizei. Trotzdem flog der Schwindel wenig später auf.

Auf Grund der Dunkelziffer der Vorfälle blieb der wahre Deliktsbetrag unbekannt. Die Staatsanwaltschaft Zürich brachte jedenfalls sieben nachweisbare Fälle zur Anklage, was immerhin eine Deliktssumme von über 20.000 Franken bedeutete. Am Bezirksgericht Zürich zeigten sich die Angeklagten am letzten Freitag weitgehend geständig. Sie gaben Geldmangel als Tatmotiv an. Der «Intellektuelle» bezeichnete vor Gericht seine aufwendige Hochzeitsfeier als Grund für seine finanziellen Kalamitäten.

Erst letzte Woche flog ein Ring von kriminellen Serben auf, die ebenfalls Kapital aus dem Prüfungsgeschäft schlugen. Letztes Jahr hat der Bundesrat entschieden, Sprachprüfungen nur noch in den vier Landessprachen und Englisch abzunehmen. Dies, um den Prüfungstourismus zu unterbinden. Dieser entstand, weil verschiedene Kantone verschiedene Sprachen anboten und die Kandidaten sich dort anmeldeten. Die Folge scheint nun zu sein, dass die Prüflinge vermehrt einen Stellvertreter für die Theorieprüfung engagieren. (dapd)

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