Jahrestag der Revolution: Wieder sterben Demonstranten

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Jahrestag der RevolutionWieder sterben Demonstranten

Über 200 Menschen wurden in Ägypten bei erneuten Demonstrationen gegen die Regierung verletzt. Vier davon starben. Genau vor zwei Jahren begann in Kairo die Revolution.

Zwei Jahre nach Beginn der Revolution liegen die Nerven am Nil noch immer blank. Zehntausende aufgebrachte Ägypter sind am Freitag gegen die islamistische Regierung unter Präsident Mohammed Mursi auf die Strasse gegangen. Vielerorts eskalierte der Protest: Vier Menschen kamen nach Behördenangaben bei gewaltsamen Strassenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Stadt Suez ums Leben, darunter ein 14-jähriger Jugendlicher. Mindestens 186 weitere wurden bei Strassenschlachten im ganzen Land verletzt.

Brennpunkt der Kundgebungen zum Gedenken an den Beginn des Volksaufstands war erneut Kairo. Zu Zehntausenden strömten vor allem Anhänger liberaler und säkularer Gruppen auf den zentralen Tahrir-Platz, wo im Januar 2011 der Massenprotest gegen den damaligen Machthaber Hosni Mubarak seinen Anfang genommen hatte.

Vor dem Präsidentenpalast im Stadtteil Heliopolis wurden Transparente mit der Aufschrift «Nein zur korrupten Muslimbruderschaft-Regierung» geschwenkt. Maskierte Demonstranten versuchten, eine vor den Toren des Amtssitzes aufgebaute Barrikade der Polizei zu durchbrechen; die Sicherheitskräfte reagierten mit dem massiven Einsatz von Tränengas.

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Auch Zusammenstösse in Alexandria

Auch in der Nähe des Tahrir-Platzes kam es am zweiten Tag in Folge zu Auseinandersetzungen, als die Polizei mit Tränengas gegen junge Männer vorging, die mit Steinen warfen. Noch am Freitagabend machten sich derweil zahlreiche weitere Demonstranten aus umliegenden Bezirken auf dem Weg zum Platz. Auch aus Alexandria sowie der Stadt Ismailia wurden Zusammenstösse gemeldet.

«Heute setzt das ägyptische Volk seine Revolution fort», hatte Oppositionsführer Hamdeen Sabahi erklärt. «Sie sagen 'Nein' zum Muslimbruder-Staat. Wir wollen eine demokratische Verfassung, soziale Gerechtigkeit und Garantien für faire Wahlen.» Aus Sicht der Demonstranten hat sich der mit dem Sturz von Ex-Machthaber Hosni Mubarak erhoffte Wandel im Land nicht eingestellt. Zudem wollen die Protestler mit den Kundgebungen zum Jahrestag des Volksaufstands den Druck auf Staatschef Mursi erhöhen, den von Islamisten ausgearbeiteten Verfassungsentwurf zu ändern und mehr Rechte auf freie Meinungsäusserung zuzulassen. (sda/dapd)

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