Aktualisiert 21.05.2012 17:27

Nach dem ErdbebenWieder streitet Italien über Risiko-Neubauten

Nach dem Erdbeben vom Sonntag werden in Italien Erinnerungen an das Drama von L'Aquila vor drei Jahren wach. Eines haben beide Tragödien gemeinsam: Auch diesmal sind viele Neubauten eingestürzt.

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Die schlimme Erinnerung an das Erdbeben vom 6. April 2009 in L'Aquila sitzt immer noch tief. Damals bebte die Erde mit einer Stärke von 6.3 auf der Richterskala und zerstörte mehrere Neubauten. Insgesamt waren 300 Menschen ums Leben gekommen. Schon bei dieser Gelegenheit war die Debatte über die schlechte Bauqualität der relativ neuen Hochhäuser aufgekommen. Ein leises Versprechen, dies zu korrigieren, wurde aus verschiedenen politischen Ecken ausgesprochen.

Doch geändert hat sich nicht viel: Auch diesmal wurden sowohl alte, als auch viele neue Häuser beim Erdbeben in Emilia Romagna, das nicht zu den stärksten gehört, zerstört. Die Seismologen haben allerdings für die grosse Zerstörung der Gebäude eine Erklärung: «Alle Erdbeben, die das Epizentrum genau unter einer Stadt haben, richten grosse Schäden an», meinte Gianluca Valensise gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA. Als Beispiele nannte er das Erdbeben von L'Aquila, jenes von Messina in Sizilien oder von Reggio Calabria, bei dem im Jahr 1908 100 000 Menschen starben.

Grosser wirtschaftlicher Schaden

Die Behörden bemühen sich unterdessen, den entstandenen Schaden an Wohnhäusern, Verwaltungsgebäuden, Schulen und Kirchen abzuschätzen. Die Bewohner der Region fürchten sich derzeit vor Nachbeben. «Das macht den Menschen Sorgen», sagte der Präsident der Region Emilia Romagna, Vasco Errani, dem Fernsehsender Sky TG24. «Damit müssen wir umgehen, weil es auch einen psychologischen Aspekt gibt. Als Folge beschleunigen wir die Überprüfungen der Gebäude.»

Derzeit versucht man zudem die Schäden in der Landwirtschaft zu beziffern. Der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti erklärte, bei dem Erdbeben seien rund 300 000 Käselaibe zerstört worden. Der Verband sprach von einem Schaden in Höhe von 50 Millionen Euro für die Hersteller.

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