Wieder Tote bei Flüchtlingsdrama im Mittelmeeer

Aktualisiert

Wieder Tote bei Flüchtlingsdrama im Mittelmeeer

Bei einem Flüchtlingsdrama vor der tunesischen Küste sind möglicherweise 28 Menschen ums Leben gekommen.

Nach tunesischen und italienischen Medienberichten ist ein Boot mit 30 Flüchtlingen an Bord bereits in der Nacht zum Montag rund 60 Kilometer südlich von Tunis gekentert. Die Küstenwache habe bislang sechs Leichen geborgen.

Wie die arabische Tageszeitung «Assabah» am Dienstag berichtete, konnte sich ein Flüchtling an die Küste retten, ein zweiter wurde aus dem Wasser gefischt. Die Flüchtlinge wollten nach Italien.

Nach ersten Erkenntnissen ereignete sich die Katastrophe fünf Kilometer vor der tunesischen Küste, auf der Höhe von Hammamet. Das kleine Boot sei völlig überladen gewesen, erklärte ein Überlebender. Viele hätten noch versucht, die Küste zu erreichen, und seien ertrunken.

Identität unklar

Die Identität der Ertrunkenen war nach Angaben der Zeitung nicht festzustellen, da die Flüchtlinge ihre Ausweise verbrannt hätten, in der Hoffnung, dass Italien sie dann nicht hätte zurückschicken können.

Erst am Wochenende waren bei einer Flüchtlingstragödie zwischen Lampedusa und Nordafrika vermutlich Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Überlebende sprachen von bis zu 70 Flüchtlingen, die während der Überfahrt nach Italien gestorben und danach ins Meer geworfen worden waren. Darunter seien auch mehrere Kinder gewesen.

Am Dienstag wurde zudem ein weiteres Flüchtlingsboot mit Dutzenden Menschen an Bord südlich von Sizilien gesichtet. Nach Berichten italienischer Fernsehsender drohte das Boot nahe der Insel Pantelleria zu kentern, wurde von der Küstenwache aber in Sicherheit gebracht.

Massnahmen

Jedes Jahr versuchen Zehntausende von Afrikanern, über das Mittelmeer nach Italien zu flüchten. Nach tunesischen Medienberichten hat die italienische Regierung wegen des Problems der illegalen Einwanderer Vertreter nach Tunis entsandt, um dort eine stärkere Küstenüberwachung zu fordern und Massnahmen gegen den Flüchtlingsstrom abzusprechen.

Dieses Jahr ertranken mehr als 40 Menschen vor der tunesischen Küste bei dem Versuch, in Booten über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

In den meisten Fällen handelt es sich um Menschen aus nordafrikanischen Staaten, die für viel Geld von Tunesien oder Libyen meist auf die italienische Insel Lampedusa geschleust werden sollen.

(sda)

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