Demo gegen Assad: Wieder Tote und Proteste in Syrien
Aktualisiert

Demo gegen AssadWieder Tote und Proteste in Syrien

Wieder sind Zehntausende Syrer gegen Präsident Baschar al-Assad auf die Strasse gegangen. Dabei kam es zu weiteren Todesopfern. Die Flüchtlingsströme Richtung Türkei gehen indes weiter.

Trotz einer massiven Militäroffensive haben in Syrien erneut Zehntausende Bürger gegen die Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad protestiert. Die Sicherheitskräfte gingen wieder mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. Dabei wurden mehrere Menschen getötet.

Nach den Freitagsgebeten kam es in mehreren Städten zu Massenprotesten. In der Stadt Kiswa südlich der Hauptstadt Damaskus eröffneten die Sicherheitskräfte das Feuer auf Demonstranten. Dabei seien mindestens fünf Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden, berichteten Aktivisten in ihren Internetforen.

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Auch in Damaskus und Homs sowie an weiteren Orten wurde auf Demonstranten geschossen. In Damaskus kamen laut Augenzeugen drei Menschen ums Leben, 25 wurden verletzt. In Homs starb ein Mensch.

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Die Aktivisten berichten von einer grossen Militärpräsenz in vielen Gegenden. Dennoch zogen vielerorts Tausende auf die Strassen. In Sprechchören hätten sie den Rücktritt Assads gefordert, berichtete ein Anwohner eines Vororts von Damaskus der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon.

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Einige hätten gerufen: «Zeigt der Welt, dass Baschar keine Legitimität mehr hat.» Die Parolen waren im Hintergrund zu hören. Da die Behörden fast alle ausländischen Korrespondenten ausgewiesen haben, ist eine Überprüfung der Berichte schwierig.

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Auf Schildern und Plakaten hätten die Demonstranten unter anderem Assads Angebot abgelehnt, mit der Opposition in einen Dialog zu treten und über die Rahmenbedingungen für Reformen zu beraten, berichteten Augenzeugen.

Grosser Flüchtlingsstrom

Die Militäroffensive gegen die Protestbewegung treibt immer mehr Syrer in die Türkei. Wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, flüchteten mehr als 1500 Menschen aus dem Nachbarland auf türkisches Gebiet.

Die meisten Neuankömmlinge hätten zunächst auf syrischer Seite in provisorischen Lagern ausgeharrt und seien dann vor der anrückenden Armee geflohen. Nach Angaben der türkischen Provinzregierung sind mittlerweile fast 12 000 Menschen aus Syrien in die Türkei geflohen.

Die türkischen Behörden rechneten mit einem Exodus aus der syrischen Grossstadt Aleppo und errichteten in der Nähe eines Grenzübergangs ein weiteres Flüchtlingslager mit 800 Zelten. Das UNO- Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) bot den türkischen Behörden seine Unterstützung an.

Die syrische Opposition erklärte, das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Regimegegner habe bisher mehr als 1300 Menschen das Leben gekostet.

Drängen der EU

Die Europäische Union dringt angesichts der anhaltenden Gewalt auf eine Verurteilung Syriens durch den UNO-Sicherheitsrat. Das Gremium müsse eine «angemessene Antwort» auf die Situation in Syrien geben, heisst es in der Abschlusserklärung des EU-Gipfels, den die 27 Staats- und Regierungschefs in Brüssel verabschiedeten.

Darin verurteilt die EU «in schärfster Weise die anhaltende Unterdrückung sowie die inakzeptable und schockierende Gewalt», mit der das syrische Regime gegen die eigene Bevölkerung vorgehe.

Die EU veröffentlichte eine Liste mit Namen von Personen und Institutionen, die nun ebenfalls mit Sanktionen belegt werden. Darin werden auch drei hohe Offiziere der iranischen Revolutionsgarden benannt. Sie sollen das Vorgehen der syrischen Führung aktiv unterstützt haben. (sda)

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