Wiedertäufer
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Retrorocker Lenny Kravitz (39) hält Hof: In seiner Luxus-Suite im besten Berliner Hotel talkt er
über sein neues Album «Baptism», über seinen Glauben — und auch ein bisschen über sein Privatleben.

Interview -- Simone Matthieu

Lenny, du hast dir gerade von einer

Assistentin verschiedene Gesichtscremes auftragen lassen. Warst du shoppen hier in Berlin?

Nein, ich gehe nicht einkaufen. Ich lasse mir eine Auswahl von Kleidern, Schuhen und Kosmetika bringen und wähle dann aus, was mir gefällt.

Du hast einen neuen Look – deine Haare sind ganz glatt.

Die Jungs, die in meiner Kindheit in Brooklyn rumhingen, hatten genau solche Frisuren. Ich fand sie total cool und wollte meine Haare auch so tragen.

Alles neu – auch der Titel deines siebten Studioalbums «Baptism» (Taufe) tönt eine Erneuerung an.

Es ist eher im Sinn von Wiedergeburt gemeint.

Also dann: wiedergeboren. Was bedeutet das für dich? Führst du ein neues Leben?

Ich fühle mich einfach so, als würde ich vor einem Neuanfang stehen. Als ich an «Baptism» arbeitete, war es, als nähme ich mein allererstes Album auf.

Heisst das dann: back to the roots?

Nein, es ist keine Rückwärtsbewegung. Im Gegenteil, es ist ein Vorwärtsgehen.

Und – hast auch du dich verändert?

Ich bin immer noch dieselbe Person, ich bin einfach an einer Stelle, die sich neu anfühlt. Mein Privatleben war ziemlich schwierig in den letzten Jahren, und ich komme nun langsam aus dieser Phase heraus.

«Baptism» – das klingt auch nach Religion. Hat dir dein Glaube in der Krise geholfen?

Der christliche Glaube bedeutet mir viel, ich praktiziere ihn im täglichen Leben. Ich brauche dazu aber keine Organisation, keine Kirche. Für mich bedeutet Glaube beten, mit Gott kommunizieren; das kann ich überall tun. Ich habe sogar meinen neuen Hund «Priest» (Priester) getauft.

Dein neues Werk hätte ursprünglich ein Funkalbum werden sollen. Jetzt ist es wieder ein Retrorock-Album …

Ich arbeitete gerade am Funk-album, doch dann habe ich dieses Projekt beiseite gelegt, da ich die Eingebung für «Baptism» hatte. Ich hörte auf diese Inspiration. Wenn sie dich überkommt, musst du sie annehmen. Das Funkalbum kommt aber als Nächstes dran.

Du hast dich für dein neues Album modernen Einflüssen gegenüber geöffnet: Beim Song «Storm» arbeitest du zum ersten Mal mit einem Rapper zusammen.

Die Kooperation mit Jay-Z hat sich aufgedrängt, da Rap und nichts anderes in diesen Song hineinpasst. Ich war aber immer schon offen für moderne Musik und höre an Partys auch gerne Rap oder Hip-Hop.

Dennoch wirft man dir immer wieder vor, du würdest die Vergangenheit anbeten und Elemente des 60er- und 70er-Jahre-Rock rezyklieren.

Ich mache einfach jene Musik, die mir gefällt. Ich empfinde meinen Stil überhaupt nicht als retro. Nur weil ich keine Computer und Sampler benutze, heisst das nicht, dass ich alte Musik mache. Wenn ich in die Oper gehe oder Miles Davis höre, denke ich auch nicht, das ist alt, sondern ich denke, das ist toll. Niemand hat je wieder solche Musik gemacht, sie ist zeitlos. Und das sind meine Platten auch. Und was das «Stehlen» betrifft: Jeder Musiker hat doch seine Einflüsse. Auch bei Led Zeppelin und den Beatles hört man, wer ihre Vorbilder waren. Ich schreibe im Unterschied zu vielen anderen wenigstens alle meine Songs selber. Nein, solche Vorwürfe sind völlig unhaltbar.

Du hast mit deiner Exfrau Lisa Bonet eine gemeinsame Tochter, die bei dir lebt. Was macht sie und wie alt ist sie?

Meine Tochter ist heute 15 Jahre alt. Sie macht selber Musik und schreibt eigene Songs. Sie ist echt cool!

Info

«Baptism» (EMI) steht ab 17. Mai in den Läden.

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