Roma-Junge mit Pistole: Wien stellt Verfahren gegen Weltwoche ein
Aktualisiert

Roma-Junge mit PistoleWien stellt Verfahren gegen Weltwoche ein

Das Cover der «Weltwoche» mit dem kleinen Roma-Jungen Mentor, der eine Pistole in der Hand hält, war legitim. Zu diesem Schluss kommt nach der Zürcher auch die Wiener Staatsanwaltschaft.

Auch die Wiener Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen «Weltwoche»-Chef Roger Köppel wegen eines Titelbildes zum Thema Roma eingestellt. Bereits früher hatte die Zürcher Staatsanwaltschaft ihr Strafverfahren wegen Rassendiskriminierung eingestellt.

Das Bild eines Roma-Kindes mit einer Waffe auf der «Weltwoche»-Titelseite vom 5. April 2012 hatte heftige Reaktionen ausgelöst. So hatte auch ein österreichischer Journalist in Wien eine Anzeige wegen «Verhetzung» gemacht. Er wollte damit ein Zeichen gegen die in seinen Augen durch die «Weltwoche» betriebene «Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher» setzen. Die Staatsanwaltschaft Wien hat ihr Ermittlungsverfahren Ende Juni eingestellt, wie einem auf der «Weltwoche»-Homepage veröffentlichten Dokument zu entnehmen ist.

Kein Aufruf zu Gewalt und Hetze

Im «Weltwoche»-Artikel «Sie kommen, klauen und gehen» über osteuropäische Roma-Sippen, die als Kriminaltouristen in die Schweiz kommen, wird gemäss der zuständigen Wiener Staatsanwältin weder zu Gewalt gegen Roma aufgerufen noch werde gegen die Roma gehetzt, schreibt die Staatsanwaltschaft. Die Roma würden auch nicht in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft. Gleich mehrere Strafanzeigen waren nach der Veröffentlichung vom 5. April bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat gegen Köppel und zwei weitere «Weltwoche»-Journalisten eingegangen. Es wurde ihnen Rassendiskriminierung vorgeworfen. Das Strafverfahren wurde bereits Mitte Juni eingestellt.

Auch der zuständige Zürcher Staatsanwalt kam zu Schluss, dass im Bericht nicht die Roma als Volk heruntergesetzt werden. Bereits auf dem Titelblatt komme durch die Formulierung «Familienbetriebe des Verbrechens» zum Ausdruck, dass der Bericht auf eine bestimmte kriminelle Gruppe fokussiere. Der Text beschreibe die Straftaten der umschriebenen Clans und erwähne, dass die Kinder eher Opfer als Täter seien, heisst es in der Einstellungsverfügung. Dies dürfe in einem Symbolbild eines Kindes mit einer Pistole zum Ausdruck gebracht werden. Das umstrittene Titelbild war ursprünglich in einem ganz anderen Zusammenhang aufgenommen worden. (sda)

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