Nach aussichtsloser Lage: Wiener Ärzten gelingt erste Corona-Lungentransplantation
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Nach aussichtsloser LageWiener Ärzten gelingt erste Corona-Lungentransplantation

Nach Angaben der Medizinischen Universität Wien handele es sich um die erste Covid-19-Lungentransplantation überhaupt in Europa.

von
ete/sda
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Ärzten an der Medizinischen Universität in Wien gelingt die erste Corona-Lungentransplantation (Symbolbild) in Europa.

Ärzten an der Medizinischen Universität in Wien gelingt die erste Corona-Lungentransplantation (Symbolbild) in Europa.

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Aus Sicht der Ärzte ginge es der 45-jährigen Patientin «hervorragend» sagte Walter Klepetko, der Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien/AKH Wien nach dem Eingriff.

Aus Sicht der Ärzte ginge es der 45-jährigen Patientin «hervorragend» sagte Walter Klepetko, der Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien/AKH Wien nach dem Eingriff.

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Neben Toronto, Cleveland und Hannover gehöre Wien mit 100 Lungentransplantationen im Jahr zu den weltweit grössten Programmen.

Neben Toronto, Cleveland und Hannover gehöre Wien mit 100 Lungentransplantationen im Jahr zu den weltweit grössten Programmen.

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Darum gehts

  • Wiener Ärzten gelingt Lungentransplantation an einer Corona-Patientin
  • Es war die erste Covid-19-Lungentransplantation in Europa überhaupt
  • Ohne Transplantation war die Lage aussichtslos

Der Eingriff ist laut der Universität Wien dringend notwendig gewesen, die 45-jährige Patientin wäre sonst voraussichtlich aufgrund eines schweren Lungenversagens gestorben. «Aus unserer Sicht geht es ihr jetzt hervorragend, wir haben kein gravierendes Problem bisher», sagte Walter Klepetko, der Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien/AKH Wien nach dem Eingriff. «Die Organe funktionieren alle, wir sind alle zufrieden. Aber der Weg wird schon noch länger sein, bis wir sie hoffentlich endlich aus dem Krankenhaus herausbringen werden.» Die Transplantation erfolgte bereits vor einer Woche.

Die kritische Phase sei vorbei, es könnte allerdings noch etwas passieren, schriebt die Klinik auf ihrer Website. An der MedUni in der österreichischen Landeshauptstadt wurden bereits mehr als 2000 Lungen transplantiert.

Vor acht Wochen an Corona erkrankt

Die Patientin war nach Informationen der Medizinischen Universität ohne Vorerkrankungen und vor der Corona-Infektion vor acht Wochen bei bester Gesundheit gewesen. Bald nach der Erkrankung habe sich der Zustand der Frau aber so sehr verschlechtert, dass sie beatmet werden musste. «Die Lage war aussichtslos. Die Lunge war wie ein Klotz, da war nichts mehr über», erklärte Klepetko.

Walter Klepetko, der Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien/AKH ist nach der Transplantation zufrieden. (Video: orf.at)

Es entwickelte sich ein Totalversagen der Lunge, so dass die 45-jährige Frau aus Kärnten aber nicht mehr künstlich beatmet werden konnte und nur noch durch eine Kreislaufpumpe am Leben erhalten werden wurde. Da Null-Chance auf Erholung bestand, entschieden sich die Ärzte für die Transplantation.

Eine Woche vor dem Eingriff war die Frau aus Klagenfurt im Helikopter nach Wien auf die Intensivstation gebracht worden. Zu diesem Zeitpunkt waren in ihrem PCR-Test noch Coronaviruspartikel nachweisbar, die jedoch nicht mehr als infektiös eingestuft wurden, was letztlich über sieben Tage durch eine negative Viruskultur bewiesen wurde, sagte Klepetko im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. «Das war der Zeitpunkt, wo wir gesagt haben, 'go.»

Weit schwieriger als bei normaler Transplantation

Klepetko, der schon Niki Lauda operiert hat, schilderte weiter. Das erste Organ-Angebot habe das Ärzte-Team wegen schlechter Qualität abgelehnt. Das zweite Organ konnte man schliesslich transplantieren. Die Schwierigkeit sei weit höher gewesen als bei einer normalen Transplantation. Klepetko: «Das ist wirklich Champions League.» Die Blutgerinnung funktioniere nicht und es seien weit mehr Blutkonserven als normal nötig. Zudem musste mehrfach eine Art Blutwäsche durchgeführt werden, um Antikörper aus dem Blut herauszuwaschen. «Das ist nicht die Arbeit einer Person, nicht die meines Teams, sondern eines viel grösseren Teams. Der Aufwand ist apokalyptisch hoch - aber es zahlt sich aus», so der Chirurg. Die erforderlichen Covid-19-Schutzmassnahmen hätten die Arbeit zusätzlich erschwert.

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