Flugzeug verpasst - Wiener am Flughafen Kabul von US-Soldaten mit Pfefferspray gestoppt
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Flugzeug verpasstWiener am Flughafen Kabul von US-Soldaten mit Pfefferspray gestoppt

Er wartete acht Stunden, um den Evakuierungsflug zu erwischen. Doch als er den Flughafen Kabul betreten wollte, wurde der in Wien lebende Latif (28) von US-Soldaten mit Pfefferspray zurückgetrieben.

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Sie haben es geschafft: Afghanische Mitarbeiter der USA beim Boarden einer Maschine in Kabul.

Sie haben es geschafft: Afghanische Mitarbeiter der USA beim Boarden einer Maschine in Kabul.

U.S. Marines via ZUMA Press Wire Service/DPA
Afghanische Familien betreten eine C-117 der US-Streitkräfte.

Afghanische Familien betreten eine C-117 der US-Streitkräfte.

Nicholas Guevara/U.S. Marines via ZUMA Press Wire Service/DPA
Doch bis zu 6000 Menschen warten weiterhin auf einen rettenden Flug.

Doch bis zu 6000 Menschen warten weiterhin auf einen rettenden Flug.

AFP

Darum gehts

  • Die Evakuierungen am Flughafen Kabul gehen nur schleppend voran.

  • Tausende Ausreisewillige warten und hoffen, einen Flug zu bekommen.

  • Der in Wien lebende Latif (28) erhielt keinen Zugang zu seinem Rettungsflug und wurde sogar mit Pfefferspray traktiert.

Am Flughafen Kabul herrscht noch immer das nackte Chaos. Angesichts des zunehmenden Zeitdrucks werden Verzweiflung und Gewalt rund um den Flughafen von Afghanistans Hauptstadt immer grösser. Tausende Afghanen hoffen immer noch auf eine Gelegenheit, nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban mit westlichen Flügen ausser Landes zu kommen. Auch die Evakuierung von Ausländern war am Freitag noch längst nicht abgeschlossen.

Einer, der es nicht schaffte, ausser Landes zu kommen, ist Latif (28). Wie der in Wien lebende Mann gegenüber «Heute» berichtet, hatte er in Kabul Familienangehörige besucht, als die Taliban im Land die Macht übernahmen. Er versteckte sich in der Wohnung seiner Verwandten, bis er am Mittwoch gemäss eigenen Angaben einen Anruf der österreichischen Vertretung in Islamabad erhielt, er könne ausfliegen.

Nachdem er acht Stunden vor dem Flughafen gewartet hatte, sah es so aus, als sei sein Moment gekommen, um an Bord des Evakuationfluges zu gelangen. Doch als Latif den Flughafen betreten wollte, wollte ihn das US-Personal nicht hereinlassen: «Ich habe es nicht in den Flughafen hinein geschafft. Das Personal der Amerikaner hat mich mit Pfefferspray attackiert. Ich musste wieder gehen, der Flieger hob ohne mich ab», erzählte er der Zeitung. «Von den 50 Menschen, die auf Rettung warten, haben es nur zwei geschafft, mitgenommen zu werden.» So blieb ihm nichts anderes übrig, als zu seinen Angehörigen zurückzukehren und in der Wohnung weiter auf Rettung zu hoffen.

«Wer es nicht schafft, muss es weiter versuchen»

Gegenüber «Heute» gab eine Sprecherin des Aussenministeriums in Wien an, man lasse niemanden in Kabul im Stich: «Es werden laufend Flüge durchgeführt, auf denen unsere Partner uns Plätze für Österreicher zusichern. Die Betroffenen werden dann informiert. Das größte Hindernis ist leider der Weg zum Flughafen und die Sicherheitskontrolle dort.» Die Betroffenen müssten von den Amerikanern durchgelassen werden, was für afghanische Staatsbürger eine besondere Herausforderung darstelle: «Wer es nicht schafft, muss es weiter versuchen. Es gibt keine Alternative», sagte sie der Zeitung.

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Der erste westliche Staat, der sich in der Neuzeit in Afghanistan engagierte, war das Britische Empire im 19. Jahrhundert. Dies in direkter Konkurrenz zum Russischen Reich. Die Russen wollten ihr Herrschaftsgebiet bis zum Indischen Ozean ausdehnen, um einen eisfreien Marinehafen zu errichten. Das bedrohte die Herrschaft der Briten in Südasien. (Bild: Britische Truppen nehmen 1839 die Festung in der Schlacht von Ghazni ein.)

Der erste westliche Staat, der sich in der Neuzeit in Afghanistan engagierte, war das Britische Empire im 19. Jahrhundert. Dies in direkter Konkurrenz zum Russischen Reich. Die Russen wollten ihr Herrschaftsgebiet bis zum Indischen Ozean ausdehnen, um einen eisfreien Marinehafen zu errichten. Das bedrohte die Herrschaft der Briten in Südasien. (Bild: Britische Truppen nehmen 1839 die Festung in der Schlacht von Ghazni ein.)

PD
Um seine Vormachtstellung im zentralasiatischen Raum abzusichern, unternahm das britische Empire ab 1839 einen ersten Versuch, Afghanistan zu erobern. Im Ersten Anglo-Afghanischen Krieg gelang es der gut ausgerüsteten Armee schnell, das Land einzunehmen. Doch bereits 1842 mussten sich die Briten nach einem Aufstand der Bevölkerung wieder aus Afghanistan zurückziehen. (Bild: Die britische Armee überschreitet den Bolan-Pass).

Um seine Vormachtstellung im zentralasiatischen Raum abzusichern, unternahm das britische Empire ab 1839 einen ersten Versuch, Afghanistan zu erobern. Im Ersten Anglo-Afghanischen Krieg gelang es der gut ausgerüsteten Armee schnell, das Land einzunehmen. Doch bereits 1842 mussten sich die Briten nach einem Aufstand der Bevölkerung wieder aus Afghanistan zurückziehen. (Bild: Die britische Armee überschreitet den Bolan-Pass).

PD
Mitte des 19. Jahrhunderts unterwarf das Russische Reich weitere Gebiete in Zentralasien und gründete das Generalgouvernement Turkestan in unmittelbarer Nachbarschaft zu Afghanistan. 1878 gewann Russland mit der Einrichtung einer Gesandtschaft in Kabul an Einfluss in Afghanistan. (Bild: Der Kampf um Samarkand, heutiges Usbekistan.)

Mitte des 19. Jahrhunderts unterwarf das Russische Reich weitere Gebiete in Zentralasien und gründete das Generalgouvernement Turkestan in unmittelbarer Nachbarschaft zu Afghanistan. 1878 gewann Russland mit der Einrichtung einer Gesandtschaft in Kabul an Einfluss in Afghanistan. (Bild: Der Kampf um Samarkand, heutiges Usbekistan.)

PD

Die Scharia

Die Bedeutung des Begriffs Scharia hängt von dessen Auslegung ab. Prinzipiell bedeutet der Begriff Weg oder Weg zur Quelle, also zur göttlichen Wahrheit, inklusive der Riten, Überzeugungen und Normen. Die Interpretation des Begriffs ändert sich je nach Zeit , Ort und Gesellschaft. Die üblicherweise transportierte Bedeutung einer gewalttätigen, diskriminierenden Scharia entspricht nicht der Realität der Schweizer Muslime, ebenso wenig tut dies die von den Taliban propagierte Sichtweise.

Einige Punkte, wie die Scharia bei den Taliban interpretiert wird:

  • Diebe werden öffentlich ausgepeitscht oder durch Amputationen bestraft.

  • Ohne Burka und ohne einen männlichen Blutsverwandten ist es Frauen untersagt vor die Tür zu gehen.

  • Frauen sollen in der Öffentlichkeit nicht sprechen. Kein Fremder soll die Stimme einer Frau hören.

  • Sollten Schwule beim Geschlechtsverkehr erwischt werden, werden sie gesteinigt, oder von einer Mauer, die auf sie fallen gelassen wird, zerquetscht.

  • Frauen zu fotografieren oder zu filmen ist untersagt. Ebenso ist es verboten, weibliche Personen zur Schau zu stellen – wie etwa auf Magazinen oder Plakaten.

  • Frauen ist es nicht gestattet, sich auf der Terrasse oder dem Balkon ihrer Wohnungen oder Häuser aufzuhalten.

  • Unverheiratet Unzucht zu betreiben, wird mit Peitschenhieben bestraft.

  • Der Konsum von berauschenden Substanzen – zum Beispiel Alkohol – wird mit Schlägen geahndet.

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(trx)

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