Aktualisiert 27.07.2015 13:58

Sinkende AktienkurseWieso an der Börse in Shanghai Panik herrscht

Trotz Massnahmen der Regierung verloren chinesische Aktien am Montagmorgen durchschnittlich gut acht Prozent. Ein Experte erklärt die Ursachen.

von
K. Wolfensberger
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Vor ein paar Wochen hatte an den chinesischen Aktienmärkten eine massive Korrektur nach unten stattgefunden. Seit ihrem Höchstwert Mitte Juni war die Börse in Shanghai um mehr als 30 Prozent in den Keller gerutscht.

Vor ein paar Wochen hatte an den chinesischen Aktienmärkten eine massive Korrektur nach unten stattgefunden. Seit ihrem Höchstwert Mitte Juni war die Börse in Shanghai um mehr als 30 Prozent in den Keller gerutscht.

Eugene Hoshiko
Nach einer Phase der Stabilisierung zeigen die Kurse nun erneut nach unten.

Nach einer Phase der Stabilisierung zeigen die Kurse nun erneut nach unten.

Laut ZKB-Experte Beat Schumacher werden die Märkte weiterhin volatil bleiben, das heisst sie schwanken weiter.

Laut ZKB-Experte Beat Schumacher werden die Märkte weiterhin volatil bleiben, das heisst sie schwanken weiter.

kin Cheung

Sorgen um die chinesische Wirtschaft haben die Börsen der Volksrepublik wieder auf Talfahrt geschickt. Der Leitindex an der Börse in Shanghai (Shanghai Composite) verlor am Montag 8,48 Prozent an Wert und rutschte um mehr als 345 Punkte auf 3725,56 Punkte ab. Der Shenzhen Composite Index gab um 7,00 Prozent nach und notierte bei 2160,09 Zählern. Auch die Börse in Hongkong gab nach.

Bereits in den vergangenen Wochen waren die Aktienkurse in China dramatisch gesunken. Der Shanghai Composite etwa büsste zwischen Mitte Juni und Anfang Juli mehr als 30 Prozent an Wert ein. Insgesamt wurden umgerechnet mehrere Billionen Dollar Kapital vernichtet. Nach einer Phase der Stabilisierung sanken die Kurse heute erneut massiv.

Märkte bleiben instabil

Für Beat Schumacher, Senior Economist bei der Zürcher Kantonalbank, kommt der erneute Abschwung nicht überraschend. Zu 20 Minuten sagt er: «Wir wussten, dass die Märkte vorerst instabil bleiben werden.» Ein Totalabsturz wie Anfang Juli sei aber nicht noch einmal zu erwarten. Das Schlimmste dürfte ausgestanden sein.

Die Gründe für den aktuellen Kurssturz sieht Schumacher darin, dass viele Anleger massiv unter Druck stehen. Sie hätten ihre Aktienpakte auf Kredit gekauft und müssten sie nun loswerden, um diese Kredite bedienen zu können. Diese Verkäufe hätten die Aktienkurse erneut nach unten getrieben. Ausserdem habe die chinesische Regierung offenbar weniger interveniert als Mitte Juli, so Schumacher.

Konjunkturelle Schwäche als Problem

Eine sinkende Aktienbörse hat in China weniger Auswirkungen für den Konsum und die Finanzierungsbedingungen der chinesischen Unternehmen, als dies in Europa der Fall wäre. Gründe sind laut einer ZKB-Analyse: Erstens ist der Aktienbesitz in China unter der Bevölkerung nur wenig verbreitet. Nur knapp 10 Prozent der Bevölkerung halten Aktienpositionen. Zweitens setzen auch Firmen für ihre Finanzierung nur begrenzt auf Aktien. Der mit Abstand grösste Teil entfällt in dem asiatischen Land auf Bankkredite.

Sorgen machen sich die Experten der ZKB in ihrer Analyse allerdings aufgrund der aktuellen Konjunkturschwäche in China. Diese hatte sich Ende letzter Woche im Industrie-Einkaufsmanagerindex, dem sogenannten Caixin Manufacturing Index PMI, gezeigt. Dabei handelt es sich um eine Art Frühindikator für den Produktionssektor, der negative Geschäftserwartungen erkennen lässt. Der Index fiel von 49.4 auf 48.2 Punkte, erwartet worden waren deren 49.7. Die chinesische Regierung werde deshalb Massnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur ergreifen müssen, heisst es bei der ZKB.

Kein grosser Einfluss auf die Schweiz

Auf die Schweizer Börse dürfte der erneute Kurssturz an den chinesischen Börsen keinen grossen Einfluss haben. Die Aktienmärkte Chinas sind stark abgeschottet. «Trotzdem ist auch bei den Schweizer Aktien mit einer etwas höheren Volatilität zu rechnen», erklärte ZKB-Experte Schumacher. Der SMI notierte am Montagmittag bei einem Minus von -0,70 Prozent. Ole Hansen, Rohstoffexperte der dänischen Saxo Bank, erklärte Mitte Juli, dass im Gegensatz zur Schweiz vor allem Länder wie Australien die Probleme an den chinesischen Märkten zu spüren bekommen dürften. Der Grund: Sie sind stark auf den Rohstoffexport nach China angewiesen.

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