Lieber Phil Geld: Wieso bezahlt die Unfallversicherung nicht?
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Lieber Phil GeldWieso bezahlt die Unfallversicherung nicht?

Dani (21) verletzte sich bei der Landung nach einem Salto. Die Unfallversicherung will nicht zahlen – was nun?

Die Unfallversicherung bezahlt nur dann, wenn ein ungewöhnlicher äusserer Faktor zur Verletzung geführt hat.  (Symbolbild: Keystone)

Die Unfallversicherung bezahlt nur dann, wenn ein ungewöhnlicher äusserer Faktor zur Verletzung geführt hat. (Symbolbild: Keystone)

Lieber Phil Geld

Letzte Woche habe ich mich beim Versuch eines Saltos aus gut einem Meter Höhe verletzt. Die Landung verlief leider nicht plangemäss, sodass ich mir eine Verletzung am Knie zugezogen habe. Als wäre der Unfall nicht schon Niederlage genug, weigert sich nun auch noch die Unfallversicherung zu zahlen. Wie kann das sein? Bei meinem Kollegen, der im Winter beim Skifahren gestürzt ist und sich an der Schulter verletzt hat, hat die Unfallversicherung die Kosten übernommen. Was kann ich tun?

Lieber Dani

Lehnt die Unfallversicherung eine Leistung ab, kannst du grundsätzlich eine Verfügung verlangen, gegen die du dann Einsprache erheben kannst. In deinem Fall würde sich das aber nicht lohnen, denn die Unfallversicherung muss nicht zahlen.

Unter dem Begriff Unfall versteht man aus rechtlicher Sicht jede plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper (siehe Art. 4 des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts). Die Einwirkung muss einmalig und unvorhersehbar sein. Eine Verletzung, die schleichend entsteht, wird nicht als Unfall, sondern als eine Krankheit betrachtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschwerden plötzlich oder allmählich auftreten. Entscheidend ist vielmehr, ob es sich um eine ungewöhnliche äussere Einwirkung handelt. Praktisch immer als Unfall gelten Verletzungen, die man sich bei einem Sturz oder Zusammenstoss zuzieht. Denn laut Bundesgericht stört beides den natürlichen Bewegungslauf «programmwidrig», womit die Voraussetzung der Ungewöhnlichkeit gegeben ist.

Bei dir fehlt es am ungewöhnlichen äusseren Faktor, der zur Verletzung geführt hat. Darum liegt kein Unfall im rechtlichen Sinne vor. Bei deiner Verletzung handelt es sich vielmehr um eine für das Turnen typische Verletzung, die mit dem Verletzungsrisiko des Turnens einhergeht. Wärst du beispielsweise wegen einer verrutschten Matte unsanft gelandet und hättest dir dabei eine Verletzung zugezogen, so würden die Kosten durch die Unfallversicherung gedeckt.

Obwohl die Verletzung rechtlich gesehen nicht als Unfall gilt und die Kosten nicht von der Unfallversicherung übernommen werden, können allfällige Arzt- und Heilungskosten über die Krankenkasse abgewickelt werden. Im Unterschied zur Unfallversicherung verlangt die Krankenkasse allerdings über Franchise und Selbstbehalt eine Kostenbeteiligung des Patienten. Weiter bezahlt die Kasse weder Taggelder für den kurzfristigen Arbeitsausfall noch Renten im Invaliditätsfall.

Im Übrigen gilt, dass auch die Unfallversicherung ihre Patienten zur Kasse bitten kann. So kann die Unfallversicherung auch bei Unfällen nach sogenannten «Wagnissen» (siehe Art. 50 der Verordnung über die Unfallversicherung) ihre Leistungen um die Hälfte kürzen, in besonders gravierenden Fällen sogar völlig verweigern. Gemäss Gesetz sind Wagnisse Handlungen, mit denen sich der Versicherte einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne dabei die Möglichkeit zu haben, Vorkehrungen zu treffen, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken. Darunter fallen beispielsweise Motocross- und Autorennen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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