Aktualisiert 29.09.2009 12:06

Affäre Polanski

Wieso bleibt Hollywood stumm?

Bis auf wenige Ausnahmen blieb die Reaktion aus Hollywood auf Roman Polanskis Festnahme bislang seltsam verhalten. Dabei hätte er dort viele äusserst prominente Freunde. Wie ist diese für Promis untypische Zurückhaltung zu erklären?

von
Thom Nagy

Während viele europäische, insbesondere auch Schweizer Kulturschaffende, laut gegen die überraschende Festnahme von Regisseur Roman Polanski protestieren (20 Minuten berichtete), bleibt es auf der anderen Seite des grossen Teichs bisher erstaunlich still. Einzig Studioboss Harvey Weinstein und Schauspielerin Monica Bellucci stärkten dem Starregisseur explizit den Rücken.

Dabei gehören die grössten Namen der Traumfabrik zum Freundeskreis des 76-Jährigen: So war es «Indiana Jones» Harrison Ford, der an seiner Stelle den Oscar akzeptierte, der ihm 2003 von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für den Film «The Pianist» verliehen wurde. Weshalb er zu dieser Zeremonie nicht erscheinen konnte, war damals völlig klar, hielt das Publikum, das sich aus den jeweils grössten Namen Hollywoods zusammensetzt, aber nicht von einer minutenlangen Standing Ovation ab.

Jack Nicholson hält sich bedeckt

Ebenfalls seltsam mutet das beharrliche Schweigen von Schauspiellegende Jack Nicholson an, in dessen Haus Polanski seine Straftat 1977 verübte. Auch wenn Nicholson selber zu dem Zeitpunkt nicht vor Ort war, äusserte sich seine damalige Freundin Anjelica Huston vor Gericht deutlich zu den Vorwürfen: «Sie schien eines dieser kleinen Chicks zu sein, die jedes Alter bis 25 sein könnten. Sie sah überhaupt nicht aus, wie ein 13-jähriges, verängstigtes Ding.» Es ist nur schwer zu glauben, dass sie sich in der Folge nicht mit ihrem Partner über die Verhaftung ihres gemeinsamen Freundes unterhalten hat.

Auch Filmemacherin Marina Zenovich, deren Werk «Roman Polanski: Wanted And Desired» (sieh unten) 2008 am renommierten Sundance Filmfestival als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, hüllt sich zu den neuesten Entwicklungen in Schweigen. Dabei wird der Film im Allgemeinen als Versuch der Reinwaschung Polanskis interpretiert, da er angebliche Mängel im Verfahren aufdeckt.

Ebenfalls eine klare Meinung zu den jüngsten Vorfällen dürften Pierce Brosnan, Ewan McGregor und Kim Catrall haben, die allesamt das erste Halbjahr 2009 für Polanskis neuestes Werk «The Ghost» vor der Kamera standen. Aber auch sie haben sich zum Fall nicht geäussert.

Schweigen trotz gegenteiliger Bemühungen

Dieses generelle Schweigen erstaunt umso mehr, als dass sich seine Frau Emmanuelle Seigner aktiv für seine Freilassung einsetzt und dafür um die Unterstützung der Schauspielwelt wirbt. Als namhaften Erfolg ihrer Bemühungen kann sie bisher nur die Unterstützung von Schauspielerin Monica Bellucci und dem britischen Regisseur Stephen Frears («Die Queen») vorweisen - eher mager, wenn man bedenkt, welch illustre Personen zu ihrem Freundeskreis gehören. Parallel dazu bemüht sich Thierry Fremaux, Direktor des Filmfestivals von Cannes, um prominente Unterstützung für den Regisseur. Aber auch er konnte bislang nur eine Handvoll von Unterzeichnern für seine Petition gewinnen, darunter Monica Belluci und Miramax-Studioboss Harvey Weinstein.

Angst vor überwältigender Medien-Aufmerksamkeit

Offenbar scheint dieses Eisen den meisten Celebrities doch ein paar Grad zu heiss zu sein. Denn: Wer auch immer sich von Hollywoods A-Liste zu dieser Festnahme äussern würde, fände sich bei der enormen Medienaufmerksamkeit, welche der Fall zurzeit hat, augenblicklich auf sämtlichen Titelseiten wieder. Und im Zusammenhang mit der Vergewaltigung eines Kindes gilt in Hollywood die alte Showbiz-Weisheit nicht mehr viel, nach der die einzig schlechte Publicity ist, überhaupt keine Publicity zu haben. Zumindest bis jetzt.

Trailer zu «Roman Polanski: Wanted And Desired»

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