Aktualisiert 21.03.2014 19:51

Brutal?Wieso eine Mutter ihr Adoptivkind zurückgab

Was, wenn das adoptierte Kind nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat? Eine Mutter aus dem US-Staat Washington erzählt von ihren Erfahrungen.

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Stacey Connor erzählt in einem Interview von ihrer schrecklichen Erfahrung als Adoptivmutter. (Screenshot: Good Housekeeping)

Stacey Connor erzählt in einem Interview von ihrer schrecklichen Erfahrung als Adoptivmutter. (Screenshot: Good Housekeeping)

Heute, nach sieben Jahren, kann die 41-jährige Stacey Connor aus Spokane im US-Bundesstaat Wahington offen darüber reden. Die Anwältin und mehrfache Mutter spricht in einem Interview mit «Good Housekeeping» erstmals über eine Adoption, die nicht so verlief, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Connor träumte schon immer von einer grossen Familie mit eigenen und adoptierten Kindern. Zusammen mit Ehemann Matt reichte sie deswegen ein Gesuch bei der Adoptionsbehörde ein. Als im Oktober 2006 nach jahrelanger Wartezeit der positive Bescheid eintraf, war Connor bereits Mutter eines einjährigen Sohnes.

Und so freute sich die Paar, als ein fünfjähriger Junge und ein einjähriges Mädchen aus Haiti zu ihnen stiessen. «Unsere neue Multi-Kulti-Familie war märchenhaft – für zwei Wochen», erzählt die Mutter. Denn bald fiel das Verhalten des Fünfjährigen, den sie nur «J» nennt, negativ auf. «Er ging auf alle Menschen zu und sprang ihnen in die Arme. Wenn ich sagte, es sei Zeit zu gehen, dann machte er ein Riesentheater, weinte und schrie stundenlang.»

J sollte zu einem kinderlosen Paar

Zwei Wochen später begann J seine jüngeren Geschwister zu quälen, indem er sie ständig kniff. «Da kamen bei mir erste Wutgefühle auf. Ich hatte Angst, einmal so auszurasten, dass ich ihn schlagen würde.» Ihr Mann nahm sich nach der Arbeit vermehrt Zeit für den Jungen. Doch es half alles nicht: Im Frühling 2007 war die Situation noch schlimmer geworden. J hatte begonnen, die anderen Kleinen zu schlagen.

Stacey Connor besprach das Problem mit einer Therapeutin. Diese meinte, der Junge habe während seiner Zeit im Kinderheim schwer gelitten. Ihrer Meinung nach hätte J besser an ein kinderloses Paar abgegeben werden sollen.

Als Connor ein zweites Mal schwanger wurde, schlug die Therapeutin vor, den Jungen in einer anderen Familie zu platzieren. Für Stacey Connor war das unvorstellbar: «Vegessen Sie es! Er ist mein Sohn», lautete damals ihre Antwort.

«Ich liebte J gar nicht»

Stattdessen folgte sie dem Rat einer Sozialarbeiterin. «Ich widmete mich J 24 Stunden am Tag». Zwei Monate ging das so, bis der Bub eines Tages in einem Wutanfall Connor unabsichtlich gegen die Nase schlug. «Ich sass auf dem Boden, blutete stark und heulte. Die zwei jüngeren Kinder hatten sich hinter dem Sofa versteckt und weinten ebenfalls.»

In dem Augenblick sei ihr klar geworden, dass sie J gar nicht liebte. An dem Abend teilte sie ihrem Mann ihre Entscheidung mit, das Kind wegzugeben. «Wir weinten die ganze Nacht zusammen.»

Acht Monate, nachdem J zu ihnen gekommen war, wurde er bei einer neuen Familie platziert. «Er weinte nicht einmal. Er ging zu den anderen, ohne zu protestieren», erinnert sich Connor. «Wir fühlten uns sehr erleichtert. Endlich könnten wir wieder in Ruhe leben.»

Nachbarn zeigen kein Verständnis

Die Wochen nach der Neuplatzierung waren für die Connors sehr hart. Besonders die Nachbarn gaben der Familie zu spüren, dass sie herzlos gehandelt hätten. «Die Leute schauten uns böse an. Eines Tages wurde mein Mann einem Fremden vorgestellt, der zu ihm sagte: ‹Ach, Sie sind die Familie, die das Kind losgeworden ist.›»

Die Connors haben trotz der schlechten Erfahrung mit J nie aufgehört, Kinder zu adoptieren. Sie nehmen immer wieder Pflegekinder auf, die nach einer gewissen Zeit zu einer definitiven Adoptivfamilie kommen. Obwohl es «schmerzhaft ist», wenn die Kinder wieder gehen, «habe ich gelernt, wie und wann ich Liebe spende. Das ist gut.»

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