30.01.2019 04:48

807 neue WohnungenWieso finden Basler trotz Bauboom keine Wohnung?

2018 wurden in Basel mit 807 so viele Wohnungen gebaut wie seit 1981 nicht mehr. Wer auf Wohnungssuche ist, bekommt davon aber wenig zu spüren.

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las
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Im Kanton Basel-Stadt sind 2018 ganze 870 neue Wohnungen gebaut worden.

Im Kanton Basel-Stadt sind 2018 ganze 870 neue Wohnungen gebaut worden.

Keystone/Georgios Kefalas
Das sind so viele, wie schon seit 1981 nicht mehr.

Das sind so viele, wie schon seit 1981 nicht mehr.

Statistisches Amt BS
Dennoch verzweifeln viele Wohnungssuchende, während viele Logis leerstehen. SP-Basel-Präsident Pascal Pfister sieht die hohen Preise als Hauptschuldige. (Symbolbild)

Dennoch verzweifeln viele Wohnungssuchende, während viele Logis leerstehen. SP-Basel-Präsident Pascal Pfister sieht die hohen Preise als Hauptschuldige. (Symbolbild)

iStock/Hanohiki

Am Dienstag vermeldete das Statistische Amt des Kantons Basel-Stadt, dass im Jahr 2018 insgesamt 807 neue Wohnung gebaut wurden. Mit 114 Abrissen und 67 Umnutzungen liegt der Saldo bei 760 neuen Logis. Der neue Wohnraum ist beim gegenwärtigen Bevölkerungswachstum auch bitter nötig, denn die Bevölkerung des Stadtkantons ist in den letzten zehn Jahren um rund 10'000 Personen angestiegen.

Durch den Bauboom ist die Leerstandsquote, die 2014 auf kritische 0,2 Prozent gefallen war, wieder auf 0,7 Prozent gestiegen. Doch der Leerstand ist eher ein Symptom des Problems als ein Anzeichen für eine Lösung. Viele verzweifeln vor allem auf der Suche nach Familienwohnungen mit drei Zimmern, von denen am 1. Juni 2018 total 257 unbewohnt waren. Dieser Wohnungstyp hat mit 36 Prozent auch den grössten Anteil an den Neubauten.

Dennoch reissen sich teilweise dutzende potenzielle Mietparteien um die begehrten Apartments. Ist die Nachfrage tatsächlich so viel grösser als das Angebot, oder liegt etwas anderes im Argen?

Wohnungen sind da, aber zu teuer

«Neubau allein hilft nicht», konstatiert Pascal Pfister, Präsident der SP Basel. Das Problem sei oft nicht die Verfügbarkeit von Wohnraum per se, sondern dessen Preis. Für private Investoren sei es attraktiver, in höheren Preissegmenten zu bauen: Das schlage sich entsprechend auf die Mieten nieder, weil die Baukosten zuerst amortisiert werden müssten.

Es sei aber eine erfreuliche Entwicklung, dass in der Stadt zunehmend gemeinnützig gebaut wird. So war im 2018 jede fünfte neu erstellte Wohnung eine Genossenschaftswohnung, weiss das Statistische Amt.

Preise wachsen mit den Wohnungen

Die Gesamtsituation ist aber weiter angespannt. Ein Problem ist, dass die 2018 gebauten Wohnungen im Schnitt zehn Quadratmeter grösser sind als der Mittelwert des bisherigen Bestandes. «Werden die Wohnungen grösser, steigen die Preise. Diese Tendenz ist nicht optimal», sagt Pfister.

Deshalb fordere die SP, dass mit einer griffigen Umsetzung der Wohnschutzinitiative eine Explosion der Bestandesmieten verhindert wird, um die Verfügbarkeit von erschwinglichem Wohnraum sicherzustellen, so Pfister. Zudem will die Partei, dass der Anteil der gemeinnützigen Neubauten von 30 (2018) auf mindestens 50 Prozent angehoben wird. Gemeinnützige Wohnungen wie sie etwa Genossenschaften anbieten sind in der Regel günstiger.

Keine Ausschreibungen

Zusätzlich verschärft wird das Problem noch dadurch, «dass viele Wohnungen unter der Hand vergeben und nie ausgeschrieben werden», sagt Colette Bühler, Geschäftsführerin der IG Wohnen. Wer nicht gut vernetzt sei, habe keine Chance.

Auch sie kritisiert die Preispolitik: «Erstvermietungen von Neubauten sind wahnsinnig teuer», sagt sie. Das treffe vor allem finanziell Schwache, die schon unter Aufwertungssanierungen litten.

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