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Doktor Sex«Wieso gibt es nicht fertige Sex Wunschlisten?»

Dirk fragt, warum es keine Liste mit allen Sexphantasien gibt, auf der man nur ankreuzen könnte, was einen interessiert. Doktor Sex kennt ein paar - aber sie sind nicht vollständig.

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Guter Sex basiert auch auf reden - aber nicht nur. (Symbolbild: Colourbox.com)

Guter Sex basiert auch auf reden - aber nicht nur. (Symbolbild: Colourbox.com)

Frage von Dirk (37) an Doktor Sex: Paar sollten bekanntlich viel offener über ihre Wünsche an das Gegenüber sprechen. Nur - wo anfangen? Und wie kommuniziert man zum Beispiel die etwas ausgefalleneren Wünsche? Ich fände es einfacher, wenn beide eine vorgedruckte und vollständige Liste mit sexuellen Phantasien durchgehen und darin ankreuzen würden, was sie interessiert. Danach plaudert man sich gemeinsam durch die angekreuzten Themen und einigt sich auf das weitere Vorgehen. Im Netz finde ich aber nichts Passendes. Können Sie mir vielleicht Literatur und-oder Links empfehlen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Dirk.

Eine spannende Idee, diese vollständige Liste mit sexuellen Phantasien. Ihre Umsetzung dürfte sich aber schwierig gestalten, denn wer ist schon in der Lage, die Gesamtheit der menschlichen Phantasie vollumfänglich zu vermessen und verzeichnen? Allein die Wünsche, Gelüste und Ideen, die ein einzelnes Gehirn zu produzieren in der Lage ist, sind unermesslich. Und dann verändern diese sich ja auch noch ständig, je nach den Umständen, in denen ein Mensch lebt. Ein aussichtsloses Unterfangen.

Trotzdem musst du deine Idee nicht ganz aufgeben. Es gibt eine Vielzahl von Büchern, die mit der Idee geschrieben wurden, den Menschen zu besserem Sex zu verhelfen und-oder darüber zu kommunizieren. Manche davon sind durchaus brauchbar und einige haben sogar deine Idee, dass beide Partner ihre Wünsche aufschreiben und sie dem Gegenüber präsentieren, aufgenommen – jedoch nur im Rahmen einer Paarbeziehung. Zum Beispiel Ulrich Clement in seinem Buch «Guter Sex trotz Liebe». Er lädt darin die Partner ein, das eigene sexuelle Profil, die eigenen Wünsche und Sehnsüchte (wieder) zu entdecken, in den Mittelpunkt zu rücken und auf dieser Basis die sexuelle Beziehung zum Gegenüber anders, neu zu gestalten.

Ein Klassiker unter den Büchern zu Sexualität ist das Kamasutra. Entgegen der landläufigen Annahme handelt es sich dabei aber nicht um ein Buch, das ausschliesslich Stellungen beim Sex zeigt. Das ungefähr 250 n. Chr. verfasste Werk ist vielmehr ein Leitfaden der Erotik und der Liebe. Damit steht es in einer engen Beziehung zum Tantra, in dem es um die Transformation der Sexualität geht. Moderne Ausgaben werden aber nur auf die Sexstellungen reduziert. Es handelt sich daher auch oft um reine Bildbände. Vielleicht ist dies aber genau was du suchst, denn eine solche Photosammlung könnte dir als Vorlage dienen, um deiner Partnerin die Stellungen zu zeigen, die du gerne ausprobieren möchtest. Falls du dich aber vertieft mit Sexualität auseinandersetzen möchtest, empfehle ich dir eine Ausgabe, die alle sieben Bücher – so werden die Hauptkapitel genannt - enthält.

Ich persönlich finde, dass alle die Stellungen, verschiedenen Praktiken, Toys und Hilfsmittel massiv überschätzt werden. Vieles was Sex anbelangt, ist ein mehr oder weniger hilfloser Versucht, Sehnsüchte zu stillen, die letztlich nichts mit Sex zu tun haben. Oder anders ausgedrückt: Sex dient als Projektionsfläche von Bedürfnissen, die durch Sex nicht befriedigt werden können. Falls du etwas in der Art auch spürst, empfehle ich dir «Tantra, Spiritualität und Sex», ein kleines, gut lesbares Büchlein von OSHO zum Thema. Vielleicht macht dir ja das folgende Zitat Lust, das Buch einmal in Ruhe anzuschauen: «Sex kann zur Liebe werden, und solange das nicht geschehen ist, bleibt Sex eine entstellte Angelegenheit. Sex ist nur der erste Schritt, nicht der letzte. Aber wenn man versäumt, den ersten Schritt zu tun, versäumt man natürlich auch den letzten.».

Und – last but not least – möchte ich dir das Buch «Klaus Heer, was ist guter Sex?» empfehlen. In stundenlangen Gesprächen hat die Autorin Barbara Lukesch den Paartherapeuten Klaus Heer mit Fragen konfrontiert wie: Was verpassen wir, wenn wir beim Sex verstummen? Welche fixen Ideen rings um das Bett sollten wir unbedingt vergessen? Sind getrennte Schlafzimmer Sexkiller? Warum ist es himmlisch, mit offenen Augen zu küssen? Und natürlich auch: Was ist guter Sex? Unbedingt lesenswert!

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