Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive 

Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive
Daimler AG
21.10.2020 15:36

Wieso haben E-Fahrzeuge so viel PS?

Sandro wundert sich über die hohen PS-Zahlen vieler Elektrofahrzeuge. Wie kommen diese auf solche Leistungen?

von
Markus Peter, AGVS
21.10.2020

Frage von Sandro ans AGVS-Expertenteam:

Mir ist aufgefallen, dass viele Elektrofahrzeuge enorme Leistungen erzielen. Das Model S Performance von Tesla beispielsweise schafft fast 800 PS – und damit mehr als so mancher weitaus teurere Supersportwagen. Wie ist das zu erklären?

Antwort

Lieber Sandro

Der Grund liegt in den unterschiedlichen Antriebstechniken: Potente Elektroautos besitzen oft mehrere E-Motoren. Das kann ein Motor pro Achse sein oder sogar ein Motor pro Rad wie beispielsweise beim Mercedes SLS AMG Electric Drive. Dort erzeugen die vier Elektromotoren zusammen eine Leistung von 552 kW (751 PS) sowie ein Drehmoment von 1000 Nm. Damit beschleunigt der Elektro-Supersportler in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Tesla nennt für sein Modell S Performance für denselben Sprint sogar nur 2,5 Sekunden. Verantwortlich für diese Spitzenzeiten ist die Kombination aus hoher Leistung und dem praktisch ab dem Start zur Verfügung stehenden maximalen Drehmoment.

Ein Elektromotor ist im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor viel einfacher aufgebaut und sehr kompakt. Das erlaubt eine Verwendung von mehreren Motoren, deren Leistungen addiert werden und zu diesen beeindruckenden Daten und Fahrleistungen führen. Genauso wichtig wie die Motoren sind natürlich auch die Batterie, die Leistungselektrik und die Qualität der Kabelverbindungen.

Bei allen Unterschieden: Elektroantrieb und Verbrennungsmotor haben auch Gemeinsamkeiten. Beide Motorenkonzepte benötigen ein ausgeklügeltes Thermomanagement, das heisst, beide haben weder gerne zu kalt noch zu warm. Der Verbrennungsmotor hat hier einen grösseren Toleranzbereich und verträgt auch Kühlmitteltemperaturen um die 100 Grad. Die Wohlfühltemperatur der elektrischen Komponenten liegt da schon eher im Bereich der menschlichen Körpertemperatur. Während beim Verbrennungsmotor also insbesondere die Öl- und Kühlmitteltemperatur auf einem gewissen Niveau gehalten werden müssen (bei Fahrzeugen mit Aufladung über Turbo oder Kompressor auch die zugeführte Ladeluft), so gilt es beim Elektrofahrzeug, die Temperatur der Hochvolt-Batterie, der Leistungselektrik sowie des Elektromotors auf verträgliche Werte einzuregeln. Das geht soweit, dass auch die internen Ladegeräte der Elektrofahrzeuge oft aktiv gekühlt werden, was insbesondere beim Schnellladen darüber entscheidet, wie schnell dann der Akku tatsächlich wieder voll ist.

Die Verteilung der Leistung auf mehrere Elektromotoren hat noch weitere Vorteile: die Kabelquerschnitte zu den einzelnen Motoren können kleiner ausfallen als bei der Verwendung eines stärkeren und grösseren Motors. Damit lässt sich nicht nur Gewicht sparen, sondern auch die Effizienz erhöhen, indem die Verluste in den Leitungen minimiert werden. Zudem können damit beide Achsen ohne Verteilergetriebe, also ohne mechanische Verbindung, angetrieben werden. Das spart Platz, Gewicht und Energie. So kann zumindest ein Teil des hohen Batteriegewichts an anderer Stelle kompensiert werden.

Nebst den reinen Elektro-Sportwagen sind auch Hybrid-Sportwagen eine spannende Variante. Sie bieten dieselben atemberaubenden Beschleunigungswerte und beglücken gleichzeitig die Fans des verbrennungsmotor-typischen Sounds.

Gute Fahrt!

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55 Kommentare
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Bürger

22.10.2020, 22:00

E-Autos brauen ein Mehrganggetriebe um Strom zu sparen und Batteriegewicht zu reduzieren und dafür mehr Reichweite zu gewinnen. Je höher so ein Synchronmotor dreht desto mehr Strom verbraucht er logisch. Ein Tesla hat eine Untersetzung von 10:1 um das Rad einmal zu drehen muss der E-Motor 10 Umdrehungen machen bei 120 km/h würde so ein Rad etwa 3000 U/min drehen dafür muss der E-Motor mit 30000 U/min drehen

Bürger

22.10.2020, 21:55

Wieviele E-Autos sind Schleicher auf der Autobahnen schon mal beobachtet wie langsam E-Autos fahren ? selbst die 600 PS Teslas schleichen fast beim Verbrenner sieht man sowas kaum die fahren alle sehr zügig anscheinend haben die E-Motoren statt 90 % nur 15 % Wirkungsgrad weil sie ab einer gewissen Drehzahl sehr ineffizient laufen und bei 100 km/ bei einer permanent Untersetzung dreht so ein E-Motor mit etwa 30-40000 U / min eigentlich krank besser ein Schaltgetriebe einsetzen und in einem niedrigeren Drehzahlbereich fahren und somit strom sparen dafür eine 100 Kg Batterie mit 1000 km Reichweite wenn übersetzt gefahren wird

Paul

22.10.2020, 20:38

Wie kann Lärm jemanden beglücken? Das,uss man schon einen an der Waffel haben.