Xbox-Shooter: Wieso «Halo 5: Guardians» trotz allem gut ist

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Xbox-ShooterWieso «Halo 5: Guardians» trotz allem gut ist

Die futuristischen Epen der «Halo»-Reihe gehören zu den beliebtesten Egoshooter-Games. Die neuste Version wird jedoch von vielen kritisiert. Zu Unrecht.

von
Jan Graber

In der Liga der Egoshooter kommt man um einen stämmigen Kerl in grüner Rüstung und golden verziertem Helmvisier nicht herum: den Master Chief alias Spartan-117 alias John-117. Der biochemisch und cybertechnisch aufgerüstete Superkrieger steht in der futuristischen Fantasyspielreihe «Halo» als letztes Bollwerk zwischen den Menschen und den sogenannten Covenants – einer Allianz verschiedener Alienrassen. 2001 hatte der Master Chief zur Lancierung der ersten Xbox in «Halo: Combat Evolved» seinen ersten Auftritt. Er schoss sich umgehend in die Herzen von Shooterfans, denen es weniger um die akribische Korrektheit der Waffen als vielmehr um den Adrenalinrausch und den Witz des Alien-Wegpustens ging.

«Halo» wurde auch zum kommerziellen Erfolg. Insgesamt verkaufte sich die Serie laut vgchartz.com weltweit über 60 Millionen Mal. «Halo 3» legte unter diesen einen Blitzstart hin und gilt als das bei der Lancierung am schnellsten verkaufte Game der Geschichte. Aus der «Halo»-Franchise sind Comic-Bücher, Spielfilme und witzige Machinima-Parodien sowie unzählige Merchandising-Artikel entstanden. Der Master Chief ist zur Ikone geworden.

Kauderwelsch für Einsteiger

Bis jetzt: An «Halo 5: Guardians», dem neusten, soeben erschienenen Game, scheiden sich die Geister. Es handle sich nicht mehr um ein echtes «Halo»-Game, monieren hartgesottene Fans. Die Singleplayer-Kampagne sei ein Scherz, sie fühle sich nicht mehr nach «Halo», sondern nach einem beliebigen modernen Shootergame an. Ganz unrecht haben die Kritiker nicht: Gesteuert wird abwechselnd ein Quartett bestehend aus dem Master Chief und drei Begleitern und einem Viererteam um den Spartaner John Locke. Der Master Chief befindet sich auf der Flucht vor seinen eigenen Leuten: Gespielt wird abwechselnd das Team des Überkriegers, wie auch dasjenige der Verfolger. Covenants und andere Feinde segnen das Zeitliche gleichermassen, ihr Ableben wird aber irgendwie zur Nebensache.

Die Story ist verworren und macht es Einsteigern wegen der vielen Insider-Begriffen nicht leicht, ihr zu folgen. Unkundigen müssen lange Strecken des Games wie Kauderwelsch vorkommen. Eine geradezu kitschige Färbung nimmt das Zwischenspiel der künstlichen Intelligenz Cortana und des Master Chiefs an. Dass neu vier Spartaner gleichzeitig auf Ballermission sind, befremdet zusätzlich, weil die restlichen drei Teammitglieder von befreundeten Online-Spielern gesteuert werden können. Dadurch geht das Einsamer-Wolf-auf-gefährlicher-Mission-Gefühl früherer «Halo»-Spiele verloren.

Auf der Schlachtplatte

Geboten werden dafür intensivste Ballerschlachten wie in den besten Zeiten. Die Spartaner verfügen über neue Fähigkeiten: Unter anderem können sie sich bei Verletzung von ihren Kameraden im Nu zurück auf die Schlachtplatte holen lassen. Diese steht in den grandiosen Landschaften und brillant gestalteten Umgebungen, für die die «Halo»-Spiele bekannt sind. Als nervig erweist sich allenfalls, dass dem Held die Munition jeweils allzu früh ausgeht und er sich mitten im Kreuzfeuer auf die Suche nach Ballerersatz machen muss.

Kurz: «Guardians» bietet ein erstklassiges «Halo»-Erlebnis. Grafisch und technologisch spielt das Game auf höchstem Niveau. Einzig der Story fehlt die dramaturgische Dringlichkeit früherer «Halo»-Games und man wünscht sich, den Master Chief bald wieder auf einsamer Mission gegen die anstürmenden Horden ausserirdischer Feinde zu sehen. Begleitet alleine von der Liebe seines Lebens – der KI Cortana.

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