Aktualisiert 03.07.2018 06:48

Energy ChallengeWieso müssen wir in der Schweiz Wasser sparen?

Die Schweiz wird oft als Wasserschloss Europas bezeichnet. Dr. Energy erklärt, weshalb sich ein sorgfältiger Umgang mit Trinkwasser trotzdem lohnt.

von
sts
In der Wärmebilanz eines durchschnittlichen Haushaltes werden 20 bis 50 Prozent für die Wassererwärmung genutzt. Kurz zu duschen, anstatt regelmässig zu baden, macht sich daher auf der Stromrechnung bemerkbar

In der Wärmebilanz eines durchschnittlichen Haushaltes werden 20 bis 50 Prozent für die Wassererwärmung genutzt. Kurz zu duschen, anstatt regelmässig zu baden, macht sich daher auf der Stromrechnung bemerkbar

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In der Schweiz regnet es im Vergleich zu anderen Ländern oft und stark. In den letzten Jahren herrschte auch in heissen Sommern keine Wasserknappheit. Wieso werden wir nach wie vor zum Wassersparen angeregt?

Marcel (45) aus Solothurn

Auch in der Schweiz lohnt es sich, über Wassersparen nachzudenken. Dabei muss aber unterschieden werden, ob es um kaltes oder um warmes Wasser geht. Im Warmwasser ist viel Energie enthalten und es gibt einfache Möglichkeiten, ohne Komfortverlust einiges an Energie- und Energiekosten einzusparen.

Das Thema Wassersparen wird in der Schweiz sehr kontrovers diskutiert. Die Schweiz ist ein eigentliches Wasserschloss und Wasser ist fast in Übermass vorhanden. Wieso soll man damit sparsam umgehen? Es lohnt sich aber, hier genauer hinzuschauen. Es gibt tatsächlich Gemeinden – wie zum Beispiel Altdorf – in denen die gesamte Menge des Trinkwassers aus höher gelegen Quellen kommt. Das Gefälle kann genau gleich wie bei einem normalen Wasserkraftwerk für die Stromproduktion genutzt werden. Altdorf ist aber eine Ausnahme. Wenn das Trinkwasser im Grundwasser gefasst wird, muss es mit Pumpen gefördert werden.

Deutlich mehr Energie wird benötigt, wenn Trinkwasser aus Seewasser gewonnen werden muss. Insgesamt ist der Energieverbrauch für das Trinkwasser in der Schweiz ungefähr doppelt so hoch, wie der Energieverbrauch für die gesamte öffentliche Beleuchtung. Aus diesem Grund investieren die Wasserversorgungen Zeit und Geld in die Verminderung der Wasserverluste, in hocheffiziente Förderpumpen und ein ausgeklügeltes Wassermanagement. Auch du kannst hier einen kleinen Beitrag mit dem bewussten Umgang mit Trinkwasser leisten.

Bis zur Hälfte des Stromverbrauchs in einem Haushalt für Warmwasser

Im warmen Wasser ist unvergleichbar mehr Energie enthalten, als in kaltem Wasser. In der Wärmebilanz eines durchschnittlichen Haushaltes werden 20 bis 50 Prozent für die Wassererwärmung genutzt. Das Sparpotential ist darum enorm und wirkt sich unmittelbar auf den Energieverbrauch aus. Wenn das Wasser in einem Elektroboiler erwärmt wird, macht dies sogar meist mehr als die Hälfte des Stromverbrauches eines Haushaltes aus. Ein tropfender Wasserhahn kann darum schnell dazu führen, dass sich die Stromrechnung verdoppelt.

Es ist sehr einfach, den Warmwasserverbrauch zu vermindern und es gibt unendlich viele einfache Möglichkeiten. Hier ein paar Tipps:

1. Hände mit kaltem Wasser waschen.

2. Beim Kauf von Duschbrausen Produkte mit der Energieetikette A kaufen.

3. Produkte aus dem Tiefkühler nicht unter laufendem Wasserhahn auftauen lassen.

4. Geschirrspüler verwenden, statt von Hand abwaschen.

5. Duschen statt baden.

Nicht ganz unwesentlich ist auch, wie das Wasser erwärmt wird. Zuerst sollte darauf geachtet werden, die Wassertemperatur im Boiler nicht zu hoch einzustellen, 60 Grad Celsius genügen. Diese Temperatur ist aber erforderlich, um sicher zu sein, dass sich keine Legionellen bilden. Mit einem Wärmepumpenboiler kann der Energieverbrauch etwa um das Dreifache vermindert werden.

Noch besser ist es, auf dem Dach einer Solaranlage zu montieren, die für die Wassererwärmung verwendet wird: Mit einer solchen kannst du insbesondere im Sommer beliebig lang duschen, ohne dich um den Energieverbrauch kümmern zu müssen.

Energy Challenge 2018

Die Energy Challenge 2018 ist eine nationale Aktion von EnergieSchweiz und dem Bundesamt für Energie (BFE) rund um die Themen Energieeffizienz sowie erneuerbare Energien. Das Ziel in diesem Jahr ist, dass die Schweizer Bevölkerung gemeinsam mit den Partnern der Energy Challenge 2018 gesamthaft 30 Millionen Kilowattstunden einspart. Als Medienpartner beleuchtet auch 20 Minuten den Themenschwerpunkt mit Reportagen, Interviews, Energiespartipps und Quiz-Spielen. Mehr Infos gibt's in der kostenlosen Energy-Challenge-App für Android oder für iOS.

Dr. Energy

Jules Pikali beantwortet als Dr. Energy Leserfragen rund um das Thema Energie. Jules Pikali betreut zusammen mit anderen Energieberatern die Infoline von EnergieSchweiz. Das kostenlose Beratungsangebot des Bundesamts für Energie beantwortet Energiefragen von Privaten telefonisch unter 0848 444 444 oder via Kontaktformular: www.energieschweiz.ch/beratung.

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